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Kunstverein Borken präsentiert Arnulf Rainer
Hochrangige Grafik-Ausstellung im Stadtmuseum
Borken - 14. November 2006. Nach Werken von Klaus Süß, Jörg Immendorff, Werner Reuber und Piotr Sonnewend präsentiert der Kunstverein Borken – artline und mehr e.V. im Rahmen seiner fünften Museumsausstellung vom kommenden Samstag an Radierungen von Arnulf Rainer. Zur Vernissage, die um 18 Uhr beginnt, lädt der Verein in Verbindung mit dem Stadtmuseum Borken herzlich ein.
Der 77-jährige Österreicher Arnulf Rainer zählt zu den bedeutendsten europäischen Künstlern der Nachkriegsära. Im Jahr 1978 erhielt er den Großen Österreichischen Staatspreis und vertrat Österreich auf der Biennale in Venedig, 1981 folgte eine Professur an der Wiener Akademie der Bildenden Künste, im selben Jahr wurde er in die Berliner Akademie der Künste aufgenommen. 1984 zeigte das Pariser Centre Pompidou eine große Rainer-Ausstellung, 1989 widmete ihm das New Yorker Guggenheim Museum eine umfassende Retrospektive, 1993 wurde in New York das Arnulf-Rainer-Museum eröffnet. Anlässlich seines 70. Geburtstages im Jahr 2000 richteten auch das Stedelijk Museum in Amsterdam und das Kunstforum Wien große Retrospektiven aus. In Würdigung seines Lebenswerks, „das mit der höchsten Intensität künstlerischer Reflexion christliche Bildentwürfe und eigenständige Malerei in einen – oft konfliktreichen – Widerstreit“ führe, verlieh ihm die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Münster im Juni 2004 die Ehrendoktorwürde.
Das Gesamtwerk Arnulf Rainers lässt sich nicht umstandslos den gängigen Etiketten der zeitgenössischen Kunst zuordnen, denn sein Oevre ist von beständigen Paradoxa gekennzeichnet. Dennoch ist es von der völlig veränderten Ausgangslage des Jahres 1945 beeinflusst. Unter dem unmittelbaren Eindruck des Zweiten Weltkrieges und des aufkommenden Kalten Krieges empfanden es Künstler wie er als illusionär, die Welt durch Kunst verändern zu können, und suchten der Freiheit des nur sich selbst verantwortlichen, ideologisch nicht zu vereinnahmenden Menschen Ausdruck zu geben. Sie grenzten sich von der „Last der Traditionen“ ab und suchten neuen Ausdruck in einer spontanen, auch das Unterbewusstsein einbeziehenden Malweise, in der impulsiven zeichnerischen Linie und in der spontanen malerischen Schrift. Die daraus resultierenden Werke wurden als „informelle Kunst“ bezeichnet.
Arnulf Rainer gelangte schon bald über die Kategorien der Informellen Kunst hinaus und suchte konsequent nach neuen künstlerischen Formen und Ausdrücksmöglichkeiten. Letztlich richteten sich alle seine Bemühungen auf das Ziel, das Bild neu zu definieren und gegen die Tradition, gegen die Kunst zur Kunst zu gelangen. Bereits in den frühen fünfziger Jahren begann Rainer mit expressiven Übermalungen eigener und fremder Werke, die sein weiteres Schaffen prägen sollten. Damit, so Karl Ruhrberg (ehem. Direktor der Kunsthalle Düsseldorf), war „der Generalbass seines Werks, die Dialektik von Leben und Tod, bereits angeschlagen: Malerei wird zum Verschwinden gebracht, wird vernichtet, um etwas Neues entstehen zu lassen.“ Arnulf Rainers oft selbstquälerische Suche nach einem schmalen Weg zwischen der „Ertränkung des Bildes“ und seiner Wiedergeburt im Bewusstsein des Todes beschwört eine meditative Ruhe und ist doch Ausdruck einer tiefen existentiellen Beunruhigung. So wurde auch das Kreuz, verstanden als Kürzel für das menschliche Gesicht, zu einer seiner frühen Grundformen. In seinen vergleichsweise selten ausgestellten grafischen Arbeiten hat sich Arnulf Rainer vor allem auf die Kaltnadeltechnik konzentriert. Diese Art der Radierung kommt seinen künstlerischen Zielen besonders entgegen, weil sie eine ständige Weiterarbeit am Bild, die Umsetzung des künstlerischen Prinzips der allmählichen Überdeckung und die prozesshafte Annäherung an das sinnbildliche Dunkle ermöglicht. Die von der Münchener Galerie Sabine Knust für diese Ausstellung zur Verfügung gestellten Werke stammen hauptsächlich aus den Jahren 1986 bis 2000, bieten einen repräsentativen Einblick in Rainers grafisches Schaffen und veranschaulichen die Konsequenz, die formale und farbliche, aber auch thematische und gedankliche Vielfalt und den Spannungsbogen von Dynamik und Ruhe, die seinen Radierungen eigen ist.
Im Rahmen der Vernissage wird der Kunsthistoriker Matthias Kunz (München) in die Ausstellung einführen. Die musikalische Gestaltung übernehmen die beiden Stipendiatinnen der Organisation „Yehudi Menuhin Live Music Now“ Sonja Mäsing (Gesang) und Susana [sic!] Feige (Harfe). >>> Beginn: 18.00 Uhr; Ort: Stadtmuseum Borken, Marktpassage 6 (Eintritt frei). >>> Weitere Informationen unter www.kunstverein-borken.de und www.stadtmuseum.borken.de
Pressekontakt: Stadt Borken, Pressesprecher Bernd Kemper, Tel. 02861 / 939 - 303, bernd.kemper@borken.de
Zu dieser Meldung können wir Ihnen folgendes Medium anbieten:
Kreus aus Sienna, 1990 (Galerie S. Knust i.V.m.d. Künstler)
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