31. Januar 2007. Den Auftrag für den Abbruch und den Neubau der Brücke Tannenstraße hat jetzt die Stadt nach Mitteilung von Stadtbaurat Norbert Witte vergeben. Vorbereitende Arbeiten begönnen bereits im Februar. Mit dem Abbruch der Brücke solle im Mai 2007 begonnen werden.
Voraussichtlich im August könnten dann die Arbeiten für den Neubau der 77 Meter langen Brücke gestartet werden, führte Witte im städtischen Pressedienst aus. Da der Bahnbetrieb nicht behindert werden dürfe, werde die Brücke nur noch einen statt sechs Pfeiler im Gleisbereich erhalten. Die Arbeiten würden überwiegend in den Nachtstunden und am Wochenende ausgeführt. Bis zum Ende der Bauarbeiten werde die Tannenstraße von Mai 2007 bis voraussichtlich August 2008 gesperrt sein, kündigte der Stadtbaurat an. Aus Kostengründen müsse auf eine provisorische Fußgängerbrücke während der Bauzeit leider verzichtet werden. Hintergrund seien die hohen Sicherheitsanforderungen beim Überspannen der Oberleitungen, die sehr aufwändig und kostenintensiv seien. Eine Umfahrung der Baustelle könne über den Hauptbahnhof oder die Berliner Brücke erfolgen. Rechtzeitig vor Beginn der Bauarbeiten werde die Straßenverkehrsbehörde dazu nähere Informationen veröffentlichen.
„Ich freue mich, dass es endlich los geht“, erklärte Witte weiter, „trotz der schwierigen Verhandlungen mit der DB-Netz AG. Die Stadt Kassel geht in Vorleistung, obwohl noch keine Einigung mit der DB zustande gekommen ist“, so der Baudezernent. Um weitere Verzögerungen zu vermeiden, habe die Stadt wegen des Brückenabbruchs und des Neubaus sogar das Bundesverkehrsministerium eingeschaltet.
Da die Brücke zwölf Gleise überspannt und sie auch Kabel- und Versorgungsleitungen trägt, war es neben der Einbeziehung der DB-Netz AG notwendig, auch die Städtische Werke AG bei der Vorplanung einzuschalten.
Das bestehende Bauwerk erfülle hinsichtlich der Sicherheitsabstände zu den Gleisen und Oberleitungen nur einen veralteten Standard, erklärte der Stadtbaurat. Es hätten deshalb für die neue Brücke die Vorschriften der DB AG berücksichtigt werden müssen. Deshalb sei es nach Auffassung der Stadt Kassel notwendig, dass sich die DB-Netz AG an den Baukosten beteiligt. Da die DB-Netz AG dies allerdings anders sehe, sei es während der Planungsphase immer wieder zu Verzögerungen gekommen, durch die sich leider der Baubeginn verschoben habe. Trotz Einschaltung des Bundesverkehrsministeriums stehe eine Entscheidung über eine Kostenbeteiligung der DB noch immer aus.
Damit die erforderliche Erneuerung der Brücke zeitnah erfolgen könne, habe sich die Stadt Kassel bereiterklärt, alle Kosten, die oberhalb der durch das Land Hessen bewilligten 3,7 Millionen Euro Zuwendungen liegen, vorerst selbst zu übernehmen. Die Bausumme werde auf rund sechs Millionen Euro geschätzt.
Die Tannenstraße stellt eine wichtige innerörtliche Verbindung zwischen den Stadtteilen Rothenditmold und West dar. Nach der Zerstörung der Brücke Tannenstraße im zweiten Weltkrieg wurde die Brücke im Jahre 1945 neu errichtet. Im Zuge der Elektrifizierung der Bahngleise war es im Jahre 1964 erforderlich, die Durchfahrtshöhe zu vergrößern. Dadurch wurden die Pfeiler erhöht und ein neuer Überbau errichtet. Nach Fertigstellung ging die Brücke gemäß Kreuzungsvereinbarung zwischen der Stadt Kassel und der Deutschen Bahn in die Baulast der Stadt Kassel über. Seit Ende der 70er Jahre sind vermehrt Instandsetzungsarbeiten erforderlich gewesen, um die Verkehrssicherheit, Dauerhaftigkeit und Standsicherheit zu gewährleisten. Bei einer im Jahre 2002 durchgeführten Prüfung wurde ein kritischer Zustand der Brücke festgestellt, der eine sofortige Verringerung der Gewichte der Fahrzeuge erforderlich machte.
Da der Schaden an der Brücke sehr groß war, kam eine Instandsetzung der Brücke nicht in Frage. Ein Ersatzneubau wurde in die Wege geleitet. Bei nachfolgenden Brückensonderprüfungen stellte das Straßenverkehrsamt fest, dass die Schäden an der Brücke immer mehr zugenommen hatten. Das führte im Laufe der Jahre zu weiteren Gewichtsverringerungen für die die Brücke befahrenden Fahrzeuge bis auf die heute gültigen 3,5 Tonnen. Sofort nach der Feststellung des kritischen Bauwerkszustandes begann das Straßenverkehrsamt mit den Planungsarbeiten zum Abbruch und Neubau der Brücke Tannenstraße.
Die neue Brücke wird einige Verbesserungen gegenüber der bestehenden Brücke bringen. So werden die Radien zur Brückenauffahrt vergrößert und die Fahrbahn auf 7,5 Meter verbreitert, was den Lkw- und Busverkehr erleichtern wird. Der Rad- und Gehweg auf der westlichen Seite mit einer Breite von 2,25 Meter wird ebenfalls verbreitert. Um die Wartungs- und Unterhaltungsarbeiten so weit wie möglich gering zu halten, wird für die Brücke wetterfester Stahl verwendet, für den keine Korrosionsbeschichtung erforderlich ist. Damit entfällt die bisher notwendige Erneuerung der Beschichtung.
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