Pressemeldung der Stadt Bocholt

Bocholt, 12. Februar 2007

"Stolpersteine" in Bocholt verlegt

Erinnerung an Opfer des Nazi-Regimes / Schüler vom Georg-Gymnasium gaben Anstoß

Bocholt (pd).

Wer aufmerksam durch Bocholt läuft, könnte von nun an auf glänzende, messingfarbene Steine in der Pflasterung stoßen – und innehalten. Genau das beabsichtigen die sog. „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig: Sie sollen an die Opfer des Nazi-Regimes erinnern. In Bocholt sind am 12. Februar die ersten 10 „Stolpersteine“ an Orten verlegt worden, an denen ehemalige Bocholter Bürger lebten und wohnten.

Auf den Steinen sind die Namen, die Jahrgänge und Hinweise auf das Schicksal eingraviert. Der erste Stein wurde an der Kreuzung Münsterstraße/Theodor-Heuss-Ring gelegt. Er erinnert an Josef Fehler, der an der Münsterstraße ein Eisenwarengeschäft betrieb und öffentlich Widerstand leistete, indem er die Unrechtstaten der Nazis anprangerte und jüdischen Mitbürgern beistand.

Weitere Stolpersteine wurden verlegt an der Osterstraße 48/50 in Erinnerung an Bertold und Martha Löwenstein, am ehemaligen Haus Weberstraße 23 in Gedenken an Paul und Max Hochheimer, auf der Adenauerallee 39 in Erinnerung an Martha Silberschmidt, auf der Ludgerusstraße 4 in Erinnerung an Herman Cohen, auf der Feldstraße 29 in Erinnerung an Oswald Ludwig und Werner Ludwig und auf der Bogenstraße 16 in Gedenken an Hendrika Diesfeld.

"Mit den Stolpersteinen werden historische Spuren gelegt. Spuren, die zum einen das Gedenken an ehemalige Bocholter Mitbürgerinnen und Mitbürger wach halten, die als Minderheiten und Verfolgte der Schreckensherrschaft des Nazi-Regimes im zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen sind. Spuren aber auch, die uns zum Nachdenken anregen sollen. Ich begreife die "Stolpersteine" als Aufforderung an jeden von uns, stets mit aller Kraft für die Menschenwürde und die Rechte von Minderheiten einzutreten. Nicht nur in unserem Land, sondern überall", so Bürgermeister Peter Nebelo.

"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagte Künstler Gunter Demnig, der sein Projekt als "ständig wachsendes Denkmal" versteht. Bis Ende 2006 hat er rund 9.000 Steine in über 190 Ortschaften verlegt. Für 95 Euro kann jeder eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteins übernehmen.

Den Anstoß für die "Stolpersteine" in Bocholt gaben Schüler eines Geschichtskurses des St. Georg-Gymnasiums. Die Stadtverordnete Brigitte Eckers brachte die Idee in den Schul- und Kulturausschuss ein. Schließlich bildete sich ein Koordinierungskreis "Stolpersteine".

"Wir sind ermutigt, weiterzumachen", meinte Georgs-Lehrer Hermann Oechtering nach der Verlegung des ersten Steins. Spenden nimmt der Förderverein des St. Georg-Gymnasiums entgegen unter dem Stichwort "Stolpersteine", Kontonr.: 139 675 bei der Stadtsparkasse Bocholt (BLZ 428 500 35). Weitere Informationen zum Projekt erteilt Reinhold Sprinz vom Koordinierungskreis "Stolpersteine" unter E-Mail rsprinz@mail.bocholt.de.

Informationen über das Gesamtprojekt von Künstler Gunter Demnig sind im Netz unter www.stolpersteine.com zu finden.


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Künstler Gunter Demnig verlegt den ersten Bocholter "Stolperstein".

Schüler eines Geschichtskurses vom St.-Georg-Gymnasium (Hintergrund) gaben den Anstoß für die "Stolpersteine".