03. April 2007. „Immer mehr Menschen wollen im Alter Hilfs- und Pflegeleistungen in Anspruch nehmen, sind aber nicht bereit, dafür Einschränkungen ihrer Eigenständigkeit und Persönlichkeit hinzunehmen oder ihr gewohntes Wohnumfeld aufzugeben", erklärte jetzt der Vorsitzende des Kasseler Seniorenbeirates Manfred Aul anlässlich des Tages der Älteren Generation, der am Mittwoch, 4. April, stattfindet. „Wohnen im Alter“ entwickele sich mit dem demografischen Wandel zu einem zentralen Thema der Zukunft. Dieser Tag sei eine gute Gelegenheit, auch die jüngere Generation auf ein Mehr an vermeintlich unabdingbaren Versorgungs- und Pflegeleistungen, einstimmen, so Aul weiter.
Dabei sind es nicht allein junge Leute, die vielfältige persönliche Lasten für die hilfsbedürftigen Alten tragen würden, äußerte sich der Seniorenbeiratsvorsitzende. Oft besorgten dies auch selbst schon ältere Menschen, meist Frauen, die nahtlos von ihrer Erwerbs- und Familienarbeit in die Umsorgung eines Elternteils, eines Partners oder einer Nachbarin wechseln und dafür viele persönlichen Interessen und Bedürfnisse hintanstellten.
Der Tag der älteren Generation solle Anstöße liefern, um alte Menschen nicht nur überwiegend defizitär zu beschreiben und sie dann bedarfsdeckend mit kommerziell durchorganisierten Hilfsangeboten zu überziehen. Dadurch würde aber leider oft ungewollt auch ihre Verunsicherung, Passivität und Ausgrenzung verstärkt. Alternativ sollten vielmehr soziale Einbindung und Selbstorganisation gefördert werden.
Wissenschaftliche Untersuchungen und die Alltagserfahrung würden bestätigen, dass auch viele ältere Menschen für sich noch aktive und produktive Rollen im Gemeinwesen suchen, erklärte Aul. Ältere Menschen wollten sich beteiligen und engagieren, sich sozial einbinden und mitreden. Dazu hätten sie oft ungeahnte Ressourcen anzubieten: für ihre Eigenorganisation, für andere Menschen in ihrer Altersgruppe und oft auch für generationsübergreifende Aktivitäten. Sie wollten sich zumeist nicht auf den Altenteil setzen (lassen) sondern im lebendigen Austausch bleiben, auch neue Kontakte knüpfen und gar nicht erst in den Kreislauf einer Monokultur aus Altersklagen und Altersleiden geraten, führte Manfred Aul weiter aus.
Eine öffentliche Erörterung solcher Zusammenhänge von und mit den Betroffenen kann und wird zu mehr Selbstverantwortung, zum Stolz auf eigene Fähigkeiten und zu mehr Gesunderhaltung oder auch Rehabilitation im Alter führen - zum Wohle der Gepflegten, der Pflegenden und der Kommune.
Der Tag der älteren Generation sei sicher nicht nur für die Älteren lohnend, weil dort Begegnungen ermöglicht, Erinnerungen gepflegt und Erfahrungen ausgetauscht und dabei Ideen entwickelt werden könnten. Er könne auch die Suche beleben, wo und wie sich persönliche Interessen, Bedürfnisse und Fähigkeiten der älteren Menschen untereinander und mit anderer Bevölkerungsgruppen zum persönlich und gesellschaftlich nützlichen Engagement finden würden. Unter solchen Bedingungen könne älter und alt werden reizvoll sein, Kreativität, Vitalität und Gesundheit lange zu erhalten und damit neue Perspektiven zu eröffnen, erklärte der Seniorenbeiratsvorsitzende abschließend.
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