Kolloquium, Konzert und Kranzniederlegung für Hasselbach, fast 40 Nachfahren des einstigen OB in Magdeburg zu Gast
Landeshauptstadt ehrt verdienstvollen Oberbürgermeister
Magdeburg.
Die Landeshauptstadt hat heute einen ihrer größten Oberbürgermeister – Carl Gustav Friedrich Hasselbach – mit einem Kolloquium geehrt. Fast 40 Nachfahren von Hasselbach, der von 1851 bis 1881 die Geschicke der Stadt als 1. Bürgermeister und Oberbürgermeister lenkte – kamen zu den Ehrungen nach Magdeburg. Sie trugen sich ins Gästebuch der Stadt ein. Morgen wird Bürgermeister Bernhard Czogalla um 11.00 Uhr einen Kranz am Hasselbachbrunnen am Haydnplatz niederlegen.
Drei Jahrzehnte hat Oberbürgermeister Hasselbach die Geschicke der Elbestadt bestimmt. Er hat maßgeblichen Anteil an der Entwicklung Magdeburgs zu einer modernen Großstadt. In seine Amtszeit fallen so wichtige Ereignisse wie zum Beispiel
- die Eingemeindung von Sudenburg,
- die Einführung einer neuen Gasbeleuchtung,
- der Bau des Wasserwerkes in Buckau,
- die Pflasterung von Straßen,
- und die Einweihung der Strombrücke über die Elbe.
Viele Gebäude jener Jahre haben trotz Krieg und Zerstörung die Zeiten überdauert und prägen noch heute das Stadtbild, z.B. der Hauptbahnhof oder das inzwischen aufwendig sanierte Gründerzeitviertel rund um den Hasselbachplatz. Auf diesem Platz, der den Namen Hasselbachs trägt, stand zunächst auch der Hasselbachbrunnen, der am 30. November 1890 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung enthüllt wurde. 1927 wurde er auf den Haydnplatz umgesetzt und vor einigen Jahre saniert.
Hasselbach hat die Stadt Magdeburg entscheidend geprägt. Zu seiner Zeit erwachte ein neues bürgerliches Selbstbewußtsein in Magdeburg. Diese Selbstbesinnung ging einher mit großem Engagement zur Entwicklung des Gemeinwesens und mit der Besinnung auf die eigene Geschichte. In den Chroniken steht Hasselbach für eine "Verwaltung in so blühenden finanziellen Verhältnissen, wie solche von keiner größeren Stadt der Monarchie aufzuweisen sind".
Schon damals wussten die Bürger der Stadt das Wirken Carl Gustav Friedrich Hasselbachs zu schätzen. Zu seinem 25-jährigen Dienstjubiläum als Stadtoberhaupt beschlossen die Magdeburger Stadtverordneten 1876 fast einstimmig, ihm zum Dank für seine Verdienste ein Grundstück zum Bau eines Hauses zu schenken. Hasselbach lehnte das großzügige Geschenk ab. Er wollte sich keinen Missdeutungen aussetzen - eine Entscheidung, die ohne Zweifel großen Respekt verdient.
Mit seiner Familie wohnte er bis zum Ende seiner Amtszeit im Alten Rathaus. 30 Jahre lang war das Rathaus seine Wirkungsstätte. Von hier lenkte und leitete er erfolgreich die Geschicke Magdeburgs. Die Stadt dankte es ihm mit der Verleihung der Ehrenbürgerurkunde zu seinem 30-jährigen Dienstjubiläum im November 1881.
Als Hasselbach wenige Monate später starb, war die Trauer groß. Im Nachruf des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung heißt es:
"Mit reichen Kenntnissen, einem klaren Blick und durchdringendem Verstande hat er stets das, was gerade Not tat, erkannt und demnächst das richtig Erkannte unbeirrt um entgegengehende Strömungen mit seltener Energie durchgeführt. Die großen Schöpfungen der letzten 30 Jahre sind meist aus seiner Initiative hervorgegangen."
Zu diesen großen Schöpfungen zählt an erster Stelle die Stadterweiterung. Hasselbach hat sie als wichtigste Frage der Magdeburger Stadtentwicklung jener Zeit erkannt und umgesetzt. Die jahrhundertelange Einschnürung der Stadt durch den Festungsgürtel gehörte endlich der Vergangenheit an. Die damals ungewöhnlichen Mittel, mit denen er die Stadterweiterung durchsetzen konnte, brachten ihm den Ruf als "Erfinder der Geldpumpe" ein.
|