16. Mai 2007. Die Gewinner des von RELEVANT FILM (Hamburg) gestifteten Kasseler Drehbuchpreis 2007 stehen fest!
Unter den 26 eingegangenen Treatments und Drehbüchern werden drei Manuskripte prämiert:
1. Gabriele Schulz aus Staufenberg erhält 2.000 Euro für ihr Treatment „Grenzliebe“
Gabriele Schulz hat mit „Grenzliebe“ ein sehr sorgfältig recherchiertes Treatment vorgelegt, das zum einen emotional packend geschrieben ist und Themen wie die erste Liebe, Eifersucht und Zwänge in der Familie jugendnah beschreibt. Zugleich gelingt es ihr, eine historische Epoche gegenwärtig zu machen und auch für Menschen, die diese Zeit nicht selbst erlebt haben, nachvollziehbar zu gestalten. „Der kleine Grenzverkehr“ ist ein für Kassel spezifisches Thema und bekommt im Treatment „Grenzliebe“ eine anschauliche Alltäglichkeit. Wie muss es gewesen sein, jeweils für einen Tag in eine völlig fremde Welt einzutauchen? Und wie schmerzhaft war es, wenn das dann plötzlich nicht mehr ging (hier: durch den Tod der Großmutter) und alle entstandenen Kontakte und Freundschaften mit einem Mal abbrachen. Das Treatment „Grenzliebe“ spürt auf einfühlsame Weise den Folgen der „großen Geschichte“ für den einzelnen nach.
2. Marie-Josephine Damaschke-Becker aus Kassel erhält 1.500 Euro für Ihr Treatment „Das steinerne Tor“
Marie-Josephine Damschke-Becker hat mit „Das steinerne Tor“ eine sehr originelle, eigene Idee entwickelt und sprachlich sehr lebendig, mit viel Witz in ein Treatment umgesetzt. Grimmsche Märchenfiguren wieder lebendig werden zu lassen und sie in unsere heutige Welt zu versetzen, bereitet dem Leser großes Vergnügen. Zumal die Märchenfiguren nicht die gewohnten Figuren bleiben, die der Leser aus den Märchen kennt. Nein, Rotkäppchen und der Wolf gehen eine völlig neue Freundschaftsbeziehung ein und auch Blutwurst und Leberwurst oder Jorinde und Joringel verändern sich in der neuen Realität. In einer für das Alter der Autorin ungewöhnlichen Weise wird die Geschichte auf mehreren Ebenen klar strukturiert zu Ende erzählt. Die Liebesgeschichte zwischen der Lehrerin und Jakob Grimm, die Versöhnung der zunächst verfeindeten Schülergruppen sowie die Verfolgergeschichte zwischen dem verrückten Wissenschaftler und den grimmschen Märchenfiguren finden alle ihren Platz, werden miteinander verknüpft und finden alle zu einem folgerichtigen Ende. Den Spaß, den die junge Autorin beim Schreiben hatte, teilt sich dem Leser ganz unmittelbar mit. Das macht besondere Freude.
3. Oliver Kohl aus Eschwege erhält 1.500 für sein Drehbuch „Das Herz des Herkules“
Oliver Kohls Drehbuch „Das Herz des Herkules“ besticht vor allem durch seine Ausgangsidee: Als während der Restaurationsarbeiten am Herkules eine geheime Inschrift entdeckt wird, beginnt damit eine Schatzsuche, die zwar vor mehreren Jahrhunderten begonnen hat, aber in die heutige Zeit hineinreicht. Besonders die im Laufe der sich rasant entwickelnden Geschichte gestellten Rätsel, machen es für den Leser spannend dieser geschichtsträchtigen Reise zu folgen. Man erfährt viel über die Geschichte Kassels und wird zugleich im Spannungsbogen der Geschichte gut unterhalten.
Eine lobende Erwähnung erhält Ilse Spohr aus Kassel für ihr vierseitiges Exposé „Spätes Wiedersehen“.
Ilse Spohrs „Spätes Wiedersehen“ möchten wir lobend erwähnen. Sie hat kein Drehbuch oder Treatment eingesandt, aber ihre Kurzgeschichte über die junge Jüdin Sophie, die 1937 wegen der Nazis Kassel und Deutschland verlassen musste und deswegen ihre erste große Liebe verlor, ist sehr anrührend und berührend geschrieben. In der Ich-Form erzählt, bekommt man eine Ahnung von dem Leben dieser Frau, die sich nach gelebtem Ehe- und Familienleben in den USA entscheidet, noch einmal zurückzukehren nach Kassel und ihre Liebe von einst zu suchen. Die Wiederbegegnung, die gemeinsam verbrachten Tage und dann der erneute Abschied werden in knappen Worten sehr vorsichtig erzählt, die Gefühle werden dadurch nicht aufgedrängt, sondern stellen sich dem Leser selbst her. Diese Geschichte könnte eine schöne Grundlage sein für einen Film oder auch einen Roman.
Die Preisverleihung findet am Dienstag, 28. August, um 19.30 Uhr in Kassel im Rahmen der documenta 12 statt. Die Urkunden und Schecks werden von Oberbürgermeister Bertram Hilgen und Heike Wiehle-Timm an die Preisträger übergeben. Gesonderte Presse-Einladungen werden rechtzeitig verschickt.
Oberbürgermeister Bertram Hilgen bedankte sich bei Heike Wiehle-Timm für die Idee und Umsetzung des Drehbuchpreises und bei den Teilnehmern für ihre Filmideen, „die Kassel und die Region ist rechte Licht rücken“.
Bei der Podiumsdiskussion „Von Liebe können Sie ausgehen!“ am 23. September 2006 zur Vorbereitung des 1100. Stadtjubiläums der Stadt Kassel im Jahr 2013 hatte die gebürtige Kasselänerin Heike Wiehle-Timm einen Drehbuchpreis in Kassel ausgelobt. Das Treatment oder Drehbuch sollten einen kasselspezifischen Bezug ausweisen. Nicht zuletzt geht es darum, die Region Kassel filmpolitisch aufzuwerten.
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