|
"Herbstliche" Kastanien und "schimmelige" Ahornbäume
Iserlohn.
Die “herbstlichen Flecken” auf den Blättern vieler Kastanien erwecken zurzeit den Anschein, dass die Jahreszeit bei diesen Bäumen weiter fortgeschritten ist als bei anderen. Tatsächlich handelt es sich aber um die Auswirkungen eines Schädlingsbefalls:
Die Rosskastanien-Miniermotte (Cameraria ohridella) ist ein Kleinschmetterling von zirka fünf Millimetern Länge, der 1984 erstmals in Mazedonien und 1994 bereits in Österreich nachgewiesen wurde. Seine Ausbreitung in Richtung Westen erfolgte sehr rasch, da diese Art bisher nur von sehr wenigen Fraßfeinden bedroht wird. Ursprünglich stammt die Motte vermutlich aus Asien. Auffällig wird dieser unscheinbare Schmetterling durch die Schäden, die er an Rosskastanien auslöst. Jedes Motten-Weibchen legt zirka zwanzig Eier auf die Blattoberseite. Bis zu dreihundert Eier auf einem Blatt können vorkommen. Die Larven fressen so genannte “Minen” in die befallenen Blätter. Durch die Fraßgänge und die nachfolgende Braunfärbung der Blätter verringert sich die Ernährungsgrundlage des Baumes erheblich. Da die Rosskastanien-Miniermotte meist drei Generationen pro Jahr bildet, können die Schäden massiv sein. Bisher gibt es kaum nachhaltige, für die Rosskastanie ungefährliche Möglichkeiten, die Miniermotte zu bekämpfen. Als empfehlenswert und effektiv hat sich die möglichst vollständige Entfernung des Falllaubes über das ganze Jahr hinweg erwiesen, da die Puppen der Miniermotte dort überwintern. Das Laub sollte ausschließlich über professionelle Kompostierungsanlagen entsorgt werden (zum Beispiel mit der kostenfreien Grünabfallabfuhr), da nur dort durch die hohe Temperatur die Puppen der Miniermotte vernichtet werden.
Noch eine weitere Besonderheit wird in diesem Sommer von vielen Naturfreunden an Bäumen bemerkt: Punktförmige weiße "Stippen" an Stamm und Ästen von Ahorn, Linde und Rosskastanie. Es handelt sich nicht wie häufig vermutet um Schimmelbefall, sondern um die Wollige Napfschildlaus. Anfang der 1960er Jahre wurde diese Lausart erstmals in Großbritannien beobachtet. 1989 wurde der erste Befall von Gehölzen im Rheinland festgestellt. In Iserlohn sind die Läuse überwiegend in der Innenstadt an den genannten Bäumen, aber auch an einigen Ziersträuchern zu entdecken. Bei den "Stippen" handelt es sich um die Eigelege der Weibchen, die in Wachswolle am Stamm und an den Astunterseiten abgelegt werden. Der Massenbefall stellt zunächst eher eine ästhetische Beeinträchtigung dar. Hält er allerdings über mehrere Jahre an oder kommen weitere schlechte Standortbedingungen hinzu, zum Beispiel durch zu kleine Baumscheiben mit stark verfestigtem Boden oder starke Verunreinigung mit Salz, Urin oder Kot, kann die Vitalität des Baumes leiden. Er wird dann anfällig für Folgeschäden wie zum Beispiel Pilzerkrankungen. Weniger oft befallen sind Bäume in einem naturnahen Garten oder in anderen naturnahen Gebieten, da dort Insekten wie Marienkäfer und Schlupfwespen die Anzahl der Läuse erheblich reduzieren oder Meisen “ihren Speiseplan” erweitern.
|