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documenta-Stadt Kassel

F.W. Bernstein erhält Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor

12. Juli 2007.

Der „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“, vergeben von der Stadt Kassel und der Stiftung Brückner-Kühner, ist in diesem Jahr dem Schriftsteller und Zeichner F.W. Bernstein zugesprochen worden. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Wie Oberbürgermeister Bertram Hilgen bekannt gab, wird die Preisverleihung Ende Januar 2008 im Kasseler Rathaus stattfinden. Zugleich wird der „Förderpreis Komische Literatur“ verliehen; die Wahlentscheidung wird der Stiftungsrat in Kürze mitteilen. Der Kasseler Magistrat muss den Beschluss des Stiftungsrates noch bestätigen.

 

Der Kasseler Literaturpreis wird jährlich seit 1985 vergeben und zeichnet Autoren aus, deren Werk auf hohem künstlerischen Niveau von Komik und Groteske geprägt ist. Ausgezeichnet wurden u. a. Loriot, Ernst Jandl, Irmtraud Morgner, Robert Gernhardt, Peter Bichsel oder Ror Wolf und im vergangenen Jahr Gerhard Polt.

 

Begründung des Stiftungsrates

Der Stiftungsrat sieht F.W. Bernstein alias Fritz Weigle schon zu Lebzeiten im „Walhalla der Komischen Künste“, weiter heißt es:

 

»Als Lyriker, Prosaist, Dramatiker, Zeichner und Illustrator ist Bernstein ein erklärter Vertreter der „deutschen Äußerlichkeit“; sein programmatisches Motto lautet denn auch: „Immer den Sinn schön flachhalten.“ Mit artistischer Leichtigkeit verknüpft er Poesie und Nonsense, Anmut und Sprachkritik, altmeisterlichen Formsinn und Modernität zu einem unverwechselbaren Personalstil. Indem er spielerisch-parodistisch auf historische Textsorten, etwa das Sinngedicht, die Ballade oder das komische Epos zurückgreift, belebt er weithin vernachlässigte Traditionen neu und beweist somit ihre Gegenwartstauglichkeit. Als Gründungsmitglied der „Neuen Frankfurter Schule“ hat F.W. Bernstein maßgeblichen Anteil an der von ihr getragenen Renaissance literarischer und zeichnerischer Hochkomik – und damit an einer erfreulich nachhaltigen Entkrampfung der deutschen Nachkriegskultur.«

 

Über F. W. Bernstein

F.W. Bernstein (bürgerlich : Fritz Weigle) wurde am 4. März 1938 in Göppingen geboren. Er lebt heute mit seiner Frau Sabine in Berlin.

Nach dem Abitur studierte er ab 1957 an der Kunstakademie in Stuttgart, wo er Robert Gernhardt kennen lernte. 1958 wechselten beide nach Berlin an die HBK. Im weiteren Verlauf war Bernstein zunächst Referendar und Lehrer in Frankfurt, 1968 Assessor in Bad Homburg und ab 1972 Kunsterzieher an der PH in Göttingen. Von 1984 bis zu seiner Emeritierung 1999 war Prof. Weigle der erste Lehrstuhlinhaber für Karikatur und Bildgeschichte in Deutschland an der Hochschule der Künste in Berlin.

 

F.W. Bernstein ist Mitbegründer der „Neuen Frankfurter Schule“. 1964 trat er offiziell in die Redaktion der Zeitschrift PARDON ein. Kurz zuvor waren ihm bereits bei einer langen Autofahrt die inzwischen ins deutsche Volksgut eingegangenen Verse „Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche“ eingefallen. Wenig später wurde gemeinsam mit Robert Gernhardt und F. K. Waechter die Pardon-Beilage „Welt im Spiegel“ (WimS), die ‚unabhängige Zeitung für eine saubere Welt‘, aus der Taufe gehoben. Bernstein gehört auch zum Redaktionsstab des 1979 gegründeten Satire-Magazins „Titanic“.

 

F.W. Bernstein hat zahlreiche Bücher mit seinen Zeichnungen und Texten veröffentlicht. Zu seinem literarischen Werk gehören legendäre Gemeinschaftsarbeiten wie „Die Wahrheit über Arnold Hau“ (1966 mit R. Gernhardt und F. K. Waechter) oder „Besternte Ernte“ (1976 mit R. Gernhardt). Bei Reclam erschienen 1994 unter dem Titel „Reimweh“ Gedichte und Prosa. Zuletzt brachte der Antje Kunstmann-Verlag seine „Gedichte“ (2003) heraus sowie „Die Superfusseldüse. 19 Dramen in unordentlichem Zustand“ (2006).

 

F. W. Bernstein zählt zu den Alt- und Großmeistern der deutschen Satire und wurde 2003 mit dem „Göttinger Elch“ und dem „Binding-Kulturpreis der Stadt Frankfurt“ ausgezeichnet.

 

 

Der Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor

wurde 1984 der Stadt Kassel von der Stiftung Brückner-Kühner zum Geschenk gemacht. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und wird Schriftstellern zugesprochen, deren Werk sich auf hohem künstlerischen Niveau durch Humor, Komik und Groteske auszeichnet. Seit 1985 erhielten folgende Personen die Kasseler Auszeichnung: Loriot, Eike Christian Hirsch, Ernst Jandl, Wolfgang Preisendanz, Irmtraud Morgner, Ernst Kretschmer, Robert Gernhardt, Walter Hinck, Christoph Meckel, Volker Klotz, Hanns Dieter Hüsch, Karl Riha, Max Goldt, Franzobel, Ingomar von Kieseritzky, Peter Bichsel, George Tabori, Franz Hohler, Eugen Egner, Ror Wolf, Katja Lange-Müller und Gerhard Polt.

 

Den Förderpreis Komische Literatur erhielten bislang Frank Schulz, Jochen Schmidt, Tilman Rammstedt und Jess Jochimsen.

 

Die Stiftung Brückner-Kühner wurde von den Schriftstellern Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner ins Leben gerufen, die 30 Jahre zusammen in Kassel lebten und dort 1996 kurz nacheinander verstarben. Die Stiftung wirkt heute als Literaturzentrum auf den Gebieten des Komischen und der avancierten Dichtkunst und sie unterhält das Dichterhaus Brückner-Kühner. Dem Stiftungsrat gehören folgende Personen an: der Literaturprofessor Dr. Walter Pape (Vorsitzender, Köln), die Lektorin Dr. Renate Jakobson (Berlin), der Autor Ingomar von Kieseritzky (Berlin), der Literaturwissenschaftler Christian Maintz (Hamburg), der Übersetzer Harry Rowohlt (Hamburg) sowie Dr. Thomas Wohlfahrt, Leiter der literaturWERKstatt Berlin. Geschäftsführender Kurator der Stiftung ist der Literaturwissenschaftler Dr. Friedrich W. Block.

 

Näheres zum Engagement der Literaturstiftung unter www.brueckner-kuehner.de.

 

Bitte beachten Sie: Das beigefügte Medium (Portätaufnahme von F.W. Bernstein) darf nur einmalig für den Zweck der Mitteilung über die Preisvergabe verwendet werden. Dazu muss der Name der Fotografin "(c) Britta Frenz" genannt werden. Vielen Dank!

 

Zu dieser Meldung können wir Ihnen folgendes Medium anbieten:

F.W. Bernstein

Porträt von F.W. Bernstein (c) Britta Frenz



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