Magdeburg lädt ein zu zwei Tagen rund um den Autor Zschokke
2. Internationales Zschokke-Symposium in Magdeburg
Magdeburg.
Zu Ehren des Schriftstellers und Publizisten Heinrich Zschokke findet am 2. und 3. November 2007 das 2. Internationale Zschokke-Symposium unter dem Titel "Populäre Publizistik und Literatur um 1800" im Gesellschaftshaus Magdeburg statt. Veranstalter sind die Landeshauptstadt Magdeburg, die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und literarische Vereine der Elbestadt. Literaturwissenschaftler und Germanisten aus ganz Deutschland und der Schweiz treffen sich, um über Zschokke zu diskutieren und neueste Forschungergebnisse zu präsentieren. Teilnehmen kann jeder Interessierte. Anmeldungen sind im Internet unter www.zschokke-symposium.de möglich, auch spontane Besucher sind willkommen.
Zschokke war einer der meistgelesenen Literaten des 19. Jahrhunderts. In Magdeburg hatte er seine Wurzeln. Hier wurde Johann Daniel Heinrich Zschokke am 22. März 1771 geboren. In Magdeburg erlebte er seine Kindheit und Jugend. Er besuchte das Kloster "Unser Lieben Frauen" und das Altstädtische Gymnasium. 1788 kehrte er seiner Geburtsstadt den Rücken zu, trotzdem war Magdeburg die "einzige Stadt, in der nicht vergessen zu werden, meine heimliche Sehnsucht blieb", wie Zschokke später bekannte. Die Stadt Magdeburg würdigte sein schriftstellerisches Schaffen 1830 mit der Ehrenbürgerschaft. Zschokke starb 1848 in Aarau in der Schweiz.
Beim 2. Internationalen Zschokke-Symposium im November soll Zschokkes Begabung gewürdigt werden. Werke des Schriftstellers werden von Experten wie dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Rolf Parr (Bielefeld) und Dr. Alfred Messerli, Professor an der Uni Zurüch im Institut Populäre Kulturen, erörtert. Das Symposium diskutiert Fragen wie: Wie wurde Zschokke als Autor im 19. Jahrhundert wahrgenommen? Was für neue Erkenntnisse können heute aus den facettenreichen Schriften gezogen werden?
Denn eine neue wissenschaftliche Analyse von Zschokkes Texten ist nach Expertenmeinung schon längst überfällig. Zschokke vereinigte verschiedene Sprecherrollen und Kommunikations- bzw. Publikationsformen in einer Person. Um so interessanter ist die fachliche Auseinandersetzung mit der Publizistik und Literatur Heinrich Zschokkes.
Neben wissenschaftlichen Vorträgen zu Zschokke im Tagungsprogramm bietet auch das Rahmenprogramm viel Interessantes: Historische Unterlagen des Stadtarchivs aus Zschokkes Zeit in Magdeburg werden an beiden Tagen im Gesellschaftshaus ausgestellt. Matthias Zschokke, der Urururenkel von Heinrich Zschokke, wird am 2. November um 20 Uhr bei einer Lesung im Literaturhaus aus seinem aktuellen Roman "Maurice mit Huhn" lesen.
Am Samstag, den 3. November 2007 erwartet die Besucher um 19.30 Uhr im Gesellschaftshaus eine "ZschokkeLage" - mit Texten und Szenen von, über und zu Heinrich Zschokke. Wer mehr von Zschokkes Geburtsstadt Magdeburg sehen will, kann an einer Stadtführung und einem Besuch im Magdeburger Dom teilnehmen. Musikalisch lockt am 4. November um 11 Uhr die 459. Telemann-Sonntagsmusik ins Gesellschaftshaus. Auf dem Programm stehen Telemann, Bach und französische Komponisten.
Hintergrund
Zum Leben von Heinrich Zschokke
Am 22. März erblickt Heinrich Zschokke in Magdeburg das Licht des Lebens. Seine Eltern, Johann Gottfried und Elisabeth Dorothea Zschokke, verlor der jüngste Sohn von 11 Kindern schon früh. So wuchs er bei Verwandten in der Elbestadt auf. Er besuchte das Pädagogium im Kloster "Unser Lieben Frauen" und das Altstädtische Gymnasium.
Im Januar 1788 verließ Zschokke seine Heimat und schloss sich einer Theatergruppe an, für die er schneiderte und dichtete. 1790 begann er sein Studium zur Theologie an der Universität Frankfurt/Oder. Nebenbei widmete er sich seiner Leidenschaft, der Schriftstellerei. Er schrieb Theaterstücke und Gedichte.
Nach seinem Studium reiste er durch Deutschland, Frankreich und die Schweiz. 1796 ließ er sich in Reichenau nieder. Hier wurde er Leiter einer Erziehungsanstalt. Er agierte als Lehrer, Pädagoge und Prediger.
Aarau in der Schweiz sollte die neue Heimat Zschokkes werden. Hier schlug er Wurzeln. Er kaufte ein Haus, heirate die Pfarrerstochter Nanny Nüsperli, bekam 13 Kinder und wurde Mitglied des Hohen Rates, Oberforst- und Bergrat im Kanton Aarau. Aus dieser Zeit ging zum Beispiel das Werk "Die Alpenwälder, für Naturforscher und Forstmänner" hervor.
Zschokke setzte sich für mehr Bildung und eine patriotische Erziehung ein. Als Sprachrohr publizierte er die Wochenschrift "Der Schweizerbote". Bekannt und beliebt waren auch seine Veröffentlichungen zur Schweizer Geschichte. Weiterhin gründete der begabte Autor den "Verein für vaterländische Kultur in Aarau", der sich für karitative Zwecke sehr engagierte.
Für sein Talent und Engagement wurde Zschokke 1830 zum Ehrenbürger von Magdeburg ernannt. Wie er sich über diese Würdigung freute, beschreibt er 1842 in seiner Autobiographie "Selbstschau": "Anfangs stand ich vor der überraschenden Gabe mit angenehmer Bestürzung; dann mit Thränen. Es war der schönste Kranz, welchen die Vaterstadt auf das Leben eines entfernten Sohnes niederlegen konnte, den sie wieder unter ihre eingeborenen Kinder zurücknehmen wollte. Wär' ich jemals ein menschenfeindlicher Timon gewesen, dieser Tag würde mich wieder zum Menschenfreund gemacht haben!"
Weitere Werke, wie zum Beispiel "Der Feldwebel" (1823) oder "Kriegerische Abenteuer eines Friedfertigen" (1822) zeigen, dass Zschokke seine Geburtsstadt Magdeburg nie vergessen hat und in seine Leidenschaft des Schreibens mit einbezog.
Johann Heinrich Daniel Zschokke starb am 27. Juni 1848 in Aarau. Sein Lebensmotto kann man seinen eigenen Worten entnehmen: "Es liegt überhaupt in der menschlichen Natur ein auffallender Hang zum Wunderbaren."
Internationale Symposien zu Zschokke
Das 1. Internationale Zschokke-Symposium fand am 15. und 16. September 2005 in Aarau in der Schweiz statt, wo Zschokke einen Großteil seines Lebens verbracht hatte. Auf dem Programm des Treffens 2005 stand unter anderem ein Podiumsgespräch unter dem Titel "Über Zschokke reden." mit dem Ständerat Prof. Dr. Thomas Pfisterer, dem Germanisten Prof. Dr. Peter von Matt, dem Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Rudolf Künzelei und dem Historiker und Werbefachmann Dr. Markus Kutte.
Workshops zum Thema "Zschokke - der Pädagoge" und "Zschokke - der Schriftsteller", Vorträge zu "Zschokkes Staat der Moderne" und zum außergewöhnlichen Leben des Heinrich Zschokke bereicherten die Tagung in Aarau. Aufgelockert wurde das Treffen durch eine szenische Lesung des Zschokkewerkes "Charlotte Corday oder die Rebellion von Calvados" mit Marianne Burg und Hansrudolf Twerenbold.
Daran anknüpfend will die Geburtsstadt Magdeburg sich als guter Gastgeber mit einer zweiten Auflage des Internationalen Zschokke-Symposium am 2. und 3. November 2007 im Gesellschaftshaus präsentieren und die wissenschaftliche Diskussion um den Schriftsteller und Publizisten fortsetzen.
Kontakt
Dr. Ronald Dürre
Kulturbüro Magdeburg
Julius-Bremer-Str. 8, D-39104 Magdeburg
Tel.: +49 (0)391 - 540-21 34
E-Mail: kulturbuero@magdeburg.de
Ausführliche Informationen zu Zschokke und zum Programm der Tagung finden Interessenten unter www.zschokke-symposium.de.
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