Polzin: Parkplatzangebot am ICE-Bahnhof Wilhelmshöhe ist nachfrageorientiert

12. September 2007. Im Rahmen der Diskussion über die Parkplatzsituation im Umfeld des Bahnhofs Wilhelmshöhe hat sich jetzt der Leiter des Kasseler Straßenverkehrsamtes, Gunnar Polzin, im städtischen Pressedienst zu Wort gemeldet. Polzin wies darauf hin, Parkplatzsorgen seien Erkennungszeichen einer Großstadt, die nicht immer zur Zufriedenheit aller gelöst werden könnten. Mit dem Bau des Fernbahnhofs seien als Folge Veränderungen in den angrenzenden Stadtteilen, vor allem in Bad Wilhelmshöhe, entstanden. Dies gelte auch für die Möglichkeiten zum Parken. Durch die dort eingerichteten Bewohnerparkbereiche und die Parkraumbewirtschaftung verbunden mit gebührenpflichtigen Parkmöglichkeiten am Fernbahnhof habe die Stadt hier parallel eine bewohnerverträgliche Lösung für das Parken umgesetzt. Diese hat sich nach Polzins Auffassung seit Jahren bewährt. Aber auch durch die zunehmende Motorisierung der Bewohner, für die die zum Teil vor 100 Jahren errichteten Gebäude keine Stellplätze aufweisen, seien hier Probleme entstanden.

„Ein städtisches Verkehrskonzept allein kann hier keine Abhilfe schaffen. Das von einigen Seiten favorisierte Prinzip „Heiliger St. Florian, verschon mein Haus, zünd´ andre an“ ist nicht das Ziel der städtischen Verkehrsplanung“, führte Polzin weiter aus. Das Straßenverkehrsamt werde die Situation weiter beobachten. Ziel sei es, unter Beachtung der verschiedenen Interessen - Bewohner, Kundenverkehr, Lieferverkehr - alle Verkehrsteilnehmer zu berücksichtigen.

Während der gemeinsamen Sitzung der Ortsbeiräte Bad Wilhelmshöhe, West und Wehlheiden vor wenigen Tagen hätten dazu die Mitarbeiter des Straßenverkehrsamtes Ergebnisse einer umfassenden Verkehrserhebung, die im April und Juli auf Wunsch des Ortsbeirates Bad Wilhelmshöhe vorgenommen wurde, vorgestellt. Ein Ergebnis sei, dass zwar die vorhandenen Parkplätze punktuell im unmittelbaren Nahbereich des Bahnhofs und in einigen anderen Bereichen sehr stark ausgelastet seien, es aber bereits einige Meter weiter regelmäßig freier Parkplätze geben, sowohl in den für jedermann nutzbaren Bereichen als auch in den für Bewohnern vorbehaltenen. Die Gesamtauslastung betrage rund 75 Prozent. Auch die Betreiber der privaten Parkeinrichtungen am Bahnhof würden für ihre Anlagen keine so hohe Auslastung feststellen, die den Bau und den Betrieb eines zusätzlichen Parkhauses rechtfertige.

Bis Ende September würden in einigen Bereichen die Bewohnerparkplätze entsprechend der Zahl der ausgegebenen Ausweise angepasst, kündigte Polzin an. Versuchsweise würden auch in der Dag-Hammarskjöld-Straße zehn Bewohnerparkplätze eingerichtet, um dem erkannten Verdrängungseffekt des Graf-Bernadotte-Platzes entgegenzuwirken. Die Bewirtschaftung des Platzes solle Langparkern die kostengünstige Möglichkeit bieten, ohne langes Suchen einen Parkplatz in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs zu finden. Anders als beim Parken sonst im Straßenraum, wo bei kurzfristigen Bauarbeiten auch ordnungsgemäß abgestellte Fahrzeuge nach drei Tagen auf Kosten des Fahrzeughalters abgeschleppt würden, könne dies hier nicht passieren, führte der Straßenverkehrsamtschef aus.

Mittlerweile habe die Auslastung des Parkplatzes Graf-Bernadotte-Platz annähernd wieder die Werte erreicht, die vor der Umorganisation bestanden hätten, also eine Verdrängung sei kaum noch erfolgt. Früher habe die Kapazität bei rund 100 Parkplätzen gelegen, die zu 90 Prozent belegt gewesen seien. Heute würden an dieser Stelle rund 80 Fahrzeuge gezählt. Durch die Neugestaltung sei die Zahl der Parkplätze auf 135 erhöht worden. Polzin: „Wer heute mit dem Pkw zu einer Bahnreise anreist, findet hier immer einen kostengünstigen Parkplatz auch für mehrere Tage.“

Es sei festzustellen, dass es auch Reisende gebe, die, nur um Gebühren zu sparen, weite Fußwege zurücklegen würden. Diese würden dann ihre Autos in ruhigen Wohngebieten der angrenzenden Stadtteile zum Verdruss der dortigen Anlieger abstellen. Dies sei für diese zwar gewöhnungsbedürftig, aber zulässig. Die meisten „Fremdparker“ seien Berufstätige, die in diesem Bereich ihren Arbeitsplatz hätten. Sie parkten hier, wenn die Bewohner selbst am Arbeitsplatz seien. Eine Bewohnerregelung, die Parkraum über den Bedarf für Bewohner reserviere, um andere aus dem Gebiet zu verdrängen, sei nicht zulässig, stellte der Leiter des Straßenverkehrsamtes klar.

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