26. September 2007.
Frage: Herr Oberbürgermeister, die documenta 12 ist seit wenigen Minuten nur noch Geschichte. Wie fällt Ihre erste Bilanz aus?
Hilgen: Absolut positiv! Kassel war während dieser 100 Tage wie verwandelt. Man spürt richtig, dass viele Kasseler Bürgerinnen und Bürger mittlerweile stolz auf „ihre“ documenta sind. Die gute Grundstimmung hat sich auch auf die vielen Gäste aus dem In- und Ausland übertragen. Besonders freut mich, dass wir einen neuen Besucherrekord erzielt haben.
Die Stadt Kassel hat sich als gute Gastgeberin präsentiert. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich bei allen zu bedanken, die ihren ganz persönlichen Teil dazu beigetragen haben. Die Fröhlichkeit und Leichtigkeit sowie das friedliche Miteinander gilt es jetzt in den Alltag mitzunehmen.
Frage: Was haben die 100 Tage der Stadt Kassel konkret gebracht?
Hilgen: Es ist ja nicht nur der Zeitraum zwischen Eröffnung und Abschlussfeier alle fünf Jahre, von dem wir profitieren. Kassel trägt den Titel „documenta-Stadt“ und bekennt sich somit bereits im Namen zu einer Ausstellung, die einzigartig und führend in der Welt der Kunst ist. Damit ist eigentlich der Stellenwert der Ausstellung ausreichend beschrieben.
Die documenta macht Kassel mehr als alles andere in der ganzen Welt bekannt. Um es auf den Punkt zu bringen: Das kulturelle Leben Kassels in der Nachkriegszeit wäre aus heutiger Sicht ohne den Einfluss der documenta nicht vorstellbar. Viele kulturelle Initiativen und Einrichtungen hätte es ohne die documenta nie gegeben.
Wenn Sie dann noch das weltweite mediale Echo auf die Eröffnung der documenta 12 berücksichtigen oder wenn Sie bedenken, dass es in diesem Jahr außer beim G8-Gipfel in Heiligendamm kein anderes Ereignis mit einem größeren Medieninteresse in Deutschland geben wird, dann wird deutlich, dass eine Ausstellung mit dieser Ausstrahlung der Stadt viel gegeben hat.
Neben dem künstlerischen Stellenwert, neben den Impulsen für das kulturelle Leben in der Stadt und dem Imagegewinn haben wir auch in wirtschaftlicher Hinsicht enorme Vorteile. Für das laufende documenta-Jahr 2007 erwarten wir in Kassel insgesamt 735.000 Übernachtungsgäste, elf Millionen Tagesgäste und 735.000 so genannte „Sofatouristen“, die bei Freunden und Verwandten übernachten. Dadurch wird eine Wertschöpfung von zirka 495 Millionen Euro erzielt.
Frage: Was war Ihr ganz persönliches documenta-Erlebnis?
Hilgen: Da gab es viele schöne Momente, die ich nicht vergessen werde. Besonders beeindruckt hat mich aber das internationale Flair, das man rund um die Ausstellungsstätten und in der Innenstadt greifbar spüren konnte. Diese Atmosphäre zu schnuppern war einzigartig.
Frage: Lohnt es sich für auswärtige Gäste erst wieder in fünf Jahren zur nächsten documenta nach Kassel zu kommen?
Hilgen: Sicherlich nicht! Kassel ist immer eine Reise wert. Wir besitzen mit dem Erbe der Brüder Grimm oder Europas größtem und schönstem Bergpark mit Schloss Wilhelmshöhe und dem Herkules weitere international bekannte Attraktionen, die in wenigen Jahren die UNESCO-Welterbeliste schmücken werden.
Ein Höhepunkt im kommenden Jahr ist die mit Spannung erwartete „König Lustik“-Ausstellung, die an eines der schillerndsten Kapitel in der Geschichte der Stadt Kassel erinnert. „König Lustik“ – wie Jérôme Bonaparte, der jüngste Bruder Napoleons, einst verspottet wurde - regierte von seiner Residenz in Kassel aus zwischen 1807 und 1813 das neu geschaffene Königreich Westphalen.
Kassel verfügt ohnehin über Kunst- und Kulturschätze, um die uns deutlich größere Städte beneiden. Die Museumslandschaft ist einzigartig, und die kulturelle Vielfalt lässt sich an den über 1.300 Veranstaltungen ablesen, die in diesem Jahr stattfinden. Naherholungsgebiete wie die Karlsaue haben fast die Größe des Fürstentums Monaco. Insgesamt besteht Kassel aus über 60 Prozent an Wasser- und Grünflächen – das ist nicht selbstverständlich für eine 200.000-Einwohner-Stadt.
Ich kann also allen nur raten:
Kommen Sie nach Kassel! Sie werden begeistert sein!
Stadt Kassel
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