„Park- und Stadtwacht forciert unsere Bemühungen um eine lebenswerte Stadt.“
Beigeordneter Platz zieht Zwischenbilanz
Magdeburg.
Seit Mai dieses Jahres unterstützt in Magdeburg eine Park- und Stadt-wacht die Anstrengungen von Stadtverwaltung und anderen Institutionen für eine saubere und ordentliche Stadt. Insgesamt 28 Männer und Frauen sind seitdem montags bis freitags zwischen 7.30 und 16.15 Uhr im gesam-ten Stadtgebiet unterwegs. Der Beigeordnete für Kommunales, Umwelt und allgemeine Verwaltung Holger Platz zieht ein erstes Resümee: „Mit der Präsenz der Stadtwächter wird durch Prävention das Bedürfnis nach mehr Ordnung und Sauberkeit erfüllt.“
Das Projekt „Park- und Stadtwacht“ wird durch die beiden städtischen Beschäf-tigungsgesellschaften, die Gemeinnützige Gesellschaft für Ausbildung, Quali-fizierung und Beschäftigung mbH (AQB) und die Gesellschaft für Innovation, Sanierung und Entsorgung mbH (GISE) getragen und durch die Jobcenter ARGE Magdeburg GmbH gefördert. Die Park- und Stadtwacht ist eine Arbeits-förderungsmaßnahme. Empfänger von ALG II erhalten hierdurch nicht nur eine sinnvolle Beschäftigung, sondern auch die Möglichkeit, sich neue Fähigkeiten und Kenntnisse anzueignen, selbstbewusster zu werden, Schlüsselqualifikatio-nen zu entwickeln und somit ihre Vermittlungschancen auf dem regulären Ar-beitsmarkt zu erhöhen. Das Projekt läuft über 12 Monate, die Teilnehmer erhal-ten eine Mehraufwandsentschädigung von 1,28 Euro pro Stunde.
Von insgesamt 60 ALG-II-Empfängern wählten die beiden Gesellschaften je-weils 14 geeignete Personen sorgfältig aus, die in dem Projekt täglich 6 Stun-den im Stadtgebiet unterwegs sind. Durch gleitende Arbeitszeit kann montags bis freitags zwischen 7:30 und 16:15 Uhr ein Streifendienst abgesichert wer-den. Bei Bedarf finden auch am Wochenende Einsätze statt.
Mit den Gruppenleitungen der Park- und Stadtwacht führt der Stadtordnungs-dienst regelmäßig (alle 1 bis 2 Wochen) Abstimmungsgespräche durch, und alle drei Monate findet eine Auswertung mit allen Wächtern statt. Hierbei wer-den auch rechtliche Grundlagen, das Auftreten in der Öffentlichkeit und Eigen-sicherungsgrundsätze erörtert.
Präsenz im gesamten Stadtgebiet
Die Mitarbeiter der Park- und Stadtwacht sind auf öffentlichen Straßen, Plät-zen, in öffentlichen Grünanlagen und an Haltestellen von Bussen und Straßen-bahnen im gesamten Stadtgebiet unterwegs. Sie benutzen öffentliche Ver-kehrsmittel oder Fahrräder. Erkennbar sind die Wächter an ihren blauen Shirts oder Jacken mit der Aufschrift „Park- und Stadtwacht“.
Im Gegensatz zu Polizei und Stadtordnungsdienst verfügen die Mitarbeiter der Park- und Stadtwacht über keinerlei hoheitliche Befugnisse. „Sie erfüllen eher einem Streetworker vergleichbaren Funktionen“, erläutert Holger Platz, Beige-ordneter für Kommunales, Umwelt und allgemeine Verwaltung der Stadt Mag-deburg. „Sie sollen auf die Bürger zugehen, diese ansprechen und insbesondere über die rechtlichen Vorschriften informieren.“ Für diese Arbeit wurden die Park- und Stadtwächter geschult und sie erhielten entsprechendes Informati-onsmaterial.
Die Mitarbeiter der Park- und Stadtwacht weisen u.a. auf die Regelungen der Gefahrenabwehrverordnung (Stadtordnung) und der Grünanlagensatzung hin und geben bei Bedarf auch Auskünfte zu: > Sehenswürdigkeiten > den Sitz von Behörden > deren Öffnungszeiten und > deren Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmittel.
Für die MVB sind bis zu 4 Wächter in ganz Magdeburg unterwegs. Sie ver-brachten bisher 560 Stunden in Straßenbahnen und erhöhten damit das Sicher-heitsgefühl der Fahrgäste.
Allein in den größeren Parkanlagen (Stadtpark, Klosterbergegarten, Herren-krug, Nordpark und Bördegarten) führten die Wächter bisher über 500 Strei-fengänge und standen den Nutzern als Ansprechpartner zur Verfügung. Auch auf dem Westfriedhof waren die Wächter anwesend und haben dort 87 Strei-fengänge durchgeführt.
„Vor allem im Stadtpark können wir eine sehr positive Resonanz der Besucher auf die Wächter verzeichnen“, freut sich Holger Platz. „Die Spaziergänger be-grüßen es, dass die Wächter hier für Ordnung und Sauberkeit sorgen und auch auf Hundehalter zugehen, die ihren Hund nicht an der Leine haben. Die Stadt- und Parkwacht gibt ihnen ein Gefühl der Sicherheit, wenn sie im Stadtpark spazieren gehen.“
Sicherheitsgefühl der Menschen gestiegen
Bereits seit Januar 2004 sind in Magdeburg außerdem ehrenamtliche Ord-nungshelfer unterwegs, die ebenfalls für mehr Ordnung und Sauberkeit in den Stadtteilen sorgen. Durch den Einsatz von derzeit 10 ehrenamtlichen Ord-nungshelfern und 28 Park- und Stadtwächtern hat sich einerseits die Präsenz von Ordnungskräften deutlich erhöht, andererseits können die Streifen von morgens bis in den Nachmittag im Stadtgebiet unterwegs sein. „Insgesamt konnten dadurch die Bürger unserer Stadt stärker in die Thematik ‚Ordnung und Sauberkeit’ eingebunden und hierfür sensibilisiert werden“, zieht Holger Platz eine erste Bilanz.
Die Mitarbeiter der Park- und Stadtwacht sind jedoch nicht nur Ansprechpart-ner für die Bürgerinnen und Bürger. Sie sollen gleichzeitig Sachverhalte auf-nehmen und Informationen sammeln, die für die Arbeit der Verwaltung wichtig sind. Als Ansprechpartner und koordinierende Stelle steht der Park- und Stadt-wacht dafür der Stadtordnungsdienst zur Seite. Aber es werden auch an SWM, Wobau und MVB direkt Meldungen erstattet.
Nach 4 Monaten sieht die Erfolgsbilanz wie folgt aus:
Hinweise auf Leinenpflicht 764 Hinweise auf Rauchverbot 622 Gespräche/Auskünfte 592 Mitteilungen von Graffiti 293 Feststellung von Müllablagerungen 197 Hinweise auf Parkverstoß in Parkanlagen an Fahrzeugführer 151 Meldungen zu beschädigten Einrichtungen 137 Gespräche bei Treffpunkten von Problemgruppen 91 Fehlende Straßenreinigung festgestellt 82 Überprüfung vorhandener Fahrpläne 41 Feststellung von verwahrlosten Grundstücken 33
Vom Stadtordnungsdienst werden die gemeldeten Sachverhalte weiter bearbei-tet oder an die verantwortlichen Stellen weitergeleitet. In 24 Fällen mussten die Park- und Stadtwächter über Handy die Polizei oder den Stadtordnungsdienst anfordern, weil es die Situation vor Ort erforderte.
Die sichtbare Präsenz der Park- und Stadtwacht hat dazu geführt, dass manche unüberlegten Handlungen unterbleiben. So sind z.B. während der Anwesenheit der Wächter fast alle Hunde angeleint. Mit den blauen Shirts und Jacken wird signalisiert, dass hier jemand unterwegs ist, der seine Augen nicht verschließt und gegebenenfalls Hilfe anfordern wird. Zwei Beispiele mögen das illustrie-ren: Am Hauptbahnhof versuchte eine Drückerkolonne (6 Personen) sehr auf-dringlich, DVD’s zu verkaufen. Nach einer sofortigen Information beendete der herbeigerufene Stadtordnungsdienst das Treiben. Im Herrenkrugpark wurde im Gestrüpp ein sehr altes Trabi-Wrack aufgespürt. Mit Hilfe des SOD wurde der Schrott entsorgt.
Mitunter greifen die Wächter auch zu unkonventionellen Mitteln, um zu helfen: In Cracau wurde z.B. ein Hund gesichtet, der gerade dabei war, einen Haufen auf dem Fußweg zu hinterlassen. Weil das Herrchen keine Kottüte dabei hatte, opferte ein Wächter dann höflich seine Frühstückstüte (natürlich ohne Pausen-brot).
„Ordnung und Sauberkeit auf öffentlichen Straßen und Plätzen sowie in Parks und Grünanlagen ist vielen Bürgerinnen und Bürger ein elementares Bedürf-nis“, weiß der zuständige Beigeordnete. „Natürlich sind dabei auch die Bürge-rinnen und Bürger selbst in der Pflicht. Aber manchmal sind direkte Hinweise hilfreich, um Ordnungswidrigkeiten zu verhindern – so unsere Erfahrung. Au-ßerdem ist mitunter schnelles Handeln wichtig, damit aus einer weggeworfenen Mülltüte nicht eine illegale Müllkippe wird.“
Die Stadt Magdeburg wird das Projekt „Park- und Stadtwacht“ zunächst bis Mitte kommenden Jahres durchführen. Danach wird über eine Verlängerung entschieden.
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