Presseinformationen der Landeshauptstadt Magdeburg
 
[Alle Meldungen]
[Medienarchiv]
[E-Mail-Abo]
[Suche]

[Druckansicht]

Magdeburg, 14. November 2007
Weitere Spende für Glockenstuhl der Johanniskirche
OB und Kuratoriumschef nahmen Scheck entgegen

Mit „Glockenstühlen“ sammelt das Kuratorium zum Wiederaufbau der Johanniskirche seit Dezember letzten Jahres Spenden für den Glockenstuhl des altehrwürdigen Kirchengebäudes. Heute nahmen Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper und der Vorsitzende des Kuratoriums zum Wiederaufbau der Johanniskirche Werner Kaleschky einen weiteren Scheck entgegen. Das Unternehmen Busse-Bau spendet 1.000,00 Euro für den neuen Glockenstuhl.

 

Das Kuratorium zum Wiederaufbau der Johanniskirche, das in den zurückliegenden Jahren Spenden für den Wiederaufbau der Kirche und die Wiedererrichtung des Südturmes samt Haube gesammelt hatte, will nun den jetzigen, aus Stahl bestehenden Glockenstuhl durch einen neuen Glockenstuhl aus Eichenholz ersetzen.

 

Die Kosten für die Neuerrichtung des hölzernen Glockenstuhles und zur Sanierung des Glockengeläutes werden auf ca. 150.000 € geschätzt und sollen durch Spenden und Sponsoren eingeworben werden. Die größere der beiden Glocken kann nach geringfügiger Reparatur im neuen Glockenstuhl aufgehängt werden, die kleine hat einen Riss und muss zunächst in der Glockenwerkstatt  Nördlingen saniert werden. Außerdem entstehen Kosten für die Schaffung der baulichen Voraussetzungen für den Einbau des Glockenstuhls, die aus städtischen Mitteln bzw. mit Fördermitteln des Denkmalschutzes finanziert werden sollen. Hierzu wurde bereits ein Förderantrag gestellt. Die Gesamtkosten werden auf bis zu 225.000 € geschätzt.

 

Der Bauantrag wurde inzwischen genehmigt, auch die Ausführungsplanung ist fertig gestellt. Für die Durchführung der Maßnahmen werden rund sieben Monate benötigt. Die Beauftragung der Arbeiten erfolgt in diesen Tagen.

 

Weitere Spenden für die Wiedererrichtung des Glockenstuhls sind willkommen. Das Spendenkonto bei der Stadtsparkasse Magdeburg (BLZ 8105 32 72) hat die Nummer 14000101. Bitte als Zahlungsgrund folgenden Code angeben: 0.54100.050003.6.

 

 

 


Hintergrund:

 

Am 13. Dezember 1990 wurde auf der 8. Sitzung der ersten frei gewählten Stadtverordnetenversammlung nach der Wiedervereinigung Deutschlands der Beschluss zum Wiederaufbau der Johanniskirche gefasst. Am 16. Januar 1991, am Tag des Gedenkens der zweiten Zerstörung Magdeburgs, gründete sich das Kuratorium für den Wiederaufbau der Johanniskirche. Am 2. Oktober 1999 konnte die wieder aufgebaute Johanniskirche feierlich eingeweiht werden.

 

Die Vollendung des Aufbaus wurde durch das Aufsetzen der Spitze des Südturmes am 27. Januar 2004 gekrönt. Die zwei im Nordturm vorhandenen Glocken, darunter die sogenannte große Festglocke aus dem Jahr 1670, hatten den Zweiten Weltkrieg wie durch ein Wunder überstanden. Eigentlich zur Einschmelzung vorgesehen, wurden sie nach dem Krieg in Hettstedt und Wilhelmsburg wiedergefunden und 1954 nach Magdeburg gebracht. Seither hängen sie stumm im Nordturm. Die Aufhängung weist Schäden durch Materialermüdung auf, die wiederum auf die starke Torsionsbeanspruchung zurückzuführen ist. Ein zweiter gravierende Nachteil ist, dass die Anordnung der Glocken deren Klangentfaltung erheblich mindert.

 

Die Erneuerung des Glockenstuhls im Nordturm wird bereits seit Anfang der 90er Jahre geplant. Eine fertige und geprüfte Tragwerksplanung liegt vor. Auch eine Schwingungsuntersuchung wurde durchgeführt. Der neue Glockenstuhl aus Eichenholz soll den jetzigen aus Eisen ersetzen.

 

Eigentümer der Glocken ist die Evangelische Trinitatisgemeinde Magdeburg. Dies soll sich auch nach Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit der Glockenanlage nicht ändern.

 

Die Landeshauptstadt Magdeburg, vertreten durch das Hochbauamt, übernimmt für die Wiedererrichtung des Glockenstuhls die Bauherrenfunktion.  Das Kuratorium für den Wiederaufbau der Johanniskirche zu Magdeburg übernimmt Kosten in Höhe von ca. 150.000 €, die durch Spenden und Sponsoring  eingeworben werden. Jährliche Betriebskosten für das Geläut in Höhe von ca. 600 € übernimmt die Messe- und Veranstaltungsgesellschaft Magdeburg mbH als Bewirtschafter der Johanniskirche.

 

Die Glocken der Johanniskirche sollen künftig zu folgenden Anlässen läuten:

- Jahrestag der Zerstörung Magdeburgs am 16. Januar,

- Reformationstag am 31. Oktober,

- Jahreswechsel,

- Gedenken zum Wiederaufbau der Johanniskirche mit der Errichtung des              

Südturmes am 12. Mai (alle fünf Jahre)

- Todestag Otto-von-Guerickes am 11. Mai (alle fünf Jahre)

- Kirchliche Veranstaltungen auf Anforderung des Veranstalters

- Sonderanlässe nach Abstimmung und mit Einverständnis der Vertragspartner

 


Zur Geschichte der Kirche St. Johannis

Das Gotteshaus steht für rund 1.000 Jahre wechselvolle Geschichte Magdeburgs, wenn man die romanische Vorkirche einbezieht. St. Johannis war die Kirche der Kaufleute. 941 wird auf dem Plateau am Bürgermarkt eine Volkskirche erwähnt. Entsprechend den Sitten der Zeit wurde diese Kirche um 1170 dem Schutzheiligen Johannes dem Evangelisten anvertraut.

Fünfmal zerstört und fünfmal wiederaufgebaut, stieg die älteste Rats- und Pfarrkirche der ehemals großen und reichen Stadt Magdeburg zum Symbol des Lebenswillens ihrer Bürgerschaft auf.

Nach Bitten der zur Reformation geneigten Ratsmitglieder begab sich Dr. Martin Luther um 1524 nach Magdeburg. In der Johanniskirche hat er am 26. Juni 1524 gepredigt "Über die falsche und wahre Gerechtigkeit" - ein Schulbeispiel für die Kraft des Wortes, denn diese Predigt war Ausgangspunkt für den Übergang Magdeburgs zum Protestantismus. Die Türen und Fenster der Kirche mussten geöffnet werden, da nicht alle Gläubigen Einlass fanden. Hunderte Magdeburger standen vor dem Gebäude, um Luthers Predigt zu hören.

Schon 1530 trat Magdeburg in den Schmalkaldischen Bund zur Verteidigung der Reformation ein. Seit der Reichsacht von 1547 war die Stadt einer der Mittelpunkte der protestantischen Opposition, Magdeburg war "Unseres Herrgotts Kanzlei" – wie Wilhelm Raabe es später ausdrückte. Dafür zahlte die Stadt 1631 einen hohen Blutzoll: Als Tillys Truppen die Stadt in Schutt und Asche legten, fiel auch die Johanniskirche.

Der Wiederaufbau nach dem 30jährigen Krieg wurde maßgeblich von einem bedeutenden Bürger mitgestaltet - dem Naturforscher und Diplomaten Otto von Guericke. Er war nicht nur über 50 Jahre Ratsmitglied der Stadt, sondern drei Jahrzehnte ihr Bürgermeister. Otto von Guericke heiratete mit Margarete Alemann in eine der ältesten Magdeburger Ratsfamilien ein und beide Familien erwarben ein Erbbegräbnis in der bedeutendsten Reformationskirche der Stadt.

Am 16. Januar 1945 teilte die Johanniskirche abermals das Schicksal ihrer Stadt. Sie fiel dem Bombenhagel zum Opfer. Nach dem Krieg retteten notdürftige Sanierungsmaßnahmen die Kirche, die eigentlich abgerissen werden sollte. Als Mahnmal ragte die Johanniskirche jedoch mit anderthalb Türmen und dem Kirchenschiff ohne Dach, solchermaßen offen und verletzlich, über 50 Jahre in die Stadtsilhouette - vergleichbar dem Schicksal der Dresdner Frauenkirche.

Der Wiederaufbau begann 1998, am 2. Oktober 1999 wurde die wieder errichtete Johanniskirche feierlich eröffnet. Der Wiederaufbau kostete 20,2 Mio. DM und wurde zu 80 % vom Land Sachsen-Anhalt gefördert. Die Kirche wird heute als Kulturhaus für Konzerte, Ausstellungen, Tagungen, Ehrungen und kirchliche Veranstaltungen genutzt.

Die "Trauernde Magdeburg" - in der spätgotischen Vorhalle der Kirche zu sehen - ist ein Teil des Wormser Lutherdenkmals. Sie hat eine Zeit in der Kirchenruine gestanden, den sozialistischen Machthabern nicht optimistisch genug, wurde sie verbannt in unzugängliche Museumsräume. 1999 erhielt sie einen in der Stadt würdigen und ihrem Schicksal angemessenen Platz.

In der Kirche sind Reste der romanischen Grundmauern zu entdecken, im freigelegten Kellergewölbe. Spätgotisch präsentiert sich die gerettete Sakristei aus dem Jahre 1505.

Der Treppenturm führt hinauf zu einer Aussichtsplattform mit einem sensationellen Rundblick über Magdeburgs Innenstadt. Der Kanzelträger der Renaissance gehört zu den zahlreichen Kunstwerken. Von der obersten Galerie kam man die Dimension des Kircheninnenraums erleben, auch wenn das Kreuzrippengewölbe nicht wieder hergestellt werden konnte.

Die Johanniskirche war immer auch ein geistiges Zentrum Magdeburgs. Dem altehrwürdigen Kirchenraum angemessen, wurde ein Nutzungskonzept entwickelt, das an diese Tradition anknüpft. Hier finden Kunst und Wissenschaft, Kultur und Freude, Politik und Zeitgeist, Magdeburger und Fremde, Menschen aus nah und fern Einlass. Ausstellungen, Preisverleihungen, Gedenkstunden, das Fest der Religionen, Jugendfeiern und viele Tagungen und Kongresse bilden das Jahresprogramm.



[Zurück]


Stadt Magdeburg
Frau Dr. Cornelia Poenicke
Büro des Oberbürgermeisters
Teamleiter Öffentlichkeitsarbeit und Bürgeranliegen, Pressesprecherin
Alter Markt 6
39104 Magdeburg
Telefon: (03 91) 5 40 27 69
FAX: (03 91) 5 40 21 27
E-Mail: presse@magdeburg.de
URL: www.magdeburg.de

Die Pressestelle "Landeshauptstadt Magdeburg" ist Mitglied bei presse-service.de [http://www.presse-service.de/]. Dort können Sie Mitteilungen weiterer Pressestellen recherchieren und per E-Mail abonnieren. presse-service.de