Bald läuten sie wieder! Restaurierung des Geläuts der Johanniskirche beginnt
OB und Kuratoriumschef nahmen weitere Zuwendung entgegen
Magdeburg.
OB und Kuratoriumschef nahmen weitere Zuwendung entgegen
Bald läuten sie wieder! Restaurierung des Geläuts der Johanniskirche beginnt
Mit „Glockenstühlen“ haben das Kuratorium zum Wiederaufbau der Johanniskirche und die Stadtsparkasse Magdeburg seit Dezember letzten Jahres Spenden für den Glockenstuhl und die Glocken des altehrwürdigen Kirchengebäudes gesammelt. Mit einer Zuwendung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Land Sachsen-Anhalt und der Stadtsparkasse Magdeburg ist nun der Abschluss der Arbeiten gesichert.
In Anwesenheit von Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper übergaben Patricia Werner, stellvertretende Geschäftsführerin der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, und Horst Eckert, Vorsitzender des Vorstands der Stadtsparkasse Magdeburg, heute Mittag in Magdeburg offiziell die Zusage von Ostdeutscher Sparkassenstiftung im Land Sachsen-Anhalt und Stadtsparkasse Magdeburg für eine gemeinsame Förderung der Restaurierungsarbeiten an Glocken und Glockenstuhl der Johanniskirche.
„Bald werden die Glocken wieder ihren ursprünglichen Klang aufweisen“, freut sich Claus Friedrich Holtmann, Geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes und Vorsitzender des Vorstandes der Ostdeutschen Sparkassenstiftung.
Horst Eckert zeigt sich ebenfalls begeistert: „Die Johanniskirche als ein kulturelles Zentrum Magdeburgs wird nun auch akustisch wieder auf sich aufmerksam machen.“
Die ehemalige Pfarrkirche St. Johannis wurde als spätgotische Hallenkirche im 15. Jahrhundert auf einem Vorgängerbau aus dem 12. Jahrhundert errichtet. Bei verschiedenen Stadtbränden und auch im Dreißigjährigen Krieg wurde sie mehrfach schwer beschädigt, aber immer wieder von der Bürgerschaft aufgebaut. Schwere Luftangriffe im Januar 1945 zerstörten die Kirche bis auf die Außenmauern und Turmschäfte.
Neben dem Dom und dem Kloster Unser Lieben Frauen zählt die Johanniskirche in städtebaulicher Hinsicht zu den bedeutendsten Sakralbauten in der Landeshauptstadt Magdeburg.
Heute wird das sanierte und umgebaute Kirchengebäude, das 1975 in das Eigentum der Stadt überging, als Ausstellungs- und Veranstaltungsort genutzt.
Die Wiedererrichtung der Südturmspitze vor wenigen Jahren wurde mit hoher Anteilnahme durch die Bürger der Stadt begleitet. Im Nordturm befinden sich noch zwei Glocken, die 1649 und 1670 von den Gießern Jacob Wentzel und Georg Schreiber in Magdeburg gegossen wurden. Nach übereinstimmender Aussage der Sachverständigen bedürfen die Glocken der Restaurierung. Zudem sind sie in einer stark korrosionsgeschädigten Stahlkonstruktion aufgehängt, so dass sie aus Sicherheitsgründen nicht mehr geläutet werden dürfen. Die beiden Glocken bilden den Gegenpol zu den Großglocken des Domes.
Hintergrund:
Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung fördert nicht nur punktuell herausragende kulturelle Projekte in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Seit Aufnahme ihrer Tätigkeit 1996 versteht sie sich vielmehr als langfristig verlässlicher Partner insbesondere der Museen, aber auch anderer kultureller Einrichtungen und Initiativen in den vier Bundesländern.
Seit ihrer Gründung wurden von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit den örtlichen Sparkassen 1159 Projekte mit mehr als 29 Mio. Euro gefördert, davon allein in Sachsen-Anhalt 229 Projekte mit über 6,8 Mio. Euro. 2007 wurden in Sachsen-Anhalt 17 Projekte mit 545.000 Euro gefördert. Die dafür erforderlichen Mittel werden aus Erträgen des Stiftungsvermögens, dem überörtlichen Zweckertrag der Sparkassenlotterie „PS-Lotterie-Sparen" und den projektbezogenen Zusatzspenden der Sparkassen bzw. deren Stiftungen aufgebracht.
Der Glockenstuhl der Johanniskirche
Die Kosten für die Neuerrichtung des hölzernen Glockenstuhles und zur Sanierung des Glockengeläutes werden auf ca. 150.000 € geschätzt und sollen durch Spenden und Sponsoren eingeworben werden. Die größere der beiden Glocken kann nach geringfügiger Reparatur im neuen Glockenstuhl aufgehängt werden, die kleine hat einen Riss und muss zunächst in der Glockenwerkstatt Nördlingen saniert werden. Außerdem entstehen Kosten für die Schaffung der baulichen Voraussetzungen für den Einbau des Glockenstuhls, die aus städtischen Mitteln bzw. mit Fördermitteln des Denkmalschutzes finanziert werden sollen. Hierzu wurde bereits ein Förderantrag gestellt. Die Gesamtkosten werden auf bis zu 225.000 € geschätzt.
Der Bauantrag wurde inzwischen genehmigt, auch die Ausführungsplanung ist fertig gestellt. Für die Durchführung der Maßnahmen werden rund sieben Monate benötigt. Die Beauftragung der Arbeiten ist teilweise erfolgt.
Am 13. Dezember 1990 wurde auf der 8. Sitzung der ersten frei gewählten Stadtverordnetenversammlung nach der Wiedervereinigung Deutschlands der Beschluss zum Wiederaufbau der Johanniskirche gefasst. Am 16. Januar 1991, am Tag des Gedenkens der zweiten Zerstörung Magdeburgs, gründete sich das Kuratorium für den Wiederaufbau der Johanniskirche. Am 2. Oktober 1999 konnte die wieder aufgebaute Johanniskirche feierlich eingeweiht werden.
Die Vollendung des Aufbaus wurde durch das Aufsetzen der Spitze des Südturmes am 27. Januar 2004 gekrönt. Die zwei im Nordturm vorhandenen Glocken, darunter die sogenannte große Festglocke aus dem Jahr 1670, hatten den Zweiten Weltkrieg wie durch ein Wunder überstanden. Eigentlich zur Einschmelzung vorgesehen, wurden sie nach dem Krieg in Hettstedt und Wilhelmsburg wiedergefunden und 1954 nach Magdeburg gebracht. Seither hängen sie stumm im Nordturm. Die Aufhängung weist Schäden durch Materialermüdung auf, die wiederum auf die starke Torsionsbeanspruchung zurückzuführen ist. Ein zweiter gravierende Nachteil ist, dass die Anordnung der Glocken deren Klangentfaltung erheblich mindert.
Die Erneuerung des Glockenstuhls im Nordturm wird bereits seit Anfang der 90er Jahre geplant. Eine fertige und geprüfte Tragwerksplanung liegt vor. Auch eine Schwingungsuntersuchung wurde durchgeführt. Der neue Glockenstuhl aus Eichenholz soll den jetzigen aus Eisen ersetzen.
Eigentümer der Glocken ist die Evangelische Trinitatisgemeinde Magdeburg. Dies soll sich auch nach Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit der Glockenanlage nicht ändern.
Die Landeshauptstadt Magdeburg, vertreten durch das Hochbauamt, übernimmt für die Wiedererrichtung des Glockenstuhls die Bauherrenfunktion. Das Kuratorium für den Wiederaufbau der Johanniskirche zu Magdeburg übernimmt Kosten in Höhe von ca. 150.000 €, die durch Spenden und Sponsoring eingeworben werden. Jährliche Betriebskosten für das Geläut in Höhe von ca. 600 € übernimmt die Messe- und Veranstaltungsgesellschaft Magdeburg mbH als Bewirtschafter der Johanniskirche.
Die Glocken der Johanniskirche sollen künftig zu folgenden Anlässen läuten: - Jahrestag der Zerstörung Magdeburgs am 16. Januar, - Reformationstag am 31. Oktober, - Jahreswechsel, - Gedenken zum Wiederaufbau der Johanniskirche mit der Errichtung des Südturmes am 12. Mai (alle fünf Jahre) - Todestag Otto-von-Guerickes am 11. Mai (alle fünf Jahre) - Kirchliche Veranstaltungen auf Anforderung des Veranstalters - Sonderanlässe nach Abstimmung und mit Einverständnis der Vertragspartner
Zur Geschichte der Kirche St. Johannis Das Gotteshaus steht für rund 1.000 Jahre wechselvolle Geschichte Magdeburgs, wenn man die romanische Vorkirche einbezieht. St. Johannis war die Kirche der Kaufleute. 941 wird auf dem Plateau am Bürgermarkt eine Volkskirche erwähnt. Entsprechend den Sitten der Zeit wurde diese Kirche um 1170 dem Schutzheiligen Johannes dem Evangelisten anvertraut. Fünfmal zerstört und fünfmal wiederaufgebaut, stieg die älteste Rats- und Pfarrkirche der ehemals großen und reichen Stadt Magdeburg zum Symbol des Lebenswillens ihrer Bürgerschaft auf. Nach Bitten der zur Reformation geneigten Ratsmitglieder begab sich Dr. Martin Luther um 1524 nach Magdeburg. In der Johanniskirche hat er am 26. Juni 1524 gepredigt "Über die falsche und wahre Gerechtigkeit" - ein Schulbeispiel für die Kraft des Wortes, denn diese Predigt war Ausgangspunkt für den Übergang Magdeburgs zum Protestantismus. Die Türen und Fenster der Kirche mussten geöffnet werden, da nicht alle Gläubigen Einlass fanden. Hunderte Magdeburger standen vor dem Gebäude, um Luthers Predigt zu hören. Schon 1530 trat Magdeburg in den Schmalkaldischen Bund zur Verteidigung der Reformation ein. Seit der Reichsacht von 1547 war die Stadt einer der Mittelpunkte der protestantischen Opposition, Magdeburg war "Unseres Herrgotts Kanzlei" – wie Wilhelm Raabe es später ausdrückte. Dafür zahlte die Stadt 1631 einen hohen Blutzoll: Als Tillys Truppen die Stadt in Schutt und Asche legten, fiel auch die Johanniskirche. Der Wiederaufbau nach dem 30jährigen Krieg wurde maßgeblich von einem bedeutenden Bürger mitgestaltet - dem Naturforscher und Diplomaten Otto von Guericke. Er war nicht nur über 50 Jahre Ratsmitglied der Stadt, sondern drei Jahrzehnte ihr Bürgermeister. Otto von Guericke heiratete mit Margarete Alemann in eine der ältesten Magdeburger Ratsfamilien ein und beide Familien erwarben ein Erbbegräbnis in der bedeutenden Reformationskirche. Am 16. Januar 1945 teilte die Johanniskirche abermals das Schicksal ihrer Stadt. Sie fiel dem Bombenhagel zum Opfer. Nach dem Krieg retteten notdürftige Sanierungsmaßnahmen die Kirche, die eigentlich abgerissen werden sollte. Als Mahnmal ragte die Johanniskirche mit anderthalb Türmen und dem Kirchenschiff ohne Dach, solchermaßen offen und verletzlich, über 50 Jahre in die Stadtsilhouette - vergleichbar dem Schicksal der Dresdner Frauenkirche. Der Wiederaufbau begann 1998, am 2. Oktober 1999 wurde die wieder errichtete Johanniskirche feierlich eröffnet. Der Wiederaufbau kostete 20,2 Mio. DM und wurde zu 80 % vom Land Sachsen-Anhalt gefördert. Die Kirche wird heute als Kulturhaus für Konzerte, Ausstellungen, Tagungen, Ehrungen und kirchliche Veranstaltungen genutzt. Die "Trauernde Magdeburg" - in der spätgotischen Vorhalle der Kirche zu sehen - ist ein Teil des Wormser Lutherdenkmals. Sie hat eine Zeit in der Kirchenruine gestanden, den sozialistischen Machthabern nicht optimistisch genug, wurde sie verbannt in unzugängliche Museumsräume. 1999 erhielt sie einen in der Stadt würdigen und ihrem Schicksal angemessenen Platz. In der Kirche sind Reste der romanischen Grundmauern zu entdecken, im freigelegten Kellergewölbe. Spätgotisch präsentiert sich die gerettete Sakristei aus dem Jahre 1505. Der Treppenturm führt hinauf zu einer Aussichtsplattform mit einem sensationellen Rundblick über Magdeburgs Innenstadt. Von der obersten Galerie kam man die Dimension des Kircheninnenraums erleben, auch wenn das Kreuzrippengewölbe nicht wieder hergestellt werden konnte. Die Johanniskirche war immer auch ein geistiges Zentrum Magdeburgs. Dem altehrwürdigen Kirchenraum angemessen, wurde ein Nutzungskonzept entwickelt, das an diese Tradition anknüpft. Hier finden Kunst und Wissenschaft, Kultur und Freude, Politik und Zeitgeist, Magdeburger und Fremde, Menschen aus nah und fern Einlass. Ausstellungen, Preisverleihungen, Gedenkstunden, das Fest der Religionen, Jugendfeiern und viele Tagungen und Kongresse bilden das Jahresprogramm.
|