Dezentrale Energie- und Effizienztechnologien

14. Dezember 2007. Rund 20.000 Menschen können bis zum Jahre 2020 in Nordhessen im Bereich dezentrale Energietechnik und erneuerbare Energien beschäftigt sein. Damit werde dieser Wirtschaftszweig in der Region eine ebenso bedeutende- oder langfristig sogar größere - Rolle einnehmen wie heute die Automobilindustrie. Eine Studie, die entsprechende Entwicklungspotenziale aufzeigt und die zur Realisierung erforderlichen Maßnahmen skizziert, ist am Donnerstag in Anwesenheit von Hessens Wirtschaftsminister Dr. Alois Rhiel, Landrat Dr. Udo SchIitzberger, Oberbürgermeister Bertram HiIgen, Universitätspräsident Professor Dr. Rolf-Dieter Postlep und den Vorständen namhafter Unternehmen präsentiert worden.

,,Wir wollen Nordhessen zu einer Modellregion für modernste Energie- und EffizienztechnoIogien entwickeIn“, sagte der KasseIer Oberbürgermeister Bertram Hilgen. „In Nordhessen gibt es in diesem Bereiche norme Kompetenzen und schon jetzt auch Unternehmen, die Weltmarktführer sind“, bestätigte Minister Dr. Rhiel. Die Region habe die einzigartige Chance, diesen Vorsprung auszubauen. „Neben den Entwicklungsabteilungen in den vorhandenen mittelständischen Unternehmen spielt auch die laufende Qualifizierung für die vielen kleineren Handwerksbetriebe eine entscheidende Rolle, weil nur so ein nachhaltiger strukturpolitischer Effekt in der gesamten Region Nordhessen erreicht werden kann“, wies Landrat Dr. Udo Schlitzberger auf die Bedeutung der Kompetenzvermittlung in das regionale Handwerk hin.

Die wissenschaftliche Studie ,,Nordhessen 2020: Dezentrale Energie- und Arbeit“ wurde vom ,,Kompetenznetzwerk Dezentrale Energietechnologien e.V.“ (deENeet .V.), dem über 90 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Dienstleister angehören, in Zusammenarbeit mit der Universität Kassel sowie den Firmen B.A.U.M. Consult und pro loco erstellt. Auftraggeber waren die Wirtschaftsförderung Region Kassel GmbH, die Gemeinde Niestetal, die E.ON Mitte AG, die SMA Technologie AG, die Städtische Werke Kassel AG sowie die Wintershall Holding AG.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass rund 10.000 neue Arbeitsplätze durch den Verkauf von innovativen Produkten und Dienstleistungen auf den nationalen und internationalen Märkten entstehen könnten, wobei der Photovoltaik-Systemtechnik dabei die größte Bedeutung zukommt, gefolgt von innovativen Heizsystemen und solarthermischen Anlagen.

Durch verstärkte Anwendung dezentraler/erneuerbarer Energien und Effizienztechniken in der Region könnten nach den Prognosen der Experten weitere10.000 Arbeitsplätze entstehen, vor allem für das Handwerk im Bereich Gebäudesanierung und den Betrieb von Wind-, Solar- und Biogasanlagen. Die regionale Wirtschaftsbilanz könnte zudem deutlich verbessert werden, wenn begleitend zu einer zielgerichteten Industrie- und Innovationspolitik auch die Nachfrage nach dezentraler Energie und Energieeffizienz gesteigert würde, heißt es in der Studie.

Die Studie beschreibt auch, was - in einer konzertierten Aktion von Unternehmen, Kammern, Universität und Politik - getan werden muss, um die anspruchsvollen Ziele zu erreichen. Der vorläufige Maßnahmenkatalog enthält unter anderem ein regionales Gebäudeinnovations- und Sanierungsprogramm, den Ausbau der vorhandenen Schulungsangebote für Handwerker sowie die Einrichtung von Übungsbaustellen und den Ausbau qualifizierter Energieberatung. Auf gut erreichbaren und zentral gelegenen Flächen sollen zudem Demonstrations- und Leuchtturmprojekte dezentraler Energietechnik realisiert werden. Zur verstärkten Anwendung dezentraler/erneuerbarer Energien sollen kommunale Energieprogramme erstellt und Flächennutzungspläne entsprechend angepasst werden.

,,Nordhessen muss überdies als Forschungsstandort massiv gestärkt und ausgebaut werden“, sagte Uni-Präsident Professor Dr. Postlep: Nur so könnten die Unternehmen die erreichte Technologieführerschaft erhalten und weiter ausbauen.

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