Fit und Gesund im Einsatz: Berufsfeuerwehr und mit Uni Kassel entwickeln Gesundheitsprojekt

18. Januar 2008. Die Feuerwehr bekämpft Brände und hilft bei Unglücks- und Notfällen. Dabei müssen die Feuerwehrmänner und -frauen in der Lage sein, in oft schwierigen Situationen körperliche Höchstleistungen bei der Rettung von Menschen aus Gefahrenlagen zu erbringen. „Das setzt körperliche Fitness voraus und diese muss für die gesamte Dienstzeit, die bis zum 60. Lebensjahr reicht, erhalten bleiben“, wie Kassels Bürgermeister Thomas-Erik Junge erläutert. Daher habe man sich entschlossen, ein zielgerichtetes Training, das die besonderen Belastungen des Feuerwehreinsatzdienstes im Visier hat, mit wissenschaftlicher Unterstützung aus der Universität Kassel zu entwickeln und einzusetzen.

Doch was brauchen Feuerwehrmänner und -frauen eigentlich an spezieller Fitness, um Menschen aus brennenden Wohnungen oder aus zerquetschten Autos zu holen, Katz’ und Hund von Baum oder aus der Kanalisation zu befreien?

Das Forschungsprojekt „Fit und gesund im Einsatz“ unter Leitung von Professor Dr. Armin Kibele startete 2006 und hat den Anspruch, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aufbauend das Training anforderungsgerecht und systematisch zu planen, die Feuerwehrleute zu beraten und anzuleiten und die Trainingserfolge auszuwerten. Das Institut für Sportwissenschaft der Universität Kassel hat die körperliche Beanspruchung der Kasseler Feuerwehrleute analysiert und zielgerichtete Trainingsprogramme entwickelt. Dabei gibt es in der deutschen Fachliteratur bislang wenig Vorarbeiten, nur der angelsächsische Wissenschaftsraum hat hierzu bereits einiges Material vorzuweisen.

In der ersten Untersuchungsphase wurden die körperlichen Belastungssituationen der Kasseler Feuerwehrleute per Interview ermittelt, in der internationalen Fachliteratur Vergleichsstudien zum Fitnesstraining von Feuerwehrleuten ausgewertet. „Die körperlichen Beanspruchung von Feuerwehrleuten beurteilen wir anhand von die Maximalkraftfähigkeit, Kraftausdauerfähigkeit, Beweglichkeit, Gleichgewicht, Koordination und Aerober Ausdauer“, so Kibele. Unterschieden werde dabei nach Altersgruppen.

In dem auf mehrere Jahre angelegten Forschungsprojekt muss eine spezielle Fitnessdiagnostik für Feuerwehrleute entwickelt werden. So sollen das Fitnessniveau regelmäßig und systematisch geprüft, Referenzwerte gesammelt und Abweichungen von den Referenzwerten festgestellt werden, wie Kibele erläutert. „Es gibt bisher nur einige Standards, die man einbeziehen kann, etwa die der Sauerstoffaufnahme bei Anaerober Ausdauerbelastung oder der Body Mass Index für den Körperzustand.“

Kibele beriet die Feuerwehr bei der Geräteauswahl für den Fitnessraum in der Feuerwache 2 an der Heinrich-Schütz-Straße und startete ein Trainingsprogramm. „Die ersten Trainingsmonate mit 30 Feuerwehrleuten und einer 30köpfigen Kontrollgruppe zeigen schon Erfolge“, so Kibele.

Und auch der Leitende Branddirektor der Kasseler Berufsfeuerwehr, Dipl.-Ing. Karl-Heinz Krütt, steht zu dem Vorhaben: „Erste Erfahrungen zeigen, dass es der Universität Kassel gelungen ist, die Feuerwehrleute für das Fitnesstraining zu motivieren. Das ist eine gute Grundlage dafür, dass die Feuerwehr Kassel fit und gesund im Einsatz ist.“ Daher werde demnächst auch die Feuerwache 1 an der Wolfhager Straße, beraten von Professor Kibele, mit einem neuen Fitnessraum ausgestattet. Übungsleiter aus dem Kasseler Hochschulsport stehen dann, wie auch bereits in Feuerwache 2, zur Anleitung und Motivation zur Verfügung. Unausgewogene Belastungen im Berufsalltag können dann nicht nur mit einem speziellen „Feuerwehrtraining“, sondern auch etwa mit Pilates oder Rückenschule begegnet werden, erläutert Krütt.

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