Gedenken zum Tag für die Opfer des Nationalsozialismus am kommenden Sonntag
Magdeburg.
Aus Anlass des bundesweiten Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar finden am kommenden Sonntag in Magdeburg mehrere Gedenkveranstaltungen statt. Um 10.00 Uhr werden Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper und Staatsminister Rainer Robra sowie Vertreter der Kirchen am Mahnmal „Magda“ in Rothensee Kränze niederlegen. Um 14.00 Uhr wird am Tor des ehemaligen Konzentrationslagers in der Liebknechtstraße eine Gedenktafel eingeweiht, die an die Geschichte dieses Ortes erinnert. Das Kulturhistorische Museum hat eine Ausstellung zum Thema mit dem Titel „Unerwünscht – verfolgt – ermordet. Ausgrenzung und Terror während der nationalsozialistischen Diktatur in Magdeburg 1933 bis 1945“ gestaltet, die am 27. Januar um 15.00 Uhr eröffnet wird. Magdeburgerinnen und Magdeburger sind zu allen Veranstaltungen eingeladen.
Gedenkfeier am Mahnmal „Magda“ Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper und Rainer Robra, Staatsminister des Landes Sachsen-Anhalt werden um 10.00 Uhr während der Feier am Mahnmal „Magda“ in Rothensee Worte des Gedenkens sprechen und Kränze niederlegen.
In der Nähe des ehemaligen Außenlagers des KZ Buchanwald "Magda" in der Rothenseer Havelstraße/Ecke Heinrichsberger Straße wurde am 26. Januar 2001 das von dem Metallplastiker Peter Hinz und dem Schriftsteller Jürgen Rennert geschaffene Mahnmal enthüllt. Es erinnert an das KZ-Außenlager „Magda“, das sich 1944/45 in unmittelbarer Nachbarschaft befand. Seit Juni 1944 waren 2.170 zumeist ungarische Juden des Konzentrationslagers Buchenwald in das KZ-Außenlager "Magda" in Magdeburg-Rothensee überführt und zur Schwerstarbeit für die Braunkohle-Benzin AG (BRABAG) gezwungen worden. Das Lager befand sich in unmittelbarer Nähe des heutigen Denkmals. Bis zu seiner Auflösung im Februar 1945 kamen 550 Häftlinge um.
Neue Gedenktafel am Tor des ehemaligen KZ in der Liebknechtstrasse Um 14.00 Uhr wird am ehemaligen Tor des Frauen- und Männer-KZ in der Liebknechtstrasse 65 durch Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper, Magdeburgs Gleichstellungsbeauftragte Editha Beier und die Vorsitzende des jüdischen Frauenvereins BeReshit Ellen Rublow eine neue Gedenktafel eingeweiht, die an die Geschichte dieses Ortes erinnert.
In der heutigen Liebknechtstrasse 65-91 befand sich von 1944 bis 1945 ein Konzentrations-Außenkommando der Polte-Werke Magdeburg – ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald und des Frauen-KZ Ravensbrück. Mehr als 3000 Frauen und 600 Männer mussten hier unter unmenschlichen und unvorstellbaren Bedingungen als Zwangsarbeiterinnen und als Häftlinge in den Polte-Rüstungswerken arbeiten. Die Frauen kamen ab September 1944 in mindestens fünf Transporten aus den Konzentrationslagern Ravensbrück, Stutthof, Bergen Belsen und Auschwitz, die Männer aus dem KZ Buchenwald.
Der Großteil der Häftlinge überlebte das Magdeburger KZ, das Massaker am Stadion Neue Welt und den Todesmarsch nach Ravensbrück nicht. Am 19. April 1945 kamen nur noch 600 der 3000 Frauen des Außenkommandos der Polte-Werke Magdeburg lebend in Ravensbrück an.
Der Historiker Pascal Begrich machte durch die öffentliche Vorstellung seiner Magisterarbeit und eine Veröffentlichung in „Stadtgeschichte in der NS Zeit - Fallstudien aus Sachsen-Anhalt und vergleichende Perspektiven“ auf das Frauen-KZ und dessen Geschichte aufmerksam. Seit zwei Jahren veranstalten die Frauen des Politischen Runden Tisches der Stadt Magdeburg gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern jährliche Gedenkveranstaltungen am Tor des ehemaligen Konzentrationslagers.
Auf Initiative des Politischen Runden Tisches der Frauen und des Vereins BeReshit wurde die Gedenktafel am Tor des ehemaligen KZ-Außenlagers neu gestaltet. Sie wird am kommenden Sonntag mit einer Gedenkfeier eingeweiht und trägt folgende Inschrift:
An dieser Stelle, Liebknechtstrasse 65-91, befand sich in der Zeit des Nationalsozialismus von 1944 bis 1945 das Konzentrations-Aussenlager des Rüstungswerkes Polte AG Magdeburg, des KZ Buchenwald und des Frauen-KZ Ravensbrück.
Über 3000 Frauen und 600 Männer aus verschiedenen Nationen, jüdischer und nichtjüdischer Herkunft, mussten als Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in den Polte-Rüstungswerken unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Der Großteil von ihnen überlebte dieses erbarmungslose und menschenverachtende Lager und den Todesmarsch nach Ravensbrück 1945 nicht.
Wir erinnern an alle Menschen, die dieses grausame Schicksal erleiden mussten. Landeshauptstadt Magdeburg Der Oberbürgermeister
Jüdischer Frauenverein BeReshith e.V.
Politischer Runder Tisch der Frauen Magdeburg
Eröffnung der Ausstellung „Unerwünscht – verfolgt – ermordet“ Im Kulturhistorischen Museum widmet sich die Ausstellung „Unerwünscht – verfolgt – ermordet. Ausgrenzung und Terror während der nationalsozialistischen Diktatur in Magdeburg 1933 bis 1945“ dem Thema Ausgrenzung und Terrorisierung Andersdenkender. Sie wird am 27. Januar um 15.00 Uhr eröffnet und von zahlreichen Veranstaltungen begleitet. Die Ausstellung richtet die Aufmerksamkeit auf jene, die in Magdeburg während der nationalsozialistischen Diktatur 1933 bis 1945 als „Andersdenkende“, „Andersartige“ oder als „Gemeinschaftsfremde“ unerwünscht waren, die aus der Gesellschaft ausgestoßen, gedemütigt, ihrer Menschenwürde beraubt oder politisch verfolgt, die in „Gewahrsam“ genommen, zur Sklavenarbeit gezwungen wurden und in einem der zahllosen Konzentrationslager umgebracht worden sind. Die Sonderausstellung wird bis zum 3. August im Kulturhistorischen Museum gezeigt.
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