Magdeburg tritt dem Deutschen Riga-Komitee bei
Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper unterzeichnet Beitrittsurkunde
Magdeburg.
Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper und der Landesvorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Landtagspräsident Dieter Steinecke, haben heute gemeinsam die Beitrittsurkunde der Landeshauptstadt zum Deutschen Riga-Komitee unterzeichnet. Damit reiht sich Magdeburg in die Gruppe deutscher Städte ein, die im Gedenken ihrer nach Lettland verschleppten und ermordeten jüdischen Mitbürger die Gräber- und Gedenkstätte Riga-Bikernieki unterstützen und so das Schicksal dieser Menschen stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken wollen.
„Über 25.000 deutsche Juden sind in den Jahren 1941/42 nach Riga deportiert und in ihrer überwiegenden Zahl dort im Wald von Bikernieki ermordet worden. Unter ihnen waren auch Bürger aus Magdeburg“, so Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper. Der wohl bekannteste war Dr. Herbert Goldschmidt, Magdeburger Bürgermeister und Stellvertreter des damaligen Oberbürgermeisters Ernst Reuter von 1931-1933. Er wurde bereits 1933 von den Nationalsozialisten aus dem Rathaus abgeführt und 1943 in Riga ermordet. „Im Gedenken an ihn, seine Familie und die vielen anderen Opfern tritt Magdeburg dem Deutschen Riga-Komitee bei.“
Das „Deutsche Riga-Komitee“ wurde im Mai 2000 von 13 deutschen Großstädten, aus denen eine Vielzahl der Deportierten stammten, und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. gegründet. In den vergangenen Jahren sind noch viele weitere Städte hinzugekommen.
Gemeinsames Ziel der Mitglieder des Riga-Komitees ist es, an das Schicksal der deutschen Juden zu erinnern, die Opfer der Deportation nach Riga wurden. Um das Gedenken an diese furchtbaren Verbrechen wach zu halten, wurde am 30. November 2001, 60 Jahre nach Beginn der Deportationen, das wiederhergestellte Gräberfeld im Rigaer Bikernieki-Wald als würdige Gedenkstätte der Opfer der Deportation der Öffentlichkeit übergeben. Die damalige lettische Staatspräsidentin, Vaira Vike-Freiberga, Trägerin des Kaiser-Otto-Preises der Landeshauptstadt Magdeburg 2007, hielt eine beeindruckende Ansprache. Mit der gemeinsamen Pflege der Anlage durch lettische und deutsche Jugendliche soll ein lebendiges Band der Erinnerung und der Begegnung zwischen Riga und den deutschen Städten, von denen damals die Sammeltransporte ausgingen, geknüpft werden.
Die Kosten zur Errichtung und Pflege der Gedenkstätte werden durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und die am Riga-Komitee beteiligten Städte, zu denen jährlich weitere hinzukommen, getragen. Auch Magdeburg stellt mit seinem Beitritt einmalig 2.500 Euro für die Pflege der Gedenkstätte in Riga zur Verfügung.
Rechtliche Grundlage dafür ist das deutsch-lettische Kriegsgräberabkommen von 1996, in dem sich die Bundesregierung verpflichtet hat, auch den deutschen Opfern der Deportation in Lettland eine würdige Grabstätte zu schaffen. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der mit dieser Aufgabe beauftragt ist, hat in Lettland während der letzten zehn Jahre bereits acht Kriegsgräberstätten für deutsche Gefallene anlegen können.
„Der Beitritt der Landeshauptstadt Magdeburg zum Deutschen Riga-Komitee ist ein weiterer Beitrag zur Aufarbeitung dieses dunkelsten Kapitels deutscher und auch Magdeburger Geschichte“, sagte Dr. Lutz Trümper im Rahmen der feierlichen Unterzeichnung der Beitrittsurkunde. „Die Landeshauptstadt Magdeburg erinnert mit einer Vielzahl von Veranstaltungen und Aktionen an diesen Teil ihrer Geschichte.“
Aktuellstes Beispiel hierfür ist die kürzlich eröffnete Sonderausstellung des Kulturhistorischen Museums Magdeburg „Unerwünscht – Verfolgt – Ermordet. Ausgrenzung und Terror in Magdeburg während der nationalsozialistischen Diktatur 1933 - 1945“, die noch bis zum 3. August zu sehen ist.
Darüber hinaus werden in der Landeshauptstadt Magdeburg auch mit der Beteiligung an der bundesweiten Aktion „Stolpersteine“, der Initiative „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und zahlreichen anderen Projekten Zeichen für ein friedliches und selbstverständliches Miteinander und Füreinander gesetzt.
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