10. April 2008. „Marianne vom Stein und die Rebellion der Stiftsdamen gegen König Jérôme“ ist der Titel eines Vortrags von Dr. Margret Lemberg am Mittwoch, 16. April, 19.30 Uhr, im Stadtmuseum Kassel, Ständeplatz 16
Nicht alle „lustik“!? Mit einer gemeinsamen Veranstaltung richten das Stadtmuseum Kassel und das Archiv der deutschen Frauenbewegung den Blick auf eine ungewöhnliche hessische „Rebellin“, adelig, aktiv und gebildet, die sich in den Wirren der napoleonischen Ära gegen die „Fremdherrschaft“ mit den männlichen Aufständischen verbündete.
Marianne vom Stein (1753-1831), Schwester des Freiherrn vom Stein, unterstützte, ausgehend vom evangelischen Damenstift Wallenstein in Homberg/Efze, 1809 den spektakulären „Dörnberg-Aufstand“ gegen König Jérôme. Von Homberg aus begab sich ein schlecht ausgerüstetes Corps von Freiwilligen – mehrheitlich Bauern - unter Führung Wilhelm von Dörnbergs nach Kassel, um das westphälische Regiment zu stürzen. Die dadurch am 23. April 1809 entfesselte Schlacht nahe der Knallhütte bei Rengershausen mündete in eine vernichtende Niederschlagung der Revolte, endend in der Hinrichtung der angeblichen Rädelsführer auf dem Forst bei Bettenhausen. Einige Aufständische, unter ihnen auch von Dörnberg, entzogen sich dem Todesurteil wegen Hochverrats durch Flucht. Die wegen Konspiration angeklagte Freiin Marianne vom Stein und zwei weitere Stiftsdamen wurden verhaftet, nach Kassel ins Gefängnis und weiter nach Mainz transportiert. Marianne vom Stein wurde sogar nach Paris in das Präfekturgefängnis verschleppt. Andere, mit den Stiftsdamen befreundete Homberger Damen, darunter Karoline von Baumbach, die die Fahne der Aufständischen gestickt hatte, wurden mit ihnen verhaftet. Ihre Tante starb im Gefängnis in Kassel, Karoline von Baumbach selbst kam nur gegen eine hohe Kaution frei.
Dr. Margret Lemberg (Marburg), die zu Marianne vom Stein eine ebenso umfassende wie faszinierende Monographie verfasst hat, zeichnet in einem reich bebilderten Vortrag weibliche Lebenswege nach, die auch in Kassel Spuren hinterlassen haben.
Der Eintritt zum Vortrag ist frei.
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