Klarheit über Kosten - Bädersanierung bei 38 Millionen

30. April 2008. Die Sanierung der sechs städtischen Bäder wird nach einem Gutachten der Bielefelder Firma CONSTRATA Ingenieur-Gesellschaft mbH mit rund 38 Millionen Euro zu Buche schlagen. Dies teilte im Rahmen einer Pressekonferenz am Mittwoch Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel im Kasseler Rathaus mit. Damit werde eine Sanierung aller drei Hallen - sowie aller drei Freibäder mehr als doppelt so teuer, als die Städtische Werke AG in ihrer Kostenabschätzung im Jahr 2004 genannt habe.

Die neuesten Zahlen seien aufgrund eines Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung vom 28. Januar 2008 ermittelt worden, erläuterte der Stadtkämmerer. Die Stadtverordneten haben auf Vorschlag des Magistrats beschlossen: „1. Die Sanierung der bestehenden Hallen- u. Freibäder der Stadt Kassel wird als priorisierte Lösung weiter untersucht. Vor einer endgültigen Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung wird durch einen externen Fachberater die Kostenkalkulation noch einmal differenziert überprüft. Dabei soll fachlich auch analysiert werden, ob die Sanierung der Bäder mittel- und langfristig aufgabenadäquate Angebotsstrukturen schafft. Im Rahmen dessen soll auch die Beteiligung an einem neuen Hallenbad in Niestetal geprüft werden. Die Ergebnisse werden den Stadtverordneten spätestens im April 2008 vorgelegt.

2. Der Magistrat wird ermächtigt, die zur Umsetzung des Beschlusses erforderlichen Maßnahmen einzuleiten und notwendige Erklärungen in der jeweils rechtlich gebotenen Form rechtsverbindlich abzugeben.“

Dr. Barthel wies darauf hin, dass bei aller noch verbleibender Unsicherheit nun die notwendigen politischen Entscheidungen mit größerer Kostentransparenz getroffen werden könnten. Die sehr erheblichen Abweichungen zwischen der Schätzung der Städtische Werke AG und CONSTRATA hätten gezeigt, dass die Bedenken gegen die Belastbarkeit der Kosteneinschätzung der Städtische Werke AG richtig gewesen seien. Nach dem Gutachten der Firma CONSTRATA hätten sich bei allen städtischen Bädern, mit Ausnahme des Freibades Harleshausen, die Kosten für die Sanierung mehr als verdoppelt.

Die Zahlen im einzelnen: Die Sanierungskosten belaufen sich laut CONSTRATA (Stand 2008) für das Stadtbad Mitte auf 11,899 Millionen Euro. Die Städtischen Werke hatten die Kosten (Stand 2004) auf 5,067 Millionen Euro beziffert. Für das Freibad Auedamm werden jetzt Sanierungskosten in Höhe von 7,337 Millionen Euro (2004: 4,389 Millionen Euro) genannt. Die Sanierungen des Hallenbads Ost schlagen mit 6,499 Millionen Euro (2004: 2,447 Millionen Euro), des Hallenbads Süd mit 6,496 Millionen Euro (2004: 2,913 Millionen Euro) zu Buche. Für die Freibäder Wilhelmshöhe und Harleshausen sind Sanierungskosten in Höhe von 3,125 Millionen Euro (2004: 1,522 Millionen Euro) beziehungsweise 2,559 Millionen Euro (2004: 1,760 Millionen Euro) ermittelt worden. Auf der Grundlage dieser neuen Kostenschätzungen sei klar, so Dr. Barthel weiter, dass der in der mittelfristigen Finanzplanung eingestellte und mit der Kommunalaufsicht abgestimmte Kostenrahmen von 20 Millionen Euro für die Sanierung der städtischen Bäder nicht ausreiche. Zu Lasten des allgemeinen Kreditrahmens und damit auch zu Lasten alternativer Verwendungen wie der Schulbausanierung könne die Stadt in den kommenden Jahren insgesamt maximal weitere zehn Millionen Euro mobilisieren. „Damit scheidet die vollständige Sanierung aller städtischen Bäder im bisherigen Umfang aus“, machte der Stadtkämmerer deutlich.

Dr. Barthel unterstrich, dass die Sanierung der Freibäder Harleshausen und Wilhelmshöhe unter den Aspekten des Freizeitangebotes, der Sport- und Gesundheitspolitik sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar sei. Diese Freibäder, so seine Auffassung, sollten deshalb in den nächsten Jahren saniert werden. Dagegen könne das Stadtbad Mitte am bisherigen Standort unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten nicht sinnvoll saniert werden. Dieser stadtentwicklungspolitisch attraktive Standort solle deshalb einer anderen Nutzung zugeführt werden.

Der Kämmerer wies darauf hin, alternativ müsse über den Bau eines neuen Schwimmsportzentrums als Ersatz für die aufzugebenden Hallenbäder oder die Sanierung der Bäder Süd und Ost und den Neubau eines Funktionsbades der Grundversorgung vorzugsweise im Norden der Stadt entscheiden werden. Nicht saniert werden könne im gegenwärtigen Zuschnitt das Auebad. Um ein Angebot an diesem Standort aufrechtzuerhalten, müsse der Neubau eines deutlich verkleinerten und zurückgebauten Freibades geprüft und eventuell realisiert werden.

Eine Zentralisierung auf ein Bad widerspreche dem Ergebnis der intensiven Bürgerbeteiligung und den Voten der Ortsbeiräte, erklärte Dr. Barthel. Die Kosten für einen Neubau müssten wegen der erheblichen Abweichungen bei der Kostenschätzung über die Sanierung ebenfalls noch einmal extern untersucht werden. Bei einem Neubau müssten die Investition und der Betrieb europaweit ausgeschrieben werden. Auch die Ergebnisse der Untersuchungen der Städtische Werke AG über eine mögliche Kooperation mit der Gemeinde Niestetal müssten mit Blick auf das Hallenbad Ost abgewartet werden. Für eine Sanierung dieses Hallenbades würden stadtstrukturelle Gründe und die regionale Bäderverteilung sprechen. „Die unmittelbar notwendigen Reparaturarbeiten werden jetzt aber nicht vergeben, sondern bis zur endgültigen Entscheidung zurückgestellt. Das Hallenbad Ost bleibt deshalb bis auf weiteres geschlossen“, gab der Kämmerer bekannt.

In den kommenden Wochen würden diese alternativen Sanierungskonzepte weiter geprüft sowie hinsichtlich der Umsetzungsschritte konkretisiert und eine vertiefende Raum- und Funktionsplanung erarbeitet, kündigte abschließend Dr. Barthel an.

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