10. Juni 2008. Am Sonntag, 8. Juni, ist Peter Rühmkorf seiner schweren Krankheit erlegen. Eine Woche zuvor hatte ihn die Nachricht erreicht, dass ihm der Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor zuerkannt worden ist. Peter Rühmkorf zeigte sich hoch erfreut! Die Verleihung des Preises wird nun posthum stattfinden. Es ist geplant, ihn im Februar 2009 während einer Festveranstaltung zu Ehren des großen deutschen Dichters seiner Witwe Eva Rühmkorf zu überreichen.
Am Montagmorgen überraschte die Nachricht vom Tod Peter Rühmkorfs Stiftung und Stadt Kassel, kurz nachdem die Preisvergabe bekannt gemacht worden war. Oberbürgermeister Bertram Hilgen hatte auf Beschluss des Stiftungsrates erklärt, der Preis ehre den "größten lebenden Vers-Virtuosen Deutschlands" (Hans Magnus Enzensberger) für seine Weg weisende Gestaltungskraft auf dem Feld des Komischen.
Der mit 10.000 Euro dotierte Kasseler Literaturpreis wird seit 1985 Jahren jährlich vergeben und zeichnet Autoren aus, deren Werk auf hohem künstlerischen Niveau von Komik und Groteske geprägt ist. Ausgezeichnet wurden u.a. Loriot, Ernst Jandl, Irmtraud Morgner, Robert Gernhardt, Peter Bichsel oder Ror Wolf und beim letzten Mal F.W. Bernstein.
Begründung des Stiftungsrates
„Peter Rühmkorf hat mit seinem unübertroffen vielstimmigen Werk auch dem literarisch Komischen neue Wege bereitet. Virtuos erschließt er die literarische Überlieferung, bürstet sie parodierend gegen den Strich und lässt sie durch heutige Erfahrungen und Sprechweisen hindurch klingen. Sein poetischer Tanz auf dem Hochseil kombiniert unterschiedlichste Stilebenen und Idiome vom Erhabenen bis zum Alltagsjargon. Die verschränkten Zwänge, Abgründe und Dummheiten der Gegenwart weiß die Dichtung des ‚roten Romantikers‘ sensibel auseinander zu binden. Unserer haltlosen Welt begegnet sie mit Ironie, Witz und Wut, mit Provokation und Lust; sie ist Anleitung zum politischen Widerspruch wie zu irdischem Vergnügen und ästhetischem Genuss.“
Über Peter Rühmkorf
Peter Rühmkorf wurde am 25.10.1929 in Dortmund geboren. Er studierte von 1951-58 Germanistik und Psychologie in Hamburg und schrieb ab 1953 unter Pseudonym für den «studentenkurier» (später «konkret»). 1958-63 war er Verlagslektor, seither freier Schriftsteller. Rühmkorf war Gastprofessor in den USA sowie an der Universität Paderborn und ist Ehrendoktor der Universität Gießen. Er wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Erich-Kästner-Preis, dem Bremer Literaturpreis, dem Arno-Schmidt-Preis, dem Joachim-Ringelnatz-Preis und dem Georg-Büchner-Preis. 1987 war er documenta-Schreiber in Kassel. Rühmkorf war korrespondierendes Mitglied der Akademie der Künste der DDR und erhielt 1988 den Heinrich-Heine-Preis der DDR. Sein erster Gedichtband „Irdisches Vergnügen in g“ lässt bereits die Virtuosität seiner Sprachkunst erkennen: Er parodiert, persifliert vorgegebene Gedichtformen, kombiniert so genannte Hochsprache mit Slang und saloppem Umgangsdeutsch, reißt Wörter aus dem gewöhnlichen Kontext und stellt sie in neue Zusammenhänge. Seit 1999 erscheint eine Ausgabe seiner Werke. Kürzlich veröffentlichte Peter Rühmkorf seinen neuesten Gedichtband mit einem Titel ganz im Sinne des Kasseler Literaturpreises: „Paradiesvogelschiß“.
„Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ und „Förderpreis Komische Literatur“
Der „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ wurde 1984 der Stadt Kassel von der Stiftung Brückner-Kühner zum Geschenk gemacht. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und wird Schriftstellern zugesprochen, deren Werk sich auf hohem künstlerischen Niveau durch Humor, Komik und Groteske auszeichnet. Seit 1985 erhielten folgende Personen die Kasseler Auszeichnung: Loriot, Eike Christian Hirsch, Ernst Jandl, Wolfgang Preisendanz, Irmtraud Morgner, Ernst Kretschmer, Robert Gernhardt, Walter Hinck, Christoph Meckel, Volker Klotz, Hanns Dieter Hüsch, Karl Riha, Max Goldt, Franzobel, Ingomar von Kieseritzky, Peter Bichsel, George Tabori, Franz Hohler, Eugen Egner, Ror Wolf, Katja Lange-Müller, Gerhard Polt und F.W. Bernstein.
Den gleichzeitig vergebenen „Förderpreis Komische Literatur“ in Höhe von 3000 Euro erhielten bislang Frank Schulz, Jochen Schmidt, Tilman Rammstedt, Jess Jochimsen und Philipp Tingler. Die Entscheidung, wer in diesem Jahr ausgezeichnet wird, wird in Kürze bekannt gegeben.
Die Stiftung Brückner-Kühner
wurde von den Schriftstellern Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner ins Leben gerufen, die 30 Jahre zusammen in Kassel lebten und dort 1996 kurz nacheinander verstarben. Die Stiftung wirkt heute als Literaturzentrum auf den Gebieten des Komischen und der international avancierten Poesie, und sie unterhält das Dichterhaus Brückner-Kühner als Literaturmuseum. Dem Stiftungsrat gehören folgende Personen an: der Literaturprofessor Dr. Walter Pape (Vorsitzender, Köln), die Lektorin Dr. Renate Jakobson (Berlin), der Autor Ingomar von Kieseritzky (Berlin), der Literaturwissenschaftler Christian Maintz (Hamburg), der Übersetzer Harry Rowohlt (Hamburg) sowie Dr. Thomas Wohlfahrt, Leiter der literaturWERKstatt Berlin. Auch der Preisträger des Vorjahres ist jeweils für ein Jahr Mitglied. Geschäftsführender Kurator der Stiftung ist der Literaturwissenschaftler Dr. Friedrich W. Block.
Näheres zum Engagement der Literaturstiftung unter www.brueckner-kuehner.de.
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