03. Juli 2008.
Das Stadtmuseum Kassel freut sich über eine spektakuläre Neuerwerbung, die jetzt von Bürgermeister Thomas-Erik Junge, Gabriela Wolff-Eichel, Vorsitzende „Freunde des Stadtmuseum Kassel e. V.“ und Museumsleiterin Dr. Cornelia Dörr der Öffentlichkeit vorgestellt wurde: ein Toilettentisch aus weißem Carrara-Marmor mit reichem Skulpturenschmuck von Werner Henschel (1782-1850).
Das einzigartige Objekt, 1849 in Rom für die Herzogin Elisabeth Marie von Sachsen-Meiningen, geborene Prinzessin von Hessen-Kassel, angefertigt, ist das wohl letzte Werk des wenig später verstorbenen Bildhauers, der 1810 mit seinem Vater die Kasseler Firma „Henschel & Sohn“ begründet hatte.
Für ein halbes Jahrhundert als Prunkstück zum Inventar des Meininger Residenzschlosses Elisabethenburg in Thüringen gehörig, wurde der Tisch um 1900 vermutlich auf Veranlassung der Unternehmerin Sophie Henschel zurück gekauft, um die Henschel-Villa auf dem Weinberg zu schmücken. Aus altem Familienbesitz gelangte er unlängst in den Kunsthandel und konnte dank engagierter Unterstützung der „Freunde des Stadtmuseums Kassel e.V.“ von einem ungewissen Auktionsschicksal erlöst und für Kassel gesichert werden.
Toilettentisch von Werner Henschel
Ebenso anspruchsvoll wie nützlich ausgestaltet, besteht der 1,82 m hohe Toilettentisch aus einer romanischen Säule und einer Tischplatte in Form eines gotisches Kleeblatts - welches als Anspielung auf das Kasseler Wappen interpretiert werden darf - aus der ein Kapitell erwächst, auf dem zwei Figuren sitzen: Ein Knabe mit einem Schwert für das männliche und ein Mädchen mit einer Puppe für das weibliche Temperament. Alle zusammen tragen und rahmen einen Spiegel, den ein sich verneigender Schwan bekrönt.
Werner Henschel, Mitbegründer der Gießerei und Maschinenfabrik Henschel & Sohn, gilt in der kunsthistorischen Fachliteratur als ein seltener Vertreter der romantischen Bildhauerei Deutschlands. Künstlerisch hochbegabt erhielt er in jungen Jahren bei seinem Patenonkel, dem Porträtmaler J. W. Kobold, und wenig später bei den Hofbildhauern an der Kasseler Akademie Unterricht und beteiligte sich schon früh am Skulpturenschmuck des Wilhelmshöher Schlosses. Daneben absolvierte er im väterlichen Betrieb eine Lehre als Stück- und Glockengießer.
Mit einem Reisestipendium der Akademie ausgezeichnet, studierte Werner Henschel ab August 1805 in Paris, vor allem als Schüler von Jaques Louis David. Von 1810 an bis zum Eintritt seines Bruders Carl Anton in den väterlichen Betrieb, beschäftigte ihn vorrangig der Guss von Kanonen, gelegentlich aber auch von Glocken. 1818 goss er mit Carl Henschel zusammen die 80 Zentner schwere Hauptglocke der Martinskirche, „Osanna“ genannt. 1820/21 begründete er den Braunkohlenbergbau in Ihringshausen und wenig später die Ton- und Ziegelwerke Möncheberg. Danach folgten vielfältige Entwürfe für dekorative Öfen, Leuchter, Vasen, Gitter, Geländer, Glockenschmuck und schließlich freie künstlerische Arbeiten, die ihn als Bildhauer berühmt machten. 1822 erhielt Henschel den Auftrag für das Grabmal des jung verstorbenen Grafen von Reichenbach, Sohn Kurfürst Wilhelms II. von Hessen-Kassel. 1829 entwarf er das Bonifatius-Denkmal in Fulda, das 1842 als bronzenes „Meisterwerk monumentaler Kunst“ enthüllt wurde und noch heute zu bewundern ist. Seit 1832 war Werner Henschel als Professor für Bildhauerkunst an der Kasseler Akademie angestellt. 1839 schuf er das Modell für eine Brunnengruppe, die König Wilhelm IV. von Preußen für die Römischen Bäder des Schlosses Charlottenhof bei Potsdam lebensgroß in Carrara-Marmor ausgeführt wünschte: Willkommener Anlass für eine 1843 angetretene Italienreise Werner Henschels, von der er - wegen politischer Wirren in Deutschland und Italien und einer schweren Erkrankung - nicht wieder nach Kassel zurück kehren sollte. Er starb am15. August 1850 an einer Lungenentzündung und wurde auf dem protestantischen Friedhof nahe der Cestiuspyramide in Rom bestattet.
Weitere Henschel-Kunstwerke im Stadtmuseum
Neben dem neu erworbenen Toilettentisch können im Stadtmuseum auch verschiedene andere Werke Werner Henschels bewundert werden: die Bronzestatuetten zu „Glaube, Liebe, Hoffnung“, Repliken des Bonifatiusdenkmals und der Potsdamer Brunnengruppe, ein Engel des Reichenbach-Grabmals und das Originalmodell zu dem Relief „Der Säende“. Ein Bronzeguss der für den Altstädter Markt entworfenen und 1848 in Potsdam installierten Brunnenplastik, auch bekannt als „Hermann und Dorothea“, hat sei 1994 vor dem Schlösschen Schönfeld eine ansprechende Aufstellung gefunden.
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