Ginkgo biloba - der japanische Tempelbaum kommt am Dienstag in Magdeburger Erde
Internationale Bauausstellung Sachsen-Anhalt 2010
Magdeburg.
Am kommenden Dienstag (12. August) um 10.00 Uhr wird an der Sternbrücke eine Ginkgo-Allee gepflanzt. Die doppelte Baumreihe – insgesamt 19 Baumpaare – steht für die 19 Städte in Sachsen-Anhalt, die sich an der Internationalen Bauausstellung Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010 (IBA) beteiligen. Der Beitrag der Landeshauptstadt zur IBA 2010 steht unter dem Motto „Leben an und mit der Elbe“.
Die bereits im April in der Baumschule Bruns (Bad Zwischenahn) für die Sommerpflanzung vorbereiteten Ginkgos werden in der kommenden Woche geliefert und von der Fachfirma Tief- und Landschaftsbau Büden gepflanzt. Für jede der 19 IBA-Städte kommt ein Baumpaar in die Erde - also je ein männlicher und ein weiblicher Ginkgo. Die offizielle Einweihung der Ginkgo-Allee erfolgt am 18. August um 18.30 Uhr durch OB Dr. Lutz Trümper.
Ginkgo-Allee
Die neu gepflanzte Ginkgo-Allee greift die historische Bepflanzung des Sternbrückendammes mit einer doppelten Baumreihe auf. Zum Sternbrückenzug findet sich der Nachweis einer alleeartigen Bepflanzung in sämtlichen Entwürfen und in zahlreichen historischen Dokumentationen. Diese Art der regelmäßigen Bepflanzung einer Straße empfahl und beschrieb auch der bedeutende Gartenkünstler P.J. Lenné. Die alleeartige Bepflanzung des Sternbrückendammes wird nach historischem Vorbild wiederhergestellt. Als Baumart wurde Ginkgo (Ginkgo biloba) gewählt. Die 19 Baumpaare stehen für die 19 Städte in Sachsen-Anhalt, die sich an der Internationalen Bauausstellung Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010 (IBA) beteiligen. Jedem Baumpaar wird eine Granitplatte mit dem Städtenamen und dem jeweiligen IBA-Thema zugeordnet.
Im Rahmen der Magdeburger Beteiligung an der IBA 2010 wird außerdem die historische Festungsanlage des Kavalier I durch die teilweise Wiederherstellung des Grabenprofils zwischen dem Wegedamm des Sternbrückenzuges und der äußeren Festungsmauer des Kavaliers wieder erlebbar gemacht. Nach erfolgtem Bodenabtrag werden die Mauerkronen der alten Festungsanlage des Kavalier I wieder sichtbar sein. Die Bauarbeiten dazu werden voraussichtlich bis Ende August beendet.
Der Ginkgo - auch Silberaprikose oder Fächerblattbaum genannt
Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie´s den Wissenden erbaut,
Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt? Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?
Solche Frage zu erwiedern,
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?
Johann Wolfgang von Goethe 1815
Der Baum stammt aus Ostasien, wo er auch wegen seiner Samen oder als Tempelbaum kultiviert wird; er wurde von holländischen Seefahrern aus Japan nach Europa gebracht und wird hier seit 1730 als Zierbaum gepflanzt.
Ginkgo biloba - hinter diesem, unserem Ohr so fremdländisch klingendem Namen verbirgt sich ein Baum, der als der älteste Baum unserer Erde auf eine fast 300 Millionen Jahre alte Geschichte zurückblicken kann. Der Baum kann sehr alt werden - 1000 Jahre oder älter. In China ist der älteste Ginkgobaum ungefähr 4000 Jahre alt. Die allerersten Ginkgoblattfunde kennt man aus der Rotliegendzeit und der Kupferschieferzeit.
Diese als ältestes lebendes „Fossil“ bekannte Baumart hat immer wieder Naturkatastrophen, Klimaveränderungen und Epochen großer Umwälzungen überstanden. Da sich der Ginkgo auf Grund seiner außergewöhnlichen Eigenschaften und seiner besonderen Form jeder Klassifikation entzieht, stellen ihn die Botaniker auf eine Sonderstufe.
Der Ginkgo gehört zu den Bäumen mit großer Symbolkraft und religiöser Bedeutung. Als Tempelbaum wird er seit Jahrtausenden im fernöstlichen Naturkreis gepflanzt, gepflegt, gehütet und verehrt. Der Grund dafür wiederum liegt in der botanischen Besonderheit seines Aufbaus und der Art der Fortpflanzung. Der Ginkgo ist ein „zweihäusiger Baum“. Dies bedeutet, dass es zwei Geschlechter dieser Pflanze gibt und seine Blüten auf männlichen und weiblichen Exemplaren wachsen. Bis zur Geschlechtsreife, im Alter von 20 bis 35 Jahren, sind sie äußerlich kaum voneinander zu unterscheiden.
Die Vermehrung des Ginkgos erfordert auch von einem Gärtner viel Geduld. Nur etwa 30 Prozent aller Stecklinge wachsen nach sehr langer Zeit an. Das Prinzip der Zweihäusigkeit zieht sich durch das Wesen des ganzen Baumes hindurch bis hinein in die Form des Blattes. Diese charakteristischen und auffälligen, fächerförmigen breiten Blätter, sind in der Mitte mehr oder weniger eingekerbt.
Die Grundlage fernöstlicher Religion, die auch in der westlichen Hemisphäre zunehmend an Bedeutung gewinnt, findet ihren Ausdruck in dem auch uns bekannten „Yin und Yang“. Die schlanke aufstrebende Wuchsform des Ginkgo repräsentiert nach asiatischer Philosophie das Yang und wird mit Aktivität und Lebenskraft gleichgesetzt, während die Blätter aufgrund ihrer fächerartigen Form das Yin, also Sanftheit und Weichheit darstellen. Diese Interpretation führte frühzeitig dazu, dass der gesamte Baum als pflanzliches Symbol der Harmonie betrachtet wird.
Aus der Grundsätzlichkeit von Gut und Böse, Tag und Nacht, positiv und negativ, Zeit und Raum, entsteht das energetische Potential, welches Leben, Bewegung und Entwicklung bewirkt, und in das alles Lebende und auch alle Materie eingebunden ist. Da das Eine nicht ohne das Andere sein kann und damit eine Befruchtung stattfinden kann, wird der Ginkgo in Asien immer paarweise gepflanzt.
Aufgrund seiner Resistenz gegen Schädlingsbefall und seiner Anspruchslosigkeit wird der Ginkgo inzwischen weltweit als Stadtbaum angepflanzt. In Berlin hat die langjährige Kultur als Straßenbaum gezeigt, dass er resistent gegen Autoabgase und Streusalz ist. Allerdings ist der junge Baum frostempfindlich.
Der Ginkgobaum ist besonders wiederstandfähig gegen Krankheiten, Insektenplagen, Pilze, Feuer, Luftverschmutzung und sogar radioaktive Strahlung und gilt deshalb als Hoffnungssymbol. Seine Blätter sind im Frühjahr hellgrün und dunkeln über den Sommer nach, im Herbst färben sie sich auffallend hellgelb und fallen schließlich etwa Anfang November ab. Da der Ginkgo sehr alt wird, bezeichnet man ihn auch als Großvater-Enkel-Baum - der Großvater pflanzt den Baum, der Enkel kann die Früchte ernten.
Der Ginkgo hat eine große Symbolkraft für Kunst, Kultur und Heilkunde. Zum Jahrtausendwechsel erklärte das „Kuratorium Baum des Jahres“ den Ginkgo biloba zum Mahnmal für Umweltschutz und Frieden und zum Baum des Jahrtausends.
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