18. August 2008. In eine neue, konkrete Phase ist jetzt der Prozess getreten, mit dem sich die Stadt Kassel auf den demografischen Wandel vorbereitet. „Es handelt sich nicht mehr um ein zeitlich befristetes Projekt, vielmehr sind mit den fünf Leuchtturmprojekten in den Bereichen Bildung, Kultur und Strukturentwicklung Handlungskonzepte erarbeitet worden, mit denen nun auf breiter Basis gearbeitet werden kann“ sagte Oberbürgermeister Bertram Hilgen. In diesem Jahr werde die Stadt dafür insgesamt 750 000 Euro einsetzen. „Allein für den Science Park sind bei geschätzten Gesamtkosten von 20 Millionen Euro im städtischen Haushalt für die Jahre 2008 bis 2010 insgesamt 6,5 Millionen Euro vorgesehen.“
Planungen für den demografischen Wandel - warum?
Warum sind Planungen nötig, um sich bereits heute auf den demografischen Wandel, die langfristige Veränderung der Bevölkerungsstruktur, einzustellen? Schon jetzt ist sicher, dass auch in Kassel in Zukunft mehr alte und weniger jüngere Menschen leben werden, dass sich die Einwohnerzahl bis 2025 um rund drei Prozent verringert haben und es neben den Kasselern, Kasselanern und Kasselänern eine größere Zahl von zugewanderten Einwohnerinnen und Einwohnern geben wird. All das hat Auswirkungen auf das Zusammenleben der Menschen, auf Planungen beispielsweise für Kindergärten, Schulen und Einrichtungen für alte Menschen. „Fast jeder Lebensbereich wird von den Auswirkungen des demografischen Wandels betroffen sein. Es gilt daher, frühzeitig aktiv zu werden und sich für die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte handlungsfähig zu machen“, betonte OB Hilgen. Bereits jetzt wird vielerorts die Zahl der Schulen der kleineren Zahl von Kindern im schulpflichtigen Alter angepasst. Und wenn in zehn Jahren aus den Kindern Jugendliche geworden sind, wird unter diesen veränderten Bedingungen ein Nachwuchsmangel an Auszubildenden auftreten. Der bereits vorhandenen Fachkräftemangel wird noch spürbarer werden. Gleichzeitig steigt die Notwendigkeit, die pflegerische Versorgung im hohen Alter zu gewährleisten.
Im Jahr 2005 hat die Stadt Kassel damit begonnen, sich gezielt und systematisch mit den Fakten und Konsequenzen des demografischen Wandels auseinanderzusetzen. Unterstützt wurde sie dabei in der Anfangsphase durch das Deutsche Institut für Urbanistik in Berlin. Auf dieser Grundlage wurden in einem ersten Schritt zentrale Ziele formuliert, in die Kassel bis zum Jahre 2025 entwickelt werden soll. „Ohne Ziele und Visionen bleiben Maßnahmen nur Puzzleteile ohne passgenaue Verbindung“, so OB Hilgen.
Die zentralen Ziele
Die Wirtschaftskraft Kassels wird weiter ausgebaut. Zusätzliche Flächen für die Ansiedlung zukunftsfähiger Unternehmen werden ausgewiesen, damit immer mehr Menschen in und um Kassel Arbeit finden, die Absolventen der Universität nicht in andere Städte abwandern und zudem qualifizierte Fachkräfte zusätzlich nach Kassel kommen. Damit für Kasseler Unternehmen der zu erwartende Fachkräftemangel nicht noch gravierender wird, gilt es gemeinsam mit der Bildungsträgern und der Wirtschaft eine Qualifizierungsoffensive zu starten.
Bildung und Ausbildung sind die zentralen Themen für die Zukunft. Eltern, Kindergärten, Schulen, Ehrenamtliche, Ausbildungsträger und Betriebe müssen vor Ort in den Stadtteilen enger zusammenarbeiten, damit es unter dem Motto „Keiner geht verloren“ weniger Kinder und Jugendliche ohne Schulabschluss oder Berufsausbildung gibt. Dazu gehört ganz besonders, dass alle Kinder bereits zu Schulbeginn die deutsche Sprache beherrschen.
„Kinder sind die Zukunft und ohne Kinder gibt es keine Zukunft.“ Die Stadt Kassel unternimmt große Anstrengungen, um für Eltern und Kinder noch attraktiver zu werden. Ob Väter oder Mütter zum Arbeiten nach Kassel kommen, hängt auch davon ab, wie attraktiv die Stadt für die Söhne und Töchter ist. Deswegen sollen Kinder und Jugendliche in Kassel aktiv und erlebnisorientiert die Kasseler Geschichte und Kultur in den unterschiedlichsten Museen kennen lernen: Kulturelle Bildung als attraktive Alternative zu den virtuellen Welten per Playstation oder Videospiel.
Zwar noch zögerlich aber immer deutlicher ist ein Trend zurück in die Stadt zu beobachten. Die Versorgung mit Gütern für den täglichen Bedarf und die Mobilität sind in der Stadt einfacher zu gestalten als auf dem flachen Land. Deswegen kümmert sich die Stadt Kassel verstärkt um den Ausbau des Wohnungsangebotes für alle Generationen und Lebensformen, nicht nur in den Stadtteilen sondern, insbesondere auch in der Innenstadt.
Fünf Leuchtturmprojekte und eine Zukunftsvereinbarung
In zwei Zukunftskonferenzen in den Jahren 2006 und 2007, an denen Vertreter der Kirchen, der Wirtschaft, von Unternehmen und Verbänden, der Universität sowie gesellschaftliche Interessengruppen beteiligt waren, wurden zur Umsetzung dieser Ziele fünf so genannte „Leuchtturmprojekte“ ins Leben gerufen: OB Hilgen: „Insgesamt ist damit die Stadt Kassel ein bundesweit anerkanntes gutes Beispiel für die Einbeziehung gesellschaftlicher Akteure bei der Planung von Zielen und Maßnahmen zur Bewältigung des demografischen Wandels.“
Die fünf Leuchtturmprojekte sind ein „Science Park“ als wissensbasiertes Gewerbegebiet, die Verbesserung der Sprachförderung im Vorschulalter, die Bildungsregion Waldau, Museumsgestaltung und -pädagogik sowie Wohnen und Wohnumfeld in der Innenstadt. Bei der Verwirklichung dieser Projekte wird die Stadt Kassel von fachlich kompetenten Personen aus der Stadtöffentlichkeit unterstützt.
Zudem unterzeichneten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der zweiten Zukunftskonferenz im September 2007 eine Zukunftsvereinbarung, in der sie erklärten, die Stadt Kassel tatkräftig auf dem weiteren Weg zu unterstützen.
Der Beschluss über den weiteren Weg
Die Stadtverordnetenversammlung hat im März 2008 den vereinbarten Zielen und Leuchtturmprojekten zugestimmt und dem Magistrat und der Stadtverwaltung den Auftrag gegeben, die formulierten Ziele weiter zu konkretisieren.
Die AG Zukunft
Eine Arbeitsgruppe Zukunft, die sich aus Mitarbeitern der Stadtverwaltung zusammensetzt und der auch der Leiter des Arbeitskreises Demografie im Landkreis angehört, erarbeitet jetzt zusätzlich zu den Leuchtturmprojekten weitere konkrete Maßnahmen. Für diese Maßnahmen werden Zeiträume und Finanzierungsmöglichkeiten für die Umsetzung benannt sowie Kennzahlen, mit deren Hilfe die Wirksamkeit überprüft werden kann. Anfang September 2008 werden die Arbeitsergebnisse mit den Fraktionen diskutiert und anschließend Ende November erneut in einer öffentlichen Veranstaltung den Teilnehmern der ersten und zweiten Zukunftskonferenz vorgestellt.
„Mit diesem differenzierten Maßnahmenkatalog entsteht etwas ganz Neues, nämlich erstmalig ein Konzept für die Entwicklung der Stadt Kassel in den nächsten zwanzig Jahren, das über einzelne Legislaturperioden hinausgeht. Und mit dem besonderen ämter- und dezernatsübergreifenden Verfahren bei der Erarbeitung dieses Konzepts, einem für klassische Verwaltungen unüblichen Vorgehen, entwickelt die Stadtverwaltung gleichzeitig ihre Zukunftsfähigkeit für weitere Herausforderungen dieser Art“ erklärte OB Hilgen abschließend.
Weitere Informationen, insbesondere zu den fünf Leuchtturmprojekten, unter :www.demografie-kassel.de.
(7398 Zeichen)
Stadt Kassel
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Rathaus / Obere Königsstraße 8
34112 Kassel
Telefon: 0561 / 787-1231 oder 0561 / 787-1232
Telefax: 0561 / 787-87
E-Mail: presse@stadt-kassel.de
Pressesprecher Hans-Jürgen Schweinsberg
Pressesprecherin Petra Bohnenkamp
Kassel und die Region im Internet:www.kassel.de
Die Stadtverwaltung im Internet: www.stadt-kassel.de
Die Pressestelle documenta-Stadt Kassel ist Mitglied bei www.presse-service.de. Dort können Sie Mitteilungen weiterer Pressestellen recherchieren und per E-Mail abonnieren.