27. August 2008
Kreis Viersen
Nach der letzten amtlichen Pflegestatistik des statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2005 sind im Kreis Viersen fast 8.000 Personen pflegebedürftig. Davon werden etwa 5.600 in Privathaushalten und 2.300 in stationären Einrichtungen gepflegt. Mehr als 10.000 Menschen sind außerdem auf hauswirtschaftliche Hilfe angewiesen, knapp 4.000 Menschen leiden unter einer mittleren bis schweren Demenz. "Mittelfristig - bis zum Jahr 2015 - wird die Zahl der Pflegebedürftigen um etwa 2.230 Menschen steigen, langfristig werden es sogar 5.000 Pflegebedürftige mehr als noch im Jahr 2005 sein", sagt Dr. Dietrich Engels, Institutsleiter des Otto-Blume-Instituts für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik. Den Prognosen nach wird die Zahl der Demenzkranken noch stärker steigen, so dass im Jahr 2025 noch einmal 73 Prozent (rund 7.000) mehr Menschen an Demenz erkrankt sein werden.
"Rund 2.300 Pflegebedürftige werden derzeit in vollstationären Einrichtungen betreut", berichtet Frank Olislagers, Leiter des Sozialamtes. Der Bedarf an vollstationärer Pflege wird geringer steigen, wenn Angebote wie ambulante Pflegewohngruppen oder Betreutes Wohnen auch für Schwerpflegebedürftige weiter ausgebaut werden. Die Vertreter der kreisangehörigen Städte und Gemeinden haben bereits gemeinsam mit dem Kreis Viersen begonnen, alternative Wohnformen zum Pflegeheim auszubauen und zu unterstützen. Weil die Pflege für ältere Menschen in den nächsten Jahren eine immer größere Rolle spielen wird, ist auch ein weiterer Ausbau der derzeit 51 Tagespflegeplätze unbedingt erforderlich. "Das gilt auch für die Kurzzeitpflegeplätze. 90 Plätze in 16 Einrichtungen werden auf Dauer nicht reichen, zusätzliche Plätze müssen langfristig geschaffen werden", berichtet Mathilde Holtmanns.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung wurde das Angebot im Kreis Viersen differenziert bewertet. "In vielen Bereichen wurde dabei eine Ausweitung des bestehenden Angebotes empfohlen", berichtet Mathilde Holtmanns von der Geschäftsstelle der Pflegekonferenz im Kreis Viersen. So sollten bei der Altenhilfe- und Pflegeberatung im Kreis Viersen mindestens zwei bis drei zusätzliche Vollzeitkräfte angestellt werden. Auch für die Angehörigen von Demenzkranken werden in Zukunft weitere Angebote erforderlich sein, um die Angehörigen zu entlasten. "Das ehrenamtliche Engagement und die Selbstorganisationen, die von kleinen Selbsthilfegruppen bis zu größeren Seniorenorganisationen reichen, muss umfassend unterstützt werden", fordert Olislagers.
Ausgeweitet werden sollte nach Ansicht von Dr. Dietrich Engels die stationäre Hospizbetreuung. Zwei bis drei weitere stationäre Hospize sind sinnvoll. Bisher ist die Hospizarbeit meist in ambulanter Form angeboten worden, während für die stationäre Hospizbetreuung nur zehn Plätze zur Verfügung standen.
Ein wichtiges Thema im Hinblick auf den Demografischen Wandel sei der Bedarf an barrierefreien Altenwohnungen und der Bereich Wohnen mit Service: "Hier muss vor allem für die Gruppe einkommensschwacher Menschen ein hinreichendes Wohnangebot zur Verfügung gestellt werden", so Frank Olislagers, denn die Zahl der Menschen, die auf Grundsicherung im Alter angewiesen seien, steige ständig an.
Als ausreichend wurde von den befragten Experten die klinische Versorgung mit derzeit sieben Krankenhäusern in den Städten Viersen, Willich, Tönisvorst, Kempen und Nettetal angesehen. "Es fehlen aber Angebote der geriatrischen Rehabilitation und der gerontopsychiatrischen Versorgung", so Dr. Dietrich Engels. Die Einrichtung eines "Palliativ-Teams" für unheilbar Kranke und Sterbende, wie es das Städtische Krankenhaus in Nettetal anbiete, sei für alle Kliniken langfristig zu empfehlen. Außerdem sollte jede Klinik über einen Krankenhaussozialdienst verfügen. "Zur Zeit arbeiten in sechs der sieben Kliniken elf Mitarbeiter im Krankenhaussozialdienst", berichtet der Leiter des Sozialamtes.
Als hoch wird die Versorgung mit ambulanten Pflegediensten eingeschätzt. Weniger gut ist die Versorgung mit Pflegeergänzenden beziehungsweise "komplementären" Diensten. Das Angebot an niederschwelligen haushaltsnahen Dienstleistungen, die auch von einkommensschwachen Älteren mit Hilfebedarf in Anspruch genommen werden können, ist noch unzureichend ausgebaut.
Die Pflegekonferenz für den Kreis Viersen hat die Umsetzung der Handlungsempfehlungen des Gutachtens empfohlen.
Zahlen, Daten, Fakten
fast 8.000 Menschen im Kreis Viersen sind pflegebedürftig, 5.600 werden in Privathaushalten, 2.300 in stationären Einrichtungen gepflegt
10.600 Menschen erhalten hauswirtschaftliche Hilfe
knapp 4.000 Menschen leiden an Demenz
in 24 Heimen leben rund 2.300 Menschen
38 ambulante Pflegedienste gewähren eine wohnortnahe Versorgung
25 Pflegeergänzende Dienste mit 14 Mahlzeitangeboten, vier Fahrdiensten, sieben Mobilen Diensten ergänzen das Angebot
90 Kurzzeitpflegeplätze gibt es in 16 Einrichtungen
431 Altenwohnungen sind auf die Bedürfnisse von Senioren zugeschnitten
454 Wohnungen bieten Wohnen mit Service
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Kreis Viersen - Der Landrat
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