„Wieviel ist ein Kanal wert?“
24.09.2008 | Herten
Stadt bewertet Vermögen - Eröffnungsbilanz wird eingebracht
Welche Vermögenswerte stecken hinter einem Abwasserkanal oder einer Straße, einer ganzen Schule oder einem einzelnen Sportgerät, einer Grünfläche oder einem Spielplatz? Mit diesen Fragen haben sich Mitarbeiter aus fast allen Bereichen der Hertener Verwaltung in den vergangenen drei Jahren beschäftigt und „Inventur gemacht“. In einer Bilanz wurden diese Werte jetzt erfasst und gegenüber gestellt.
„Wir mussten diesen Kraftakt auf uns nehmen, weil wir – wie alle Kommunen in NRW – verpflichtet wurden, unsere Buchführung umzustellen“, erklärt Stadtkämmerer Cay Süberkrüb. „Im Rahmen des Neuen Kommunalen Finanzmanagements (NKF) rechnet die Stadt Herten seit dem 1. Januar diesen Jahres wie ein Wirtschaftsunternehmen: Erträge und Aufwendungen werden in einer jährlichen Ergebnisrechnung gegenübergestellt und fließen in die Bilanz ein.“ Um diese Umstellung zu vollziehen, mussten Mitarbeiter geschult, Projektgruppen aufgestellt und eine neue Software eingeführt werden. „Ein langer, manchmal auch steiniger Weg“, resümiert Hermann Pieper, Leiter des Fachbereichs Finanzen – aber: „Am Ende hat doch alles ganz reibungslos geklappt.“
Was bislang noch fehlte, war eine Eröffnungsbilanz. „Eine solche Bilanz neu zu erstellen, ist ein hochkomplexes Verfahren“, so Süberkrüb und Pieper weiter. Deshalb wurde eine unabhängige Wirtschaftprüfungsgesellschaft hinzugezogen, die den kompletten Prozess begleitete und am Ende ihre abschließende Zustimmung geben muss. Zunächst aber muss die Eröffnungsbilanz in den Rat eingebracht werden.
Rund 588,3 Millionen Euro an „Aktiva“, also Vermögenswerten, weist die Eröffnungsbilanz aus. Dabei werden ganz konkrete „Sachwerte“ wie städtische Grundstücke oder Straßen ebenso aufgelistet wie Finanzanlagen, Beteiligungen oder noch ausstehende Steuerforderungen. Auf der „Passiva“-Seite finden sich in erster Linie Posten wie Kredite, Rückstellungen für Gebäudeinstandhaltung oder Eigenkapital wieder. Letzteres beträgt in Herten rund 100 Millionen Euro und wird voraussichtlich von Jahr zu Jahr weiter aufgebraucht.
„Herten steckt in einer ausgewachsenen Finanzkrise – und das schon seit vielen Jahren“, macht Süberkrüb unmissverständlich deutlich. „Das neue Buchführungssystem erlaubt es uns endlich, diese Zahlen transparenter und auch für Laien verständlich zu machen.“ Und er fügt an: „Eines ist klar: Wir brauchen eine gerechtere Gemeindefinanzierung, damit Herten seine hohen Ausgaben vor allem im Sozial- und Bildungsbereich ausgleichen kann. Es kann nicht sein, dass Bund und Land uns immer mehr Aufgaben übertragen und uns finanziell im Regen stehen lassen.“
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