Bocholt, 22. Oktober 2008
„Wie aus Wolken Spiegeleier werden“
30. Oktober bis 5. November in Bocholt: Woche zum Thema „Demenz“
Bocholt (pd).
Vom 30. Oktober bis zum 5. November wird im Foyer des Bocholter Rathauses am Berliner Platz 1 die Ausstellung „Wie aus Wolken Spiegeleier werden“ gezeigt. Sie bildet den Rahmen einer Themenwoche über die Krankheit „Demenz“. Veranstalter ist das Seniorenbüro Bocholt.
Die Ausstellung zeigt Bilder des Grafikers Carolus Horn (1921-1992), einem Werbegrafiker, der durch Slogans wie „Nur fliegen ist schöner“ (Opel) oder „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ (DB) bekannt wurde. Horn erkrankte in seinen späten Jahren an Alzheimer.
In seinen Bildern wird augenscheinlich, wie sich die Wahrnehmung und die Ausdrucksweisen im Krankheitsverlauf änderten. Beispielsweise verloren die Formen der Motive an Schärfe – daher auch der ungewöhnliche Titel der Ausstellung. Der Betrachter soll auf diese Weise für die Erfahrungswelt von Demenzerkrankten sensibilisiert werden. Die Ausstellung wird am Donnerstag, 30. Oktober, um 18 Uhr durch die stellvertretende Bürgermeisterin Christel Feldhaar im Foyer des Rathauses eröffnet. Die Bilder sind bis zum 5. November während der allgemeinen Öffnungszeiten der Verwaltung zu sehen.
Neben der Ausstellung finden weitere Veranstaltungen zum Thema „Demenz“ statt.
Ebenfalls am Donnerstag, 30. Oktober, beginnt - im Anschluss an die Ausstellungseröffnung - um 18.30 Uhr im Ratssaal ein Vortrag mit dem Titel „Das Herz wird nicht dement“. Dr. phil. Dipl. Udo Baer von der Zukunftswerkstatt „therapie kreativ“ aus Neukirchen-Vlyn trägt vor. Demenz ist mehr als Vergesslichkeit, Demenz betrifft auch das Herz, bringt Gefühle der Erkrankten und der Angehörigen und Pflegenden durcheinander. Baer erläutert aufgrund wissenschaftlicher Untersuchungen, wie sich die Innenwelten der Menschen mit Demenz verändern und welche Schlussfolgerungen sich daraus für den Umgang mit ihnen ergeben. Ein Angebot für Angehörige und professionell Helfende.
Danach, ca. gegen 20.15 Uhr, beginnt in lockerer Runde ein Benefizkonzert im Rathausfoyer. Es spielt die Bigband „Swing & more“. Der Eintritt ist frei, um Spenden für Bocholter Demenzinitiativen wird jedoch gebeten.
Am Montag, 3. November, findet von 17-20 Uhr ein „Markt der Möglichkeiten“ im Rathaus statt. Es stellen sich Bocholter Organisationen und Initiativen vor, die Angebote für Demenzerkrankte und Angehörige entwickelt haben. Vorgestellt werden Tagesbetreuungsangebote, Entlastungsangebote für pflegende Angehörige, Betreuungsvereine usw.. Ab 18 Uhr startet im Ratssaal dann der Vortrag „Leistungsverbesserungen durch die Pflegereform“. Jürgen Harbring, Fachbereichsleiter Pflege bei der AOK Westfalen-Lippe, berichtet über Änderungen, die sich für Demenzerkrankte durch die Reform der Pflegeversicherung ergeben haben.
Am Dienstag, 4. November, findet im Rathaus, Raum „Aurillac“, ein kreativ-therapeutisches Seminar für Angehörige und professionell Helfende statt. Thema: „Mit ganzem Herzen – lebendiger Kontakt mit Menschen mit Demenz“. Vanillepudding, Rosenduft, Tangotanzen, eine Zugfahrt mit Onkel Willi, mein alter Hut… Erinnerungen sind vielfältig und vielschichtig, und alle Sinne sind daran beteiligt. Kriegstrauma, Ängste, „Ich will nach Hause“ sowie ein verändertes Zeiterleben – Gefühle und Erlebnisse brauchen ihren Platz. Durch Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken, Fotos, Geschichten, Lieder, Bilder, Musik, Eindrücke und Gespräche wieder Erinnerungen wecken und damit Orientierung geben, Lebendigkeit fördern – denn das Herz wird nicht dement. Welche Techniken es gibt, zeigt Sylvia Wilting-Jauns, kreative Fachtherapeutin der Gerontopsychatrie. Die Teilnahmegebühr beträgt 15 Euro, Anmeldungen erbeten unter 02871/953520.
Am Mittwoch, 5. November, wird im Kinodrom Bocholt (Meckenemstraße 8) ein außergewöhnlicher Film über Demenz gezeigt. Der Film „An ihrer Seite“ beginnt um 20.30 Uhr. Der Eintritt beträgt 5 Euro. Der kanadischen Schauspielerin Sarah Polley ist mit ihrem Regiedebüt ein ergreifender und gefühlvoll erzählter Liebesfilm gelungen, der von zwei Menschen handelt, die ein ganzes Leben geteilt haben und nun mit der Notwendigkeit des Loslassens konfrontiert werden. Seit 44 Jahren sind Fiona und Grant verheiratet. Bis Fiona immer stärker unter Gedächtnisverlust leidet und Alzheimer diagnostiziert wird. Schon bald darauf beschließt sie, sich selbst in ein Pflegeheim einzuweisen. Eine Aufnahmebedingung des Heims sieht vor, dass in den ersten 30 Tagen des Aufenthalts kein Angehöriger die Patienten besuchen darf, damit diese sich ungestört einleben können. Als Grant seine Frau danach erstmals wieder sieht, stellet er fest, dass ihre Zuneigung jetzt Aubrey, einem anderen Heimbewohner, gehört. Ihn erkennt sie nicht wieder. Grant muss lernen, mit diesem Verlust zu leben und das Glück der kranken Partnerin über seine eigenen Ansprüche zu stellen.
Fragen zur Themenwoche „Demenz“ beantwortet Jutta Ehlting, Seniorenbeauftragte der Stadt Bocholt, unter Tel. 02871/953520 oder E-Mail jehlting@mail.bocholt.de .