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Stellungnahme des Gleichstellungsausschusses zum 'Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen' am 25. November

01. Dezember 2008

Der Gleichstellungsausschuss des Landkreises Leer hat folgende Stellungnahme des Gleichstellungsausschusses zum „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ am 25.11.2008 beschlossen:

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen Gegen Gewalt an Frauen – Präventionsmaßnahmen erhalten und ausbauen – Zivilcourage und bürgerschaftliches Engagement stärken!

Am 25. November 1960 wurden die drei Schwestern Patria, Minerva und Maria Teresa Mirabal vom militärischen Geheimdienst der Dominikanischen Republik als Oppositionelle, gegen den Diktator Trujillo, nach monatelanger Folter, ermordet. Weltweit gedenken Frauenorganisationen seit 1981 (erstes Treffen lateinamerikani-scher und karibischer Feministinnen) ihrer an diesem Tag und nutzen ihn zugleich als Zeichen, ihre Anliegen in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen:

Die Ermöglichung als Frau in Würde und ohne Gewalt zu leben.

Das Ziel, ein Leben als Frau in Würde und ohne Gewalt, ist in der Bundesrepublik Deutschland und auch im Landkreis Leer noch lange nicht erreicht. Dafür sind wei-terhin vielfältige Anstrengungen auf allen Ebenen notwendig. Die Zahlen aus 2007 (Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Studie: „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutsch-land) sprechen eine deutliche Sprache:

Mindestens jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren, die in einer Partnerschaft lebt oder gelebt hat, hat körperliche (23 Prozent) oder – zum Teil zusätzlich – sexuelle (7 Prozent) Übergriffe durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner mindestens ein- oder auch mehrmals erlebt. [...] Bei den körperlichen Übergriffen handelt es sich um ein breites Spektrum unterschiedlich schwerwiegender Gewalthandlungen. Die Übergriffe reichen von wütenden Wegschubsen und Ohrfeigen bis hin zum Schlagen mit Gegenständen, Verprügeln und Gewaltanwendungen mit Waffen. Die Angaben zu sexuellen Übergriffen beziehen sich hingegen auf eine enge Definition erzwungener sexueller Handlungen, d. h. Vergewaltigung und sexuelle Nötigung.

Frauen sind demnach von häuslicher Gewalt mehr bedroht als durch andere Gewaltdelikte wie Körperverletzung mit Waffen, Wohnungseinbruch oder Raub. Zu den Risikofaktoren gehören neben Trennung oder Trennungsabsicht auch Gewalterfahrungen in der Kindheit und Jugend. Bildung, Einkommen oder Schichtzugehörigkeit sind demgegenüber nicht entscheidend für die Ausübung bzw. Betroffenheit von Gewalt in Paarbeziehungen.

Gewalt meint: Handlungen, Verhaltensweisen und Unterlassungen, deren Ziel Macht und Kontrolle über das Leben, Verhalten, Handeln und Denken eines anderen Menschen sind. Kaum eine Frau erlebt ausschließlich körperliche oder sexualisierte Gewalt. Willkür, Drohungen, Demütigungen, Verbote, Ausbeutung und Erpressungen ebenso wie Momente der Freundlichkeit, Zugewandtheit und Aufmerksamkeit sind familiärer und partnerschaftlicher Alltag. Diese widersprüchlichen und kaum beeinflussbaren Verhaltensweisen zermürben das Selbstvertrauen und das Gefühl der Betroffenen in einer sicheren und kontrollierbaren Situation zu leben. Gewalt wird körperlich, sexualisiert, psychisch, ökonomisch und sozial ausgeübt. Im familiären Bereich sind Kinder als Zeugen, Druckmittel oder Opfer mit betroffen.

Der 25. November kann Anlass sein, mehr Öffentlichkeit gegen Gewalt an Frauen zu schaffen, mehr Menschen gemeinsam zu erreichen, Betroffenen ein Zeichen zu setzen – es kann aber niemals genug sein!

Der Landkreis Leer ist gegen Gewalt – tätig. Im Landkreis Leer gibt es vielfältige Hilfs-, Beratungs- und Präventionsangebote für alle, insbesondere Frauen, die Ge-walt erfahren und von Gewalt bedroht sind. Das Frauenhaus in Leer, die BISS (Beratungs- und Interventionsstelle gegen Gewalt), die Präventionsfachkräfte in den Kommunen – NIKO (Nieders. Kooperations- und Bildungsprojekt), die Selbstbehauptungstrainerinnen an den kreiseigenen Schulen und das Selbstbehauptungstraining für Frauen über 60 („60 plus“).

Im Landkreis Leer gibt es mit Unterstützung des Landkreises und der Stadt Leer den Kinderschutzbund Leer, der vielfältige Hilfen für Familien mit Kindern anbietet und dessen Vorstand ehrenamtlich ist. In der Stadt Leer, der Gemeinde Moormerland und in Westoverledingen gibt es aktive Präventionsräte, das Netzwerk Rheiderland bietet vielfältige Projekte gegen Gewalt an („Sport gegen Gewalt“). Die vielfältigen Aktivitäten der Vereine und Verbände im Landkreis Leer initiieren und unterstützen viele Gewaltpräventionsprojekte und sind aus dem gesellschaftlichen Leben mit ihrem bürgerschaftlichen Engagement unverzichtbar.

Der Gleichstellungsausschuss im Landkreis Leer spricht sich dafür aus, die bestehenden Einrichtungen zu erhalten und zu unterstützen und insbesondere die Präventionsmaßnahmen für junge Menschen auszubauen, um Gewalt vorzubeugen und Kinder frühzeitig stark zu machen.

Die Mitglieder des Gleichstellungsausschusses unterstützen die Anstrengungen der Bundesregierung und des Landes Niedersachsen, sowie die Maßnahmen im Landkreis Leer, die durch Projekte und Initiativen der Gewalt entgegentreten und Hilfen für die Menschen anbieten. Der Ausschuss setzt sich zum Ziel, das bürgerschaftliche Engagement weiterhin zu stärken, damit der Gewalt gegen Frauen, Männern und Kindern ein Ende gesetzt wird. Er fordert die Bürger und Bürgerinnen im Landkreis Leer auf, Zivilcourage zu zeigen und jede Art von Gewalt öffentlich zu machen und die Opfer nicht allein zu lassen, sondern zu unterstützen und die Hilfe- und Unterstützungsangebote zu nutzen.

Der Gleichstellungsausschuss dankt allen Bürgern und Bürgerinnen, die vor allem ehrenamtlich und engagiert in diesem Bereich tätig sind und Prävention gegen Ge-walt in vielfältiger Form betreiben.

Der Gleichstellungsausschuss appelliert an alle – Augen, Ohren und Mund aufzumachen, also hinzusehen, hinzuhören und Hilfe zu holen und anzubieten. Jede/jeder ist aufgefordert gegen Gewalt tätig zu werden!

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