Als enttäuschend und völlig unbefriedigend bezeichnete Landrat Bernhard Bramlage das Ergebnis eines Gesprächs mit Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann am vergangenen Mittwoch in Hannover. Dabei ging es um bessere schulische Angebote bei den weiterführenden Schulen auf Borkum. An dem Gespräch hatten neben dem Schulleiter der Borkumer Haupt- und Realschule, Johannes Akkermann, auch Sabine Schäfer, Heike Springer und Brigitte Müller vom Schulelternrat der Grundschule Borkum teilgenommen.
Der Schulausschuss des Landkreises hatte am 9. Dezember Landrat Bramlage gebeten, mit der Kultusministerin über die Möglichkeiten einer Verbesserung des schulischen Angebots bei den weiterführenden Schulen auf Borkum zu sprechen und sie zu einem offiziellen Besuch des Landkreises einzuladen. Schon bei der Abschaffung der Orientierungsstufe im Jahre 2004 hatte der Landkreis Leer als Schulträger mit Unterstützung der Borkumer Eltern ein einzügiges Gymnasium beantragt, um den Kindern eine Schullaufbahn bis zum Abitur auf der Insel zu ermöglichen und sie nicht zum Internatsbesuch auf dem Festland zu zwingen. Sowohl diesen Antrag als auch den gegen die Ablehnung eingelegten Widerspruch wies das Land zurück.
Im Landtagswahlkampf hatte sich der CDU-Kreistagsabgeordnete Dieter Baumann dann nochmals für das Abitur auf Borkum ausgesprochen, um die Benachteiligung der Borkumer Kinder zu beenden. Auch dieser Appell blieb ohne Resonanz.
Landkreis, Schule und Eltern hatten immer wieder auf die besondere Borkumer Situation hingewiesen, die schon in der Vergangenheit immer eine „lex borkum“, eine Sonderregelung für die Insel, erforderlich gemacht habe, mit der man aber immer gut gefahren sei. Starre Anforderungen hinsichtlich einer Mindestzügigkeit seien auf Borkum und auch auf den anderen Inseln eben nicht umzusetzen.
Eine Elternumfrage am Kindergarten und an der Grundschule Borkum hatte jetzt eine 90-prozentige Zustimmung der Eltern zur Errichtung einer Integrierten Gesamtschule (IGS) auf Borkum ergeben. Auch bei der jüngsten Umfrage des Landkreises hatten sich 86 Prozent der Eltern für eine IGS ausgesprochen.
Die Kultusministerin stellte aber schon zu Beginn des Gesprächs am letzten Mittwoch klar, dass sie die Genehmigung einer IGS nicht in Aussicht stellen könne, weil die gesetzliche Voraussetzung, nämlich eine Fünfzügigkeit, nicht gegeben sei. Weder der eindeutige Elternwille noch der Hinweis der Eltern, dass auf Norderney eine Kooperative Gesamtschule (KGS) und auf Wangerooge ein Gymnasium genehmigt worden seien, änderten etwas an der Position der Ministerin und der anwesenden Vertreter des Kultusministeriums. Das galt auch für den Hinweis des Landrats, dass ein Beharren auf der Mindestgröße einer IGS auf einer Insel nicht sachgerecht sei. Die Existenz des Inselgymnasiums auf Wangerooge und der KGS auf Norderney rechtfertigte die Ministerin mit dem „Bestandsschutz“ für beide Schulen.
Die Vertreter des Kultusministeriums boten unter Beibehaltung der jetzigen Schulformen lediglich den „Deal“ an, dass dem Schulzentrum zusätzliche Förderstunden genehmigt werden könnten. Eine Zusage der von Schulleiter Akkermann errechneten Stunden gab es jedoch nicht. Dazu wurde auf die Notwendigkeit weiterer Gespräche mit der Schulleitung verwiesen.
Landrat Bramlage zeigte sich vor allem angesichts des eindeutigen Elternwillens, der mehrmonatigen Wartezeit auf diesen Termin („Das habe ich so noch nicht erlebt.“) und dem Beharren des Ministeriums auf einer den Besonderheiten der Insel nicht gerecht werdenden gesetzlichen Regelung enttäuscht vom Ergebnis des Gesprächs. Er lud die Ministerin zu einem Besuch in den Landkreis Leer ein. Eine Zusage gab es aber noch nicht.
Der Schulausschuss des Landkreises wird sich in der nächsten Sitzung erneut mit der Schulsituation auf Borkum befassen.
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