„Wirtschaftskooperation mit Harbin nimmt Gestalt an“
Beigeordneter Nitsche zu seiner Wirtschaftsreise nach China
Im Rahmen des deutsch-chinesischen Gemeinschaftsprojektes „Business Mission to China 2009“ weilte vom 13. bis 19. Juni eine Delegation aus der Landeshauptstadt Magdeburg in der chinesischen Partnerstadt Harbin. Die Delegation wurde geleitet von Magdeburgs Beigeordnetem für Wirtschaft, Tourismus und regionale Zusammenarbeit, Rainer Nitsche. Ihr gehörten außerdem Helmut Herdt, Sprecher der Geschäftsführung der SWM, Karl-Heinz Ehrhardt, Geschäftsführer der Magdeburger Hafen GmbH und Krzystof Blau von der IHK an.
Mit der nördlichsten Boomregion Chinas - der 9-Millionen-Metropole Harbin – verbindet Magdeburg seit einem Jahr eine Städtepartnerschaft. Anlass des diesjährigen Besuches war die 20. Harbiner Handelsmesse (20. Fair for International Trade & Economic Cooperation), die sich in den 19 Jahren ihres Bestehens zu einer attraktiven Leistungsschau für in- wie ausländische Unternehmen entwickelt hat. Auch in diesem Jahr waren Delegationen aus mehr als 60 Ländern auf der Messe präsent, die Geschäftsabschlüsse und Kooperationsvereinbarungen im Gesamtwert von umgerechnet rund 2 Milliarden Euro schlossen.
Vor diesem Hintergrund war der Delegation aus Magdeburg vor allem daran gelegen, die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts als modernen und innovativen Wirtschafts- und Investitionsstandort vorzustellen und den Rahmen für zukünftige Geschäftsanbahnungen und Kooperationsbeziehungen zwischen den Unternehmen beider Städte und Regionen zu prüfen und vorzubereiten. Dies gelang v. a. im Rahmen eines Kongresses am Rande der Messe, auf dem die Mitglieder der Delegation zu speziellen Themen Vorträge anboten und durch einen Empfang, den die Landeshauptstadt für hochkarätige Gäste aus Wirtschaft und Stadtpolitik gegeben hat.
Die Delegation unter der Leitung des Wirtschaftsbeigeordneten Rainer Nitsche konzentrierte sich darüber hinaus auf Treffen und Gespräche mit Verantwortlichen für Wirtschaftsförderung und Kooperation bei der Stadtverwaltung Harbin. So wurden mit dem Vize-Bürgermeister für Wirtschaftsförderung, Herrn Zhang Shaoliang, und dem ihm unterstellten Amt konkrete Absprachen über weitere Vorhaben getroffen. „Im ersten Schritt planen wir eine Unternehmerwoche in Harbin im Mai nächsten Jahres, an der Unternehmen aus den Regionen Magdeburg und Harbin zusammentreffen werden“, kündigt Rainer Nitsche an. „Wir wollen die teilnehmenden Unternehmen gezielt nach ihren unternehmerischen Interessen, Stärken und Kooperationswünschen von beiden Seiten auswählen.“
Die ersten Kontakte sollen während eines Gegenbesuches in Magdeburg intensiviert und gefestigt werden. Gemeinsames Ziel, so die Verantwortlichen auf beiden Seiten, soll es sein, langfristige, solide und für die Unternehmensentwicklung auf beiden Seiten nachhaltige Geschäftsbeziehungen zu initiieren und zu entwickeln.
Nach Auskunft vom Vize-Oberbürgermeister Zhang verzeichnet Harbin seit sechs Jahren Wachstumszahlen im zweistelligen Bereich. 2008 lag die Rate bei 13% und erreichte umgerechnet 28 Mrd. Euro. Die starke Ausrichtung der Unternehmenstätigkeit in und um Harbin auf den chinesischen Binnenmarkt hat bisher wenig von den Auswirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise in der Region spüren lassen. Besonderes Augenmerk legt die Stadt auf die Modernisierung und Restrukturierung des traditionell stark vertretenen Maschinenbaus, die Förderung der Zulieferindustrie für die Automobilwirtschaft, die Lebensmittelindustrie und Molkereiproduktion.
„Wichtige Anknüpfungspunkte für die Entwicklung effizienter und zukunftsorientierter Beziehungen zu Harbin bestehen vor allem im Erfahrungsaustausch über die Schaffung moderner Logistikzentren“, sieht Magdeburg Wirtschaftsbeigeordneter einen weiteren Schwerpunkt für künftige Zusammenarbeit. „Auch Harbin verfügt über einen Binnenhafen mit Meerzugang. Darüber hinaus gibt es bei der Erschließung und Anwendung erneuerbarer Energien, z.B. im kommunalen Wohnungsbau sowie im Umweltschutz Anknüpfungspunkte für künftige Kooperationen.“
SWM-Geschäftsführer Helmut Herdt und Hafen-Geschäftsführer Karl-Heinz Ehrhardt berichteten auf einem Deutschen Wirtschaftsforum anlässlich der Harbiner Messe konkret und zielorientiert über Magdeburger Erfahrungen bei der "Entwicklung erneuerbarer Energien" sowie bei der Nutzung von „Binnenhäfen als Hinterlanddienstleister für Seehäfen und Motor für die regionale Wirtschaftsentwicklung“. Mehr als 60 sach- und fachinteressierte Chinesen verfolgten die Ausführungen und nahmen direkt im Anschluss die Gespräche mit beiden Unternehmensvertretern auf, die noch vor Ort zu ersten Geschäftskontakten führten.
Auch in Harbin gibt es eine enge Verbindung von zukunftsorientierter Wirtschaft und moderner Wissenschaft und Technik. Die Technische Universität in Harbin gehört zu den Top Ten der chinesischen Hochschulen und hat sich wie die Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg auf ein breites Angebot von technischen und naturwissenschaftlichen Fachrichtungen und Studiendisziplinen spezialisiert. In einem ersten Gespräch mit dem Rektor der Universität, Herrn Professor Wang Shuguo, wurden neben dem Austausch von Studenten und Wissenschaftlern für die Zukunft auch gemeinsame Studiengänge mit gegenseitig anerkannten Abschlüssen angesprochen. Wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung beider Städte ist die schnelle und effiziente Übertragung von Ergebnissen aus Wissenschaft und Forschung in die Produktion. „Dafür wollen wir so genannte Inkubationszentren einrichten, die Forschern und Jungunternehmern aus beiden Städten zukünftig für den Erfahrungsaustausch zur Verfügung stehen“, nennt Rainer Nitsche ein weiteres Projekt, das die Partnerstädte in Angriff nehmen wollen.
Hintergrund
Am 2. Juli 2008 hatten Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper und der Bürgermeister von Harbin Zhang Xiaolian im Alten Rathaus zu Magdeburg die Partnerschaft beider Städte vertraglich besiegelt. Die chinesische Stadt Harbin ist – nach Sarajevo, Braunschweig, Nashville, Saporoshje und Radom – die sechste Stadt, mit der Magdeburg eine offizielle Städtepartnerschaft pflegt.
Bereits seit 2001 gibt es Kontakte zwischen Magdeburg und Harbin, wechselseitig haben Delegationen aus Harbin Deutschland und Magdeburg besucht bzw. Delegationen aus Sachsen-Anhalt und der Landeshauptstadt die Region Harbin in China. Ziel war und ist dabei v. a. der Aufbau wirtschaftlicher und kultureller Kontakte zwischen beiden Regionen.
Im Juni 2002 hatten die Oberbürgermeister von Magdeburg und Harbin eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit beider Städte unterzeichnet. Während eines Besuchs einer Magdeburger Delegation in Harbin im September 2006 wurde eine gemeinsame Erklärung mit dem Ziel der Begründung einer Städtepartnerschaft durch die beiden Oberbürgermeister verabschiedet. Auf der Grundlage dieser Vereinbarungen hatten die Gemeindevertreter beider Städte beschlossen, eine Städtepartnerschaft zu begründen.
Mit ihrer Partnerschaft wollen beide Städte den Austausch und die Zusammenarbeit in verschiedenen Formen in den Bereichen Kultur, Tourismus, Bildung, Handel usw. fortsetzen mit dem Ziel, einen Beitrag zur gemeinsamen Entwicklung und zum Wohlstand zu leisten.“
Im Sinne des gegenseitigen Verstehens sollen außerdem Begegnungen und Projekte zwischen den Bürgern beider Städte gefördert werden, um ihnen eine aktive Mitgestaltung der Partnerschaft zu ermöglichen. Zum Austausch und zur Zusammenarbeit sowie zur Erörterung von Fragen gemeinsamen Interesses wollen sich die Repräsentanten beider Städte regelmäßig treffen.
Harbin
Harbin ist die Hauptstadt der chinesischen Provinz Heilongjiang. Durch die ganzjährig kalten Temperaturen wird die Stadt auch „Stadt des Eises“ genannt. Heilongjiang liegt direkt an der Grenze zu Rußland. Diese Nähe zu Russland macht sich in Harbin bemerkbar, die Stadt hat ein bezauberndes russisches Flair. Zudem profitieren die Einwohner vom russisch-chinesischen Grenzhandel, der Stadt geht es dadurch wirtschaftlich sehr gut.
Die Region verfügt über reiche Kohle- und Erdölvorkommen, die der Stadt zu Ruhm verholfen haben. Geht man durch die Stadt, so wird man an St. Petersburg erinnert. Neben der russischen Architektur finden sich interessante Tempelanlagen. Sehr schön ist das berühmte Eislaternenfest.
Die Stadt entwickelte sich erst zum Ende des 19. Jahrhunderts. Vor dieser Zeit war Harbin lediglich ein kleiner unbedeutender Fischerort. Durch die bessere Anbindung mit der Bahn und durch den Bau von Brücken im Land kamen immer mehr Menschen nach Harbin. 1918 gab es bereits 200.000 Einwohner. Viele jüdische Familien flohen im Laufe der Zeit vor dem russischen Zaren und den Pogromen in diese Stadt und fanden dort eine neue
Heimat.
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