Das Leben an der Elbe in "Historischen Ansichten"
Ausstellung ab sofort in der Stadtsparkasse Lübecker Straße
Die erstmals im Juli im IBA-Shop präsentierte Postkartenausstellung ist ab sofort im Hauptgebäude der Stadtsparkasse Magdeburg, Lübecker Straße 126 zu sehen. Mit Werken aus der Postkartensammlung von Annemarie und Johannes Lück wird das Leben an der Elbe in "Historischen Ansichten" dokumentiert. Die Ausstellung ist bis zum 30. Oktober für Besucher geöffnet. Der Eintritt ist frei.
13.000 historische Magdeburger Ansichtskarten
Aus der ersten Generation von Ansichtskartensammlern stammte der Großvater von Annemarie Lück. Seine Sammlung wie seine Leidenschaft gab er an die Enkelin weiter, die wiederum steckte um 1960 ihren Mann an – gemeinsam haben Annemarie und Johannes Lück über 40 Jahre lang rund 200.000 Postkarten aus aller Welt zusammen getragen, 13.000 davon sind Magdeburger Karten. Karten in Alben, in gut sortierten Archivschränken, in Mappen, Kisten und Kästen. Erwerbsdaten auf jeder Karte notieren, dazu ein Archivbuch führen – Sammeln macht nicht nur Spaß, es macht auch Arbeit, verschlingt Zeit, Kraft und Platz. Fast jeder Sammler stößt irgendwann an zumindest eine dieser Grenzen. Und dann? Was passiert mit der Sammlung, wenn der Sammler nicht mehr kann?
Findet sich niemand, der die Kapazitäten besitzt, eine komplette Sammlung zu übernehmen, wird sie häufig zerlegt und in Einzelteilen verkauft. Um dies zu verhindern hat die Stiftung Kunst und Kultur der Stadtsparkasse Magdeburg die Sammlung "Lück" gekauft. So können 200.000 Belege gepflegter Dokumentationslust eines Magdeburger Ehepaars – darunter 13.000 historische Magdeburger Ansichtskarten – bewahrt und öffentlich zugänglich gemacht werden.
Die schönsten Aufnahmen zum "Leben an der Elbe" können Interessenten ab sofort im Hauptgebäude der Stadtsparkasse Magdeburg, Lübecker Straße 126 bewundern. Die Öffnungszeiten sind montags von 8.00 bis 16.30 Uhr, dienstags bis donnerstags von 8.00 bis 18.30 Uhr, mittwochs von 8.00 bis 14.30 Uhr und freitags von 8.00 bis 15.30 Uhr.
Zur Geschichte der Postkarte
Mitteilungen ohne Briefumschlag, offen lesbar auch für Unbeteiligte – ein solches Kommunikationsmittel hielt die Postverwaltung lange für „unschicklich“. Erst 1870 führte die norddeutsche Post die „Korrespondenzkarte“ ein und es war zunächst der deutsch-französische Krieg, der sofort für reißenden Absatz sorgte, denn als Feldpostkarte wurde das neue Medium kostenlos zwischen Front und Heimat befördert.
Ein Bild sah die von der Post entworfene Korrespondenzkarte nicht vor. Aber am 16.7.1870, dem Tag der Mobilmachung, gab ein Oldenburger Buchdrucker eine Karte auf, die er selbst mit einer kleinen Illustration zum Thema „Es gibt Krieg“ versehen hatte. Adressiert war diese Karte, die als erster Vorläufer der Ansichtskarten gilt, an die Schwiegereltern des Druckers – in Magdeburg.
Privat hergestellte Karten beförderte die Post ab 1872, kommerziell arbeitende private Verlage mussten noch warten: 1885 erhielten sie die offizielle Erlaubnis, Bildpostkarten herzustellen und zu vertreiben. Damit begann das „Goldene Zeitalter“ der Ansichtskarte. 88 Millionen Karten wurden 1899 allein in Deutschland produziert, 5 Jahre später waren es bereits mehr als 1 Milliarde.
In der Zeit um 1900 – das Fernsehen war noch nicht erfunden – war die Postkarte das erste und einzige Medium, das massenweise Bilder in die Welt schickte. Jede einzelne Ansicht war eine kleine Sensation und entsprechend begehrt. Nicht nur bei Sendern und Empfängern, sondern auch bei Liebhabern: Schon in den 1890er Jahren gründeten Postkartensammler Vereine, Sammlerzeitschriften und -alben erschienen auf dem Markt.
Darüber hinaus wurden zu bestimmten Themen wie Badeleben, „Fliegers Werben“, „Liebesfreuden“, etc. Folgen und Serien herausgegeben, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Die Karten waren Zeichnungen, Stahlstiche, Holzschnitte (manchmal auch nur Stempel) und natürlich hochwertige Fotografien. Es waren oft Erzeugnisse hoher Druckqualität, jedoch veränderten die Operateure oft die Oberfläche mit Lack und Firnis, durchsichtigen Folien und Perlmutt (besonders bei Nachtaufnahmen und „Mondkarten“) und auch Glaskügelchen, Metall und farbigem Sand. Prägekarten mit Stoff, Seide und Plüsch sind keine Seltenheit und sogar „duftende Postkarten“ wurden verschickt.
Neben den besonderen gesellschaftlichen und politischen Höhepunkten wurden unvorhersehbare Ereignisse wie Trockenheit der Elbe, Naturkatastrophen, Schiffsunfälle, Flugzeugabstürze, Eisenbahnunfälle etc. gezeigt. Bis 1905 war die eine Seite der Postkarte nur der Anschrift, dem Absender und dem Poststempel vorbehalten und Mitteilungen waren lediglich auf der Bildseite erlaubt. So erklären sich die oft beschriebenen Ansichten oder die kleinen Formate der Ansichten und Fotos. Dabei überwiegt das scheinbar Banale, es sind ja keine Briefe, die auf die Waage gelegt werden. Die Postkarten sprechen uns heute (100 Jahre später) mit geschraubten Texten, eleganter, unbeholfener, hastiger, jugendlicher und kindlicher Schönschrift an, oft in Bierlaune und/oder Urlaubsstimmung geschrieben: „In alter Frische, Dein Ottchen.“
Hintergrundinformationen zur IBA
Die Landeshauptstadt orientiert ihren Beitrag zur IBA 2010 am Leitbild "Leben an und mit der Elbe", denn der Fluss prägt maßgeblich die Identität des Stadtbildes. Aber Stadt- und Flusslandschaft waren im Prozess des stetigen gesellschaftlichen Wandels nachhaltigen Veränderungen unterworfen. Deshalb sollen die Elbe und ihre naturnahen Auen noch stärker als bislang in die Stadtlandschaft einbezogen werden.
Ziele der Magdeburger IBA-Beteiligung sind unter anderem die attraktive Gestaltung von Zugängen zur Elbe und Wegen entlang des Ufers, die Aufwertung der an die Elbe grenzenden Stadtgebiete, die Suche nach Nutzungen für Brachflächen, die Stärkung der städtischen Identität und die Schärfung des Profils als innovative Wissenschaftsstadt.
An drei IBA-Schauplätzen entlang der Elbe werden exemplarisch neue Wege der Stadtentwicklung aufgezeigt:
1. "Mehr Stadt – weniger Landschaft": Der ehemalige Handelshafen wird unter diesem Thema zu einem "Wissenschaftshafen" umgebaut. Er ist bereits heute ein schönes Beispiel für die erfolgreiche Entwicklung am Fluss. Die Landeshauptstadt entwickelt hier ein lebendiges Stadtquartier mit Flächen für Dienstleistungen, Freizeit und Tourismus. Die "Denkfabrik" und weitere wissenschaftliche Einrichtungen qualifizieren den Wissenschaftshafen zu einem Zentrum für Innovation und Wissenstransfer.
2. "Historisches Erbe am Fluss": Zweiter IBA-Schauplatz ist die Altstadt bis hin zum Elbbahnhof. Hier wird zum Beispiel mit der baulichen Entwicklung bisheriger Bahngrundstücke in unmittelbarer Nähe zum Fluss und zum südlichen Stadtzentrum eine neue Phase der Stadtentwicklung entlang der Elbe angestoßen. Ein Teil des Bereiches rund um die Elbe hat bereits wesentlich an Attraktivität gewonnen: die Elbuferpromenade wurde in vielen Bereichen verschönert, der Petriförder mit seinen Schiffsanlegestellen sowie die Lukasklause erstrahlen in neuem Glanz, der neue Stadtplatz und die Ginkgo-Allee laden zum Verweilen ein und die neue Brücke über das Schleinufer verbindet die touristisch attraktiven Bereiche des Domplatzes und des Fürstenwalls direkt mit einer begehbaren Ufermauer am Fluss.
3. "Weniger Stadt, mehr Landschaft": Unter diesem Thema sollen die im Südosten gelegenen Stadtteile aufgewertet werden. Hier geht es um die zukünftige Gestaltung großer ehemaliger Industrieareale. Ziel ist die Verlagerung von Gewerbestandorten – weg von der Elbe, hinein in den Bereich zwischen Hauptstraße und Trassen der Deutschen Bahn. Durch diese Verlagerung könnten neu gewonnene Landschafts-, Freizeit- und Wohnbereiche an der Elbe entstehen. Die Siedlungsstrukturen zwischen der Elbe und der Bahnlinie sollen entflochten, die Ortskerne gestärkt und ihr Bezug zur Elbe in den Mittelpunkt dieses IBA-Schauplatzes gerückt werden. Um diesen Prozess erfolgreich zu führen, hat die Stadtverwaltung Strategien für ein Flächenmanagement entwickelt.
|