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Wahrheiten für Christen und Juden
Vortragsabend über Moses Mendelssohn
Borken - 06. November 2009. "Regenten der Erde! Bahnet einer glücklichen Nachkommenschaft den Weg zu jener allgemeinen Menschenduldung, nach welcher die Vernunft noch immer vergebens seufzet! Wer gegen die bürgerlichen Gesetze, gegen euch und seine Mitbürger rechtschaffen handelt, den lasset sprechen, wie er denkt, Gott anrufen nach seiner oder seiner Väter Weise, und sein ewiges Heil suchen, wo er es zu finden glaubet." Obwohl diese Sätze, diese philosophisch-praktischen Postulate bereits 1783 geschrieben wurden, wirken sie unvermindert aktuell. Formuliert hat sie der deutsch-jüdische Philosoph Moses Mendelssohn (1729–1786), der nicht nur als Vorkämpfer der Judenemanzipation und erster deutschsprachiger Jude von literarischem Weltrang gilt, sondern auch zu den hervorragenden Verfechtern von Aufklärung und Toleranz zählt. Von Gottfried Herder und Immanuel Kant wurde er bewundert, Gotthold Ephraim Lessing setzte ihm mit seinem Drama „Nathan der Weise“ ein literarisches Denkmal.
Am kommenden Montag, den 9. November, dem Jahrestag der antisemitischen Novemberpogrome des Jahres 1938, bei denen Nationalsozialisten reichsweit Synagogen niederbrannten und jüdische Häuser überfielen, werden Leben und Werk dieses großen deutschen Philosophen jüdischer Religion im Stadtmuseum Borken vorgestellt.
Einleitend wird Bürgermeister Rolf Lührmann die Veranstaltung in das städtische Bemühen um gegenwartsbezogenes Gedenken und Erinnern einordnen. Der Borkener Publizist Hans-Jörg Modlmayr, der im Deutschlandradio Kultur kürzlich eine neue Studienausgabe der Mendelssohn-Schriften rezensiert hat, gibt einen kenntnisreichen Einblick in die Biographie des Gelehrten. Dr. Andreas Poll und Hinrich Petersen lesen Auszüge aus Originaltexten, darunter „Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum“ aus dem Jahr 1783. Diese Schrift wurde neben Lessings „Nathan“ in kürzester Zeit zur meistdiskutierten Toleranzschrift der Epoche und zählt nach wie vor zu den wichtigsten Dokumenten der deutschen wie der jüdischen Geschichte.
Beginn 19:00 Uhr im Stadtmuseum, Eintritt frei.
Pressekontakt: Stadt Borken, Pressesprecher Bernd Kemper, Tel. 02861 / 939 - 303, bernd.kemper@borken.de
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