Kreis Steinfurt/Steinfurt. Pflege von Angehörigen – dieses Thema fordert neben den Betroffenen auch die Arbeitgeber heraus. Vertreter von sechs größeren mittelständischen Unternehmen aus dem Kreis Steinfurt kamen daher jetzt zu einem Workshop zusammen, um zum Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ zu diskutieren.
Auf Wunsch der Unternehmer hatte Landrat Thomas Kubendorff in das Steinfurter Gründungszentrum GRIPS eingeladen. Dort führte die Diplomgerontologin Dr. Elisabeth Philipp-Metzen durch die Veranstaltung. Unterstützung erhielt sie von Jürgen Linnemann von der Alten- und Pflegeberatungsstelle des Kreises Steinfurt.
Die Vertreter der Unternehmen apetito, Döcker Wigger Lührmann (DWL) aus Rheine, NFT und MBH aus Ibbenbüren, OKE aus Hörstel und egeplast aus Emsdetten bestätigten, dass die Thematik bisher eine untergeordnete Rolle spiele. Konsens herrschte jedoch darüber, dass die Pflege von Angehörigen in Zukunft erheblich an Bedeutung gewinnen werde. Schwierig sei allerdings, dass dieses Thema, anders als etwa die Kinderbetreuung, noch weitgehend tabuisiert sei. „Das merken wir auch bei unserer Beratungsarbeit immer wieder. Darüber spricht man nicht gerne mit anderen!“ wusste Jürgen Linnemann zu berichten. Dies führe dazu, dass bei vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die Einstellung vorherrsche: „Damit muss ich alleine fertig werden!“ Verschärfend komme hinzu, dass die meisten Betroffenen überhaupt nicht informiert wären über Möglichkeiten, die zum Beispiel das neue Pflegegesetz vorsieht.
Referentin Philipp-Metzen gab entsprechende Tipps an die Unternehmen: Sie sollten Vertrauenspersonen benennen, aktiv informieren und Unterstützung anbieten. Letztere gewähre auch die Alten- und Pflegeberatung des Kreises als unabhängige Anlaufstelle. Jürgen Linnemann: „Seit dem ersten November sind wir mit den neuen Pflegestützpunkten in Rheine, Ibbenbüren und Steinfurt am Start und stehen für individuelle Beratung zur Verfügung.“
Viele Maßnahmen zur Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort – Stichwort Kinderbetreuung - seien in den Unternehmen schon lange erprobt. Diese Erfahrungen könnten auch bei pflegebedürftigen Angehörigen helfen.
Weitere Informationen für Unternehmen gibt es im Internet unter www.betriebsplusfamilie.de und bei der West (Tel. 02551 – 69 2772).