Existenzgründung aus Langzeitarbeitslosigkeit in 2009 - 264 Menschen in Kassel wagten Schritt in die Selbstständigkeit

23. Februar 2010. Auch in 2009 ist der Gründermut von Langzeitarbeitslosen in der Stadt Kassel ungebrochen. Der aktuelle Abschlussbericht der Arbeitsförderung Kassel-Stadt GmbH (AFK) verzeichnet 364 Erstgespräche, in denen sich Gründungswillige eine qualifizierte Beratung bei den Expertinnen und Experten für Existenzgründung, -erhaltung und -sicherung der AFK geholt haben. 264 Geschäftsideen haben überzeugt und werden von der AFK gefördert.

"Die Geschäftsideen bewegen sich auf hohem Niveau", so Burkhard Walter, Leiter des Arbeitgeberservice der AFK, bei dem die Existenzförderung (ProGES) angesiedelt ist. "Im vergangenen Jahr haben wir 264 Zusagen auf Förderung gegeben. 2008 waren es 300."

Gründung rechnet sich
Die geförderten langzeitarbeitslosen Gründer leben in der Regel in sogenannten Bedarfsgemeinschaften, also beispielsweise mit Ehegatten oder Kindern zusammen, die ebenfalls Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II) erhalten. Jede gelungene Gründung spart also Steuermittel, die Stadt und Bund bei weiter bestehender Arbeitslosigkeit aufwenden müssten.

Einsparung von fast 17 Millionen Euro jährlich
Die Einsparungen sind beachtlich. Seit 2005, dem Gründungsjahr der AFK, belaufen sie sich für den Bund auf jährlich rund 9,7 Millionen Euro, die Einsparungen durch anrechenbares Einkommen der Gründer auf rund zwei Millionen Euro und die Einsparungen für die Kommunen (Kosten der Unterkunft) auf rund 5,2 Millionen Euro. Das ergibt alles in allem die stolze Summe von fast 17 Millionen Euro pro Jahr. Dazu Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel als Vertreter des kommunalen Gesellschafters der AFK: "Jede gelungene Existenzgründung ist für die jeweiligen Menschen ein Grund zur Freude. Die AFK begleitet den Gründungsprozess zuverlässig und kompetent. Der Erfolg: stabile Existenzen und eine Entlastung des Stadtsäckels. Was will man mehr?"

742.903 Euro als Darlehen vergeben
Ohne Darlehen - in vielen Fällen - keine Gründung. Und weil die Banken und Sparkassen nicht immer bereits sind, sogenannte Mikrokredite zu vergeben, springt die AFK ein: In 150 Fällen wurden im vergangenen Jahr 742.903 Euro Darlehen vergeben, das entspricht rund 4.950 Euro pro Förderung. In 114 Fällen wurden andere Finanzierungsmöglichkeiten zum Beispiel durch Privatfinanzierung, Bank oder Sparkasse gefunden oder es waren keine Mittel notwendig. "Nur dank der guten Kooperation mit den Kammern, dem Beraterstab der RKW (Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Wirtschaft e. V.) Hessen und den ortsansässigen Banken und Sparkassen haben wir diesen Erfolg", betont Walter.

Anteil von Frauen, Ausländern, "50 plus"
Der Anteil der Frauen ist mit 29 Prozent und der Anteil der Ausländer mit 28 Prozent im Vergleich zu den beiden Vorjahren konstant geblieben. Beide Werte liegen im Bundestrend. Und auch Gründungswillige über 50 Jahre profitieren. In 2009 wurden 52 Gründer mit Zuschüssen und Darlehen von insgesamt 158.790 gefördert. Besonders positiv: Die Quote der Betriebsaufgaben tendiert bei den über 50-Jährigen gegen null.

Betriebsaufgaben weit unter Bundesdurchschnitt
Insgesamt machen Betriebsaufgaben 16 Prozent im Verhältnis zu den positiven Entscheidungen aus. Meist sind gescheiterte Maßnahmen zur Existenzerhaltung der Grund. "Damit liegen wir erheblich besser als der Bundesdurchschnitt", so Walter. "Und es ist trotzdem ärgerlich: Viele Unternehmer warten einfach zu lange bis sie Hilfe rufen. Wenn sie sich rechtzeitig melden würden, wäre die Quote noch geringer."

Kasseler Kompetenz in Berlin gefragt
Die AFK ist bundesweit Vorreiterin bei der Förderung von Existenzgründungen von Langzeitarbeitslosen. Gegenüber diesem Ansatz herrschte bei den Verantwortlichen in anderen Kommunen aber auch im Bund lange Zeit große Skepsis. "Wir haben 2005 den Schritt gewagt und stellen fest, dass sich die Investitionen von Anfang an gelohnt haben", zieht Dr. Barthel Bilanz. "ProGES ist ein äußerst erfolgreicher, beratungsintensiver Ansatz, der sich rechnet."

Der Erfolg gibt dem AFK-Modell Recht - und Vertreter der AFK waren in 2009 bei der entsprechenden Ausgestaltung der inhaltlichen Neuausrichtung des SGB II als Experten in Berlin gefragt und geschätzt. Vorher fanden "die Selbstständigen" im SGB II keine Erwähnung. "2010 steht für mich im Zeichen der Existenzerhaltung", betont AGS-Chef Walter. "Dieses wichtige Thema möchte ich bei BMAS (Bundesministerium für Arbeit und Soziales) forcieren. Und ich wünsche mit, dass die Idee ProGES (Pro Gründung, Erhalten, Sichern) von Kassel aus in andere Kommunen weitergetragen wird. Das Interesse ist da."

(4599 Zeichen)


Bild: Druckansicht Druckansicht

Stadt Kassel
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Rathaus / Obere Königsstraße 8
34112 Kassel

Telefon: 0561 / 787-1231 oder 0561 / 787-1232
Telefax: 0561 / 787-87
E-Mail: presse@stadt-kassel.de

Pressesprecher Hans-Jürgen Schweinsberg
Pressesprecherin Petra Bohnenkamp

Kassel und die Region im Internet:www.kassel.de
Die Stadtverwaltung im Internet: www.stadt-kassel.de

presse-service.de Die Pressestelle documenta-Stadt Kassel ist Mitglied bei www.presse-service.de. Dort können Sie Mitteilungen weiterer Pressestellen recherchieren und per E-Mail abonnieren.