22. März 2010. „Mein Berufswunsch steht fest: Ich werde Feinmechanikerin bei der KVG“ sagt Selina selbstbewusst. Sie ist eines von acht Mädchen, die im vergangenen Jahr im Rahmen eines Projekts des Kasseler Übergangsmanagements in verschiedene technische Berufsfelder hineinschnuppern konnte und ausprobierte, welcher Beruf zu ihr passt.
Der erste Durchlauf dieses Projektes endet für Selina und die anderen Mädchen am 16. März mit einem Berufsschultag in der Max-Eyth-Schule. Denn zu einer Ausbildung in einem männerdominierten Beruf gehört auch die Erfahrung, in einer männerdominierten Berufsschule zu lernen. Im Anschluss daran werden die Erfahrungen der letzten Monate gemeinsam ausgewertet und Bilanz gezogen. Die Vorschläge der Mädchen sollen bei einer Neuauflage von MäteB im nächsten Jahr berücksichtigt werden. Für Selina und ihre Kolleginnen steht jetzt schon fest: MäteB ist ein gelungenes Konzept, das Spaß macht.
"Das Kasseler Übergangsmanagement ist seit dem Schuljahr 2008/2009 an insgesamt acht Kasseler Schulen aktiv. Eine Aufgabe ist es, die geschlechtsspezifischen Berufseinwahlmuster bei Jugendlichen zu durchbrechen und ihr Berufespektrum zu erweitern", sagte Stadträtin Anne Janz. Nach neuesten Zahlen des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V., das auch federführend in der jährlichen Durchführung des GirlsDay ist, werden bei Mädchen und jungen Frauen 71,6 Prozent der Ausbildungsverträge in den 20 am häufigsten von Frauen besetzten Ausbildungsberufen getätigt. Zu diesen Berufen zählen verschiedene Kauffrauen-Berufe (Einzelhandel, Bürokauffrau, Industriekauffrau, Kauffrau für Bürokommunikation), die Verkäuferin, Friseurin, Medizinische und Zahnmedizinische Fachangestellte, die Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk und die Hotelfachfrau. Diese eher frauentypischen Berufe gehören nicht zu den bestbezahlten und bieten häufig kaum Aufstiegsmöglichkeiten.
Anders hingegen in gewerblich-technischen Berufsfeldern. Hier setzt das Projekt „MäteB - Mädchen in technische Berufe“, dessen erster Durchlauf nun zu Ende geht.
Die acht Teilnehmerinnen aus vier verschiedenen Schulen nahmen an unterschiedlichen Probierwerkstätten und Praxistagen namhafter Firmen wie der KVV, VW, SMA, Sadtkowski, Reuse und Föbius teil. So konnten sie ihre technischen Fähigkeiten in für sie neuen Arbeitsfeldern als Feinmechanikerinnen, Werkzeugmacherinnen, Elektroanlagenmonteurinnen, Mechatronikerinnen und Anlagenmechanikerinnen testen. Außerdem nahmen sie an einem Knigge-Kurs zum Thema: „Stil und Etikette im Bewerbungsverfahren“ und an einem von der Arbeitsagentur organisierten Berufs- und Lebensplanungsseminar teil. Auch die Eltern der Mädchen waren von Anfang an mit in den Prozess eingebunden.
Und was haben die Betriebe davon? Betriebe brauchen qualifizierten Nachwuchs. Weibliche Auszubildende bewähren sich in männerdominierten Berufsfeldern, weshalb eine zukunftsgerichtete Personalentwicklung nicht mehr auf Mädchen und junge Frauen verzichten wird. Deshalb verstärken moderne Unternehmen ihre Anstrengungen, junge Frauen für MINT-Berufe (Mathe-Informatik-Naturwissenschaften-Technik) zu gewinnen.
MäteB macht Kasseler Betriebe mit Mädchen bekannt, die das Potential für eine Ausbildung in diesem Bereich haben. MäteB gibt ihnen die Möglichkeit, sich von interessierten und begabten Schülerinnen lange vor dem offiziellen Bewerbungsverfahren ein Bild zu machen und sie für eine Ausbildung zu gewinnen.
Nähere Information? Übergangsmanagement Schule-Beruf, Kommunales Jugendbildungswerk in der Kinder- und Jugendförderung der Stadt Kassel, Mimi Krajczy, Telefon 05 61-9 20 01 50 14.
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