Bocholt, 06. April 2010
Kommt "BOH" wieder zurück?
Heilbronner Professor möchte Ortsautokennzeichen bundesweit wieder einführen - Befragung in Bocholt am 22. April 2010
Bocholt (pd).
Viele Bocholterinnen und Bocholter erinnern sich sicher noch und einige "Oldies" fahren heute noch damit herum, mit dem Autokennzeichen "BOH". Es könnte wieder einführt werden und zwar dann, wenn Ralf Bochert, Professor und Dekan der Fakultät für Wirtschaft der Hochschule Heilbronn mit seiner Forschungsprojekt "Initiative Kennzeichenliberalisierung" Erfolg hat.
Bundesweit hat Bochert Städte und Gemeinden, die vor der kommunalen Neugliederung oder anderer Um- und Neustrukturierungen von Landkreisen noch kreisfrei waren und über eigene Autokennzeichen verfügten, angeschrieben, und nachgefragt, inwieweit Interesse besteht. Weit über 50 Gemeinden antworteten bereits in den ersten Wochen, berichtet Borchert, "es zeigt, dass Interesse besteht, mit einem eigenen Kennzeichen die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt auch zeigen zu können."
Umfrage im April
Bocholt ist eine der Städte, in denen Borchert eine repräsentative und statistisch fundierte Befragung starten will. Dafür kommen am 22. April 2010 zwei Studentinnen in die Stadt und befragen Bevölkerung und Gäste. Sprechen sich sowohl die Gemeinde- und Stadtverwaltungen als auch die Einwohner für ihre alten Kennzeichen aus, „soll in etwa einem Jahr ein Kongress dazu organisiert werden.“ Bei dem Treffen werden die notwendigen rechtlichen und politischen Schritte auf dem Weg zum „BOH“ besprochen – um danach auf die Politik zuzugehen.
Recht auf eigene Identität
Die Wiedereinführung bereits verschwundener Kennzeichen sei ohne weiteres möglich. Als Modell schlägt Bochert die Lösung des Main-Kinzig-Kreises in Hessen vor, wo die kreisangehörige Stadt Hanau durch das Kennzeichen HU, das übrige Kreisgebeit jedoch durch MKK repräsentiert wird. "Mehrere Kennzeichen in einem Landkreis, das ist ein Königsweg, der ein kleinräumiges Zugehörigkeitsgefühl auch in den großen Kreiszuschnitten ermöglicht." Die Wiedereinführung von auslaufenden Kennzeichen sei keine Frage des Könnens, sondern des politischen Willens, sagt Bochert. "Ich sehe, auch wenn das etwas pathetisch klingt, durchaus ein Recht auf den eigenen Namen im Kennzeichen, das den Städten einmal genommen wurde oder noch genommen werden soll", so Bochert, "man kann sich ein wertvolles identitätsstiftenden Symbol sichern."
Stadtverwaltung und Stadtmarketing unterstützen Borchert insoweit bei der Befragung, als hier eine Aktion einer Hochschule begleitet wird. "Wir wollen weder die Einheit des Kreises in Frage stellen", so Bürgermeister Peter Nebelo, "noch uns als ewig Gestrige zeigen. Es geht einzig darum, einmal abzufragen, wie man die Identifikation mit "seiner" Stadt noch steigern kann." Auch Vermarktungsgesichtspunkte könnten eine Rolle spielen, "mit dem Verlust des Kennzeichens geht ein ganzes Stück eigene Identität verloren, und auch die wirtschaftliche oder touristische Vermarktung gestaltet sich nach einer 'Einverleibung' durchaus schwieriger", sagt Bochert. "Die Ergebnisse werden in einer Studie im Juni veröffentlicht", sagt Bochert, wohl wissend, dass verbindliche Entscheidungen nur auf politischer Ebene getroffen werden.
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