OB Dr. Lutz Trümper nahm Förderbescheid für Mitteldeutsches Fugurentheaterzentrum entgegen
1,1 Mio. Euro für die im Herbst beginnenden Baumaßnahmen
Ottostadt Magdeburg.
Die Landeshauptstadt Magdeburg hat heute den Zuwendungsbescheid für den Aufbau des Mitteldeutschen Figurentheaterzentrums erhalten. Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper nahm am Mittag von Sachsen-Anhalts neuer Kultusministerin Prof. Birgitta Wolff den Bewilligungsbescheid über 1,1 Mio. Euro entgegen. Der Bau des Figurentheaterzentrums kostet rund 1,48 Mio. Euro und beginnt im Herbst dieses Jahres.
"Wir freuen uns sehr, dass die Europäische Union und das Land Sachsen-Anhalt den Aufbau des Mitteldeutschen Figurentheaterzentrums mit einer maßgeblichen Summe unterstützen", dankte Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper der Kultusministerin heute anlässlich der Übergabe des Bewilligungsbescheides. "Mit dem künftigen Zentrum werden wir eine öffentliche Figurentheatersammlung für den mitteldeutschen Raum und damit ein neues touristisches Ziel in Magdeburg aufbauen. Gleichzeitig wird das Figurentheaterzentrum das theaterpädagogische Angebot für Kinder erweitern und die Tradition des Puppenspiels in Magdeburg widerspiegeln."
Mit einem Fundus von über 1.200 Figuren aus mehreren Jahrhunderten verfügt das Magdeburger Puppentheater über eine der größten Figurensammlungen im mitteldeutschen Raum. "Diese Sammlung der Öffentlichkeit in einer ständigen Ausstellung zu präsentieren und erlebbar zu machen, bietet die Chance, ein weiteres Mal ein künstlerisches Alleinstellungsmerkmal zu erlangen", so der Oberbürgermeister. "Im Zusammenspiel mit dem internationalen Figurentheaterfestival 'Blickwechsel', dem Puppentheater selbst und dem Bereich der kulturell-ästhetischen Bildung verfügt das Puppentheater über beste Voraussetzungen für das künftige Figurentheaterzentrum."
Thematisch wird sich die für das Zentrum geplante Ausstellung auf einer Fläche von rund 800 m² erstmals in Deutschland mit der Entwicklung des Puppenspiels in den verschiedenen politischen Systemen auseinandersetzen. Sie wird so aufbereitet, dass die Geschichte der Puppenspielkunst als eine große Familien- und Erlebnisausstellung gezeigt wird. Gleichzeitig soll die Schau eine maßgebliche Bereicherung des kulturellen Angebotes in Magdeburg und wichtiger Bestandteil im touristischen Vermarktungskonzept der Stadt und des Landes sein.
Vorgesehen ist im Figurentheaterzentrum auch ein Austausch zu Arbeitsweisen, der Weitergabe von Wissen und Kenntnissen im Bereich des Puppenspiels und des Figurenbaus an Interessierte sowie nationale und internationale professionelle Puppenspieler, Figurenbildner und Puppenbauer. Für Kinder, Familien und Schulen werden spezielle Kunst- und Theaterprojekte im Bereich des Puppenspiels und des Puppenbaus angeboten.
In dem zu sanierenden Gebäude in der Porsestraße werden neben der 800 m² großen Ausstellungsfläche, die sich im Keller-, Erd- und Teilen des Obergeschosses befinden wird, die entsprechenden Räume für die Arbeit in kulturellen Projekten mit Kindern und für die genannten Workshops für professionelle Puppenspielkünstler geschaffen. Im Zuge der Mauerwerk- und Fachwerksanierung entstehen, u. a. ein behindertengerechter Aufzug und der Neubau eines Verbinders zum Puppentheater, um optimale Voraussetzungen für eine Vernetzung der Besucherströme zwischen Theaterbesuchern und Ausstellungsbesuchern zu schaffen.
Die Gesamtkosten für das Bauvorhaben betragen rund 1,48 Mio. Euro. Mit rund 1,1 Mio. Euro stammt der größte Teil der Summe aus dem Kulturinvestitionsprogramm des EFRE-Strukturfonds der Europäischen Union. 168.000 Euro kommen dem Städtbauförderprogramm, weitere 70.000 Euro von der Lotto Toto Sachsen-Anhalt GmbH. Der Eigenanteil der Stadt beträgt 132.5000 Euro.
Der voraussichtlich 24 Monate dauernde Umbau des Rayonhauses in der Porsestraße 13 zum Mitteldeutschen Figurentheaterzentrum beginnt im Oktober dieses Jahres. Die Eröffnung ist für den Herbst 2012 geplant.
Hintergrundinformationen zum Magdeburger Puppentheater
Die Tradition des Magdeburger Puppenspiels reicht bis 1716 zurück. Von 1823 bis 1944 wirkte die berühmte Puppenspielerfamilie Schichtl in Magdeburg und machte die Stadt zu einem Zentrum des Puppenspiels. Einen Höhepunkt erlebte die Kunst des Puppenspiels in Deutschland auf der bedeutenden deutschen Theaterausstellung im Jahre 1927 in Magdeburg. Hier wurde das Puppentheater zum ersten Mal in den Reigen der anderen darstellenden Künste aufgenommen.
Mit Beginn des 2. Weltkrieges wurden die Möglichkeiten, Puppentheater zu spielen, immer geringer. Erst 1958 gelang es den Gründern des Hauses Jutta Balk und Gustl Möller im damaligen Rat der Stadt einen Beschluss zum Bau eines Theaters für Puppen durchzusetzen. Damit stand der Fortsetzung der Puppenspieltradition in Magdeburg nichts mehr im Wege.
1958 beschloss die Stadt Magdeburg den Bau eines festen Puppentheaters. Heute gehört das Magdeburger Puppentheater zu den größten und modernsten seiner Art in Europa. Es verfügt über einen Saal mit 154 Plätzen, modernste Bühnentechnik, eine Probebühne sowie über eine weitere kleine Bühne. Damit hat sich das städtische Puppentheater von einem früher in erster Linie unterhaltenden Kindertheater zu einem national und international erfolgreichen Theater entwickelt, das sich seiner Verantwortung für die Kulturlandschaft der Landeshauptstadt und die Menschen in unserer Gesellschaft mehr als bewusst ist.
Jährlich über 400 Vorstellungen mit ca. 45.000 Besuchern stehen für die Bedeutung des Magdeburger Puppentheaters. Nach einer Statistik des Deutschen Bühnenvereins nimmt das Puppentheater damit einen Spitzenplatz bei den Besucherzahlen dieser Kunstform ein. Mit Veranstaltungskonzepten, wie dem Sommer Open Air oder dem Internationalen Figurentheaterfestival, hat sich das Puppentheater einen herausragenden Ruf, nicht nur unter Theaterkennern, erarbeitet. Es gehört damit zu den Wegbereitern in der Puppen- und Figurentheaterkunst.
Nicht zuletzt fand dieses Wirken seine Anerkennung in der Durchführung des UNIMA-Weltkongresses im Jahr 2000 in Magdeburg. Die international anerkannte künstlerische Qualität zeigt sich auch in den zahlreichen Gastspielen in aller Welt, darunter in den USA, Japan, Mexiko, Frankreich, den Niederlanden, Österreich, Belgien, Schweden, Italien oder Polen. Hier überzeugt das Ensemble immer wieder aufs Neue und ist Botschafter für die Landeshauptstadt, aber auch für das Land Sachsen-Anhalt.
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