Sozialbeigeordneter Hans-Werner Brüning reist zu Gedenkstunde nach Riga-Bikernieki
Erinnerung an die Ermordung von mehr als 20.000 Menschen
Magdeburgs Beigeordneter für Soziales, Jugend und Gesundheit, Hans-Werner Brüning, reist am morgigen Donnerstag nach Riga. Persönlichkeiten aus 22 Mitgliedsstädten des Deutschen Riga-Komitees werden auf der Gräber- und Gedenkstätte Riga-Bikernieki am Freitag der über 20.000 Menschen gedenken, die 1941/42 an diesem Ort ermordet wurden. Gemeinsam mit Hans-Werner Brüning reist auch der Landesvorsitzenden des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Landtagspräsident Dieter Steinecke nach Riga.
"Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer des Domgymnasiums haben mir Steine mitgegeben, die ich dort – einem jüdischen Erinnerungsbrauch folgend – auf die Gräber legen werde", so der Beigeordnete Hans-Werner Brüning. "Damit werden die Erinnerung und das Wissen über die Verbrechen der Nationalsozialisten wach gehalten und von Generation zu Generation weitergegeben."
1941 hatten die Nationalsozialisten Massendeportationen der jüdischen Bürger vornehmlich nach Osteuropa angeordnet. Etwa 25.000 deutsche, österreichische und tschechische Juden ließen sie nach Riga deportieren. Nur etwa 1.000 von ihnen überlebten. Die meisten wurden im Wald von Bikernieki durch die deutsche Sicherheitspolizei und lettische Hilfskräfte erschossen und in Massengräbern verscharrt. 2001 hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge den Opfern eine würdige Gräber- und Gedenkstätte am Ort ihres Sterbens eingerichtet.
Im Riga-Komitee wirken 38 deutsche Städte, aus denen damals Häftlinge nach Riga deportiert wurden, sowie die Stadt Wien und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Aufgabe des Komitees ist es, die Erinnerung an die im Wald von Bikernieki ermoderten Mitbürger aufrecht zu erhalten. Das Riga-Komitee begeht in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen.
Zur Delegation des Riga-Komitees, die morgen in die lettische Hauptstadt reist, zählen auch der ehemalige Bundestagsabgeordnete Winfried Nachtwei, der sich seit vielen Jahren der Erinnerung an die Massendeportationen verschrieben hat, Stephan Kramer als Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland sowie der Künstler Horst Hoheisel, der sich seit Jahren mit Erinnerungszeichen an den Nationalsozialismus befasst und für den 10. Juli auf dem alten jüdischen Friedhof in Riga einen Workshop mit den Teilnehmern des diesjährigen Workcamps plant.
Magdeburg ist dem Deutschen Riga-Komitee im Februar 2008 beigetreten. Die Beitrittsurkunde unterzeichneten Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper und der Landesvorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Landtagspräsident Dieter Steinecke. Damit reiht sich Magdeburg in die Gruppe deutscher Städte ein, die im Gedenken ihrer nach Lettland verschleppten und ermordeten jüdischen Mitbürger die Gräber- und Gedenkstätte Riga-Bikernieki unterstützen und so das Schicksal dieser Menschen stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken.
Unter den deutsche Juden, die in den Jahren 1941/42 nach Riga deportiert und in ihrer überwiegenden Zahl dort im Wald von Bikernieki ermordet worden, gehörten auch Bürger aus Magdeburg. Der wohl bekannteste war Dr. Herbert Goldschmidt, Magdeburger Bürgermeister und Stellvertreter des damaligen Oberbürgermeisters Ernst Reuter von 1931 bis 1933. Er wurde bereits 1933 von den Nationalsozialisten aus dem Rathaus abgeführt und 1943 in Riga ermordet.
Das Deutsche Riga-Komitee wurde im Mai 2000 von 13 deutschen Großstädten, aus denen eine Vielzahl der Deportierten stammten, und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. gegründet. Gemeinsames Ziel der Mitglieder des Riga-Komitees ist es, an das Schicksal der deutschen Juden zu erinnern, die Opfer der Deportation nach Riga wurden.
Um das Gedenken an diese furchtbaren Verbrechen wach zu halten, wurde am 30. November 2001, 60 Jahre nach Beginn der Deportationen, das wiederhergestellte Gräberfeld im Rigaer Bikernieki-Wald als würdige Gedenkstätte der Opfer der Deportation der Öffentlichkeit übergeben. Die damalige lettische Staatspräsidentin, Vaira Vike-Freiberga, Trägerin des Kaiser-Otto-Preises der Landeshauptstadt Magdeburg 2007, hatte dazu eine beeindruckende Ansprache gehalten.
Der Mitgliedschaft der Landeshauptstadt Magdeburg im Deutschen Riga-Komitee ist ein weiterer Beitrag zur Aufarbeitung dieses dunkelsten Kapitels deutscher und auch Magdeburger Geschichte. Zeichen für ein friedliches und selbstverständliches Miteinander und Füreinander werden in der Landeshauptstadt Magdeburg auch mit der Beteiligung an der bundesweiten Aktion "Stolpersteine", der Initiative "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und zahlreichen anderen Projekten gesetzt.
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