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Pressemitteilung vom
13. August 2010
Verbundausbildung gefährdet – breites Bündnis für Erhalt
Region Kassel.

Seit 1997 sind die Ausbildungsverbünde in der Region Kassel ein Erfolgsmodell. Jetzt sieht es so aus, dass die Hessische Landesregierung diesem Erfolgsmodell ein jähes Ende bereiten will. „Die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen hat mitgeteilt, dass die eingeplanten Mittel für neu abzuschließende Ausbildungsverbünde für die Jahre 2011, 2012 und 2013 von der Landesregierung nicht mehr zur Verfügung stehen. Nicht betroffen sind die bereits eingetragenen Ausbildungsverhältnisse“, informiert Landrat Uwe Schmidt. Die landkreiseigene gemeinnützige Arbeitsförderungsgesellschaft im Landkreis Kassel mbH (AGiL) koordiniert die Ausbildungsverbünde in der Region Kassel.

Schmidt: „Mit dieser Entscheidung der Landesregierung wird ein funktionierendes System für die Schaffung von Ausbildungsplätzen gerade für kleine und mittlere Unternehmen zerschlagen.“ Allein im laufenden Ausbildungsjahr 2009 seien 106 Ausbildungsplätze im Verbund entstanden, davon 17 ungeförderte durch das Ausbildungsnetzwerk. „Auch wenn sich der Ausbildungsmarkt mittlerweile entspannt hat, sind die Ausbildungsverbünde gerade in Nordhessen weiter notwendig“, betont der Landrat.

In den letzten drei Jahren habe der von AGiL betreute Ausbildungsverbund 330 zusätzliche Ausbildungsplätze bei Unternehmen ermöglicht, die allein nicht ausbilden können.

Auch von Seiten der nordhessischen Wirtschaft wird das Auslaufen des Verbundprogramms bedauert. „Wir können verstehen, dass auch das Land Hessen sparen muss – allerdings wäre ein Ende der Ausbildungsverbünde für unsere Region die falsche Entscheidung, solange es immer noch mehr Bewerber als Ausbildungsplätze gibt“, betont Klemens Diezemann, Geschäftsführer des Verbandes der Metall- und Elektro- Unternehmen (M+E) in Nordhessen.

„Unsere M+E Mitgliedsunternehmen signalisieren uns deutlich, dass die Zahl der Ausbildungsplätze ohne den Ausbildungsverbund um einiges geringer wäre“, weist Diezemann auf die positiven Effekte der staatlichen Förderung hin. „Gerade die Metall- und Elektroindustrie benötigt bereits heute mit Beginn des Aufschwungs dringend qualifizierte Fachkräfte, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken“, unterstreicht Diezemann. Die Verbünde orientierten sich mit ihrem Angebot an den Bedürfnissen des Marktes und könnten so konkret auf Sonderwünsche der Ausbildungsbetriebe reagieren. Eine hohe Qualität in der Ausbildung sei somit sicher gestellt.

Wie erfolgreich das Verbundsystem funktioniere, zeige die Übernahmerate nach der Ausbildung: „In den Verbünden liegt sie bei rund 90 Prozent“, so Diezemann weiter.

„In unserem Ausbildungszentrum sind aktuell 141 Auszubildende in einer überbetrieblichen Ausbildung“, berichtet Frank Bethge, Geschäftsführer von ThyssenKrupp ExperSite in Kassel. In diesem Jahr seien das neue Berufsbild „Produktionstechnologie“ mit drei Auszubildenden zu den „klassischen“ Ausbildungen wie Mechatroniker oder Industriemechaniker hinzugekommen.

Die Gefahr, dass sogenannte Mitnahmeeffekte entstehen, sei in der Verbundausbildung nicht gegeben, da jeder Ausbildungsbetrieb seinen Auszubildenden selbst aussucht und mit ihm ein ungefördertes Ausbildungsverhältnis abschließe. Bethge: „Der finanzielle Nutzen entsteht durch die Ausbildungspartner im Verbund, die Bereiche der Ausbildung abdecken können, die die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens übersteigen.“

Auch für die Jugendlichen sei die Verbundausbildung vorteilhaft, da sie durch den Modulbetrieb verschiedene Unternehmenskulturen und unterschiedliche Arbeitsabläufe kennen lernen können.

Für die Ausbildungsbetriebe werden die Kosten im Betrieb pro Ausbildungsplatz reduziert – dies steigere die Ausbildungsbereitschaft bei allen Partnern, wies der ExperSite-Geschäftsführer auf einen weiteren Vorteil der Verbundausbildung hin.

Landrat Schmidt, Verbandsgeschäftsführer Diezemann und ExperSite-Geschäftsführer Bethge appellieren gemeinsam an die Hessische Landesregierung die Entscheidung zum Wegfall der Förderung zu überdenken und gemeinsam mit den Verbundpartnern eine Perspektive für den Erhalt des Ausbildungsverbundes für die Region Kassel zu entwickeln. „Eine solche Perspektive ist im Interesse der Region, der jungen Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen und der Unternehmen in Nordhessen“, sind sich die drei abschließend einig.

 

Zum Hintergrund:

Im von AGiL koordinierten Ausbildungsverbund arbeiten über 180 nordhessische Firmen aus den verschiedensten Branchen zusammen. Finanziert werden die Verbünde aus Fördermitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und aus Komplementärmitteln des Landes. Diese will die Landesregierung künftig einsparen – damit entfällt allerdings auch die Förderung aus dem ESF. Das Förderprogramm richtet sich vornehmlich an Unternehmen, die nicht alle Ausbildungsinhalte eines Ausbildungsberufs selbst vermitteln können. Der Ausbildungsverbund ermöglicht, dass Ausbildungsabschnitte außerhalb des Ausbildungsbetriebes realisiert werden können, ohne dass dadurch dem Unternehmen zusätzliche Kosten entstehen.

Hauptkooperationspartner von AGiL ist die VW-Coaching GmbH Baunatal. Außerdem sind die ThyssenKrupp ExperSite GmbH Kassel, AREVA GmbH Kassel, PRÄWEMA GmbH Eschwege, Genius GmbH Kassel, das Medieninstitut NEUEWEGENER Fuldabrück, die Conti AG Korbach und E.ON Mitte Baunatal, das Werkstoffprüflabor Dr. Wiewecke Fuldabrück, die POWER ENERGY ALSTOM GmbH Kassel sowie die Umweltlabore UmLab GmbH Kassel und Dr. Schöcke Söhrewald Verbundpartner.

Bei der ThyssenKrupp ExperSite GmbH Kassel wurden 2009 allein 66 Ausbildungsplätze im Verbund realisiert. Die Bandbreite der hier beteiligten Firmen reicht von der Brandschutztechnik Müller GmbH in Zierenberg über Seybert & Rahier GmbH + Co. Betriebs-KG in Immenhausen, Ackermann Fahrzeugbau GmbH in Wolfhagen, miho Inspektionssysteme GmbH in Ahnatal bis zur Dr. Esterer GmbH in Helsa.

 

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:

Harald Kühlborn, Öffentlichkeitsarbeit/Kultur/Internationale Partnerschaften des Landkreises Kassel, Tel.: 05 61/10 03-15 06, Fax: 05 61/10 03-15 30, E-Mail: harald-kuehlborn@landkreiskassel.de.



Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn

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LANDKREIS KASSEL
Pressesprecher
Harald Kühlborn
Wilhelmshöher Allee 19 - 21
34117 Kassel
Tel.: 0561/1003-1506
Fax: 0561/1003-1530
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