20. August 2010. Am kommenden Montag, 23. August, ist es soweit: Dann werden Baumaschinen und Bauarbeiter das Bild in der Breitscheidstraße bestimmen. Gemeinsam mit der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) wird die Stadt Kassel dort rund 6,7 Millionen Euro für den Gleis- und Straßenbau aufwenden. Nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz und dem Finanzausgleichsgesetz steuert das Land Hessen für diese Maßnahme rund 4,9 Millionen Euro bei, so dass für die Stadt Kassel und die KVG Eigenmittel in Höhe von zirka 1,8 Millionen Euro aufzuwenden sind.
Stadtrat Dr. Joachim Lohse wies am Freitag in einem Vorort-Termin vor der Presse darauf hin, dass die Straßenoberfläche und die Gleisanlagen der Breitscheidstraße dringend erneuerungsbedürftig seien. Die Gehwege seien vielfach nur schmal und teilweise in einem schlechten Zustand. Es fehlten Anlagen für den Radverkehr. Die Haltestellen seien nicht barrierefrei ausgebaut und für die Bäume auf der Nordseite der Breitscheidstraße bestünden durch zu kleine Baumscheiben und der Lage dicht am Bordstein ungünstige Standortbedingungen.
Reiner Blobel, KVG-Bereichsleiter Infrastruktur, kündigte an, man werde die Belastungen für die Anwohner und Verkehrsteilnehmer so gering wie möglich halten. Aus diesem Grund sei das Projekt extrem eng getaktet. So sollten die wesentlichen Bauarbeiten noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.
Der geplante Umbau werte die Breitscheidstraße städtebaulich auf und habe das Ziel, die Verkehrsqualität im innerstädtischen Hauptverkehrsstraßennetz an die tatsächlichen Verkehrsbedürfnisse sowie an die stadträumlichen Gegebenheiten anzupassen, führte Dr. Lohse weiter aus. Aufgrund von aktuellen Verkehrszählungen habe man festgestellt, dass die Mehrspurigkeit, die teilweise durch geparkte Autos unterbrochen wird, nicht erforderlich sei. Somit könne im Zuge des Umbaus der Straßenraum entsprechend der Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer optimiert aufgeteilt werden.
Planung
Die Planung sieht einen Umbau der Breitscheidstraße von Aschrottstraße bis Gilsastraße einschließlich modifizierter Straßenraumaufteilung sowie Anpassungsmaßnahmen in der Gilsastraße ab Breitscheidstraße bis zum Berliner Platz (Dag-Hammarskjöld-Straße/Kölnische Straße) vor. Die Breitscheidstraße soll durch eine gemeinsame Fläche für Straßenbahn-/Bus-/Individualverkehr, zusätzlicher Radfahrstreifen, separater Park-/Baumstreifen sowie ausreichend dimensionierte Gehwege untergliedert werden. Der Querschnitt der Breitscheidstraße östlich der Aschrottstraße wird somit auch in westlicher Richtung nahezu unverändert weitergeführt.
Die beiden Haltestellen Breitscheidstraße und Aschrottstraße sollen barrierefrei umgebaut werden. Deshalb müssen die Autos während des Fahrgastwechsels, hinter der haltenden Straßenbahn warten.
Durch die künftigen Kap-Haltestellen wird eine deutliche Verbesserung der Einstiegssituation für die Fahrgäste erzielt.
Im Kreuzungsbereich der Lichtsignalanlage am Berliner Platz gibt es auch nach dem Umbau in der Gilsastraße weiterhin zweistreifige Aufstellflächen für den motorisierten Individualverkehr.
Die Haltestelle Aschrottstraße wird bewusst in ihrer historischen Lage nahe der Stadthalle belassen. Sie muss also nicht in die Breitscheidstraße verlegt werden, was mögliche, weitere negative Auswirkungen auf den Individualverkehr haben würde.
Durch die Anlage von Radverkehrsstreifen wird eine durchgängig sichere Verbindung des Radverkehrs zwischen Kirchditmold und der Innenstadt hergestellt.
Im Rahmen des Umbaus werden 24 Bäume neu gepflanzt, 14 Bäume entfallen.
In der Breitscheidstraße zwischen Aschrottstraße und Gilsastraße werden nach dem Umbau 30 Parkplätze (Bestand: 75, Planung: 45) weniger zur Verfügung stehen. Dafür werden in der Gilsastraße 22 Stellplätze neu geschaffen (Bestand: 0). Da bei einer Erhebung der Parkraumauslastung in der Breitscheidstraße zwischen Aschrottstraße und Gilsastraße eine maximale Belegung von knapp 40 Prozent ermittelt wurde, ist der Wegfall von acht Stellplätzen problemlos möglich.
Der in diesem Bereich bei Veranstaltungen in der Stadthalle zeitweise auftretende hohe Parkdruck wird im Rahmen eines Verkehrskonzepts in Zusammenhang mit der Erweiterung der Stadthalle gesondert untersucht. Ziel ist es, die angrenzenden Wohngebiete von erhöhtem Parkdruck durch zusätzliche Parkmöglichkeiten direkt an der Stadthalle frei zu halten.
Im Vorgriff auf den Gleis- und Straßenbau hat der Kasseler Entwässerungsbetrieb etwa 500.000 Euro in den Kanalbau investiert, die Städtische Werke AG wendeten für Leitungserneuerungen zirka 1,5 Millionen Euro auf.
Die Gesamtlänge des Ausbaubereiches beträgt zirka 650 Meter, die durchschnittliche Ausbaubreite zirka 20 Meter. Somit handelt es sich um etwa 15.500 Quadratmeter Ausbaufläche, einschließlich der Ausbaubereiche der Einbindung des Kirchwegs und der Gilsastraße.
Um den knappen Zeitplan einhalten zu können, wird der stadtauswärtige Verkehr ab der Kreuzung von Breitscheid- und Aschrottstraße nach rechts über die Aschrottstraße und Kölnische Straße zum Berliner Platz um die Baustelle herumgeleitet. Für den Verkehr in Richtung Innenstadt wird großräumig auf die Sperrung der Gilsa- und der Breitscheidstraße hingewiesen, eine Umleitungsstrecke wird jedoch nicht ausgeschildert.
Mit Beginn der Hauptetappe der Umbaumaßnahme Breitscheid- und Gilsastraße am Montag, 23. August 2010, fahren die Busse der Linien 10 und 110 Richtung Teichstraße und Harleshausen eine Umleitung über die Kölnische Straße. Während der Bauzeit wird eine Bushaltestelle auf der Kölnischen Straße in Höhe der Einmündung Riedeselstraße eingerichtet. In Richtung Innenstadt werden die Busse über die Dag-Hammarskjöld-Straße, Friedrich-Ebert-Straße, Bebelplatz und Bodelschwinghstraße umgeleitet. Diese Route fahren auch die Linien 52, 130 und 500 bereits seit Wochen, wenn sie Richtung Innenstadt unterwegs sind. Mit Beginn der Sperrung fahren diese Linien dann auch von der Innenstadt zum Bahnhof Wilhelmshöhe über Bebelplatz und Friedrich-Ebert-Straße. Während der Umleitung verlängert sich montags bis freitags sowie Samstagvormittag die Fahrzeit der Linie 10 von Harleshausen kommend in die Innenstadt um zirka sechs Minuten. Am Samstagnachmittag und Sonntag verkehrt die Linie 10 bis zu fünf Minuten eher ab der Haltestelle Rasenallee, um den Anschluss am Königsplatz zu erreichen. Von der Innenstadt in Richtung Harleshausen fahren die Busse der Linie 10 jeweils zwei Minuten früher ab, um die Anschlüsse an der Teichstraße sicherzustellen. Details über Fahrwege und Ersatzhaltestellen erhalten Fahrgäste an den betroffenen Haltestellen.
Keine Trams in den Herbstferien
Für Fahrgäste der Straßenbahn ergeben sich bis zu den Herbstferien keine Änderungen. Während der ersten Bauphase können die Trams durch die Baustelle fahren. Erst in der zweiten Bauphase während der Herbstferien, in der die Gleise erneuert werden, wird der Bereich für die Bahnen gesperrt und ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.
Bis Jahresende sollen die wesentlichen Arbeiten abgeschlossen sein, im Frühjahr 2011 erfolgt der Ausbau im Bereich Berliner Platz und Weidlingstraße/Gilsastraße. Die Bauherren bitten die Anwohner und die Verkehrsteilnehmer um Verständnis für die Beeinträchtigungen während der Bauzeit. Informationen über die Busfahrpläne finden Fahrgäste unter www.kvg.de.
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