„Wenn ausgerechnet der CDU-Fraktionsvorsitzende im Leeraner Kreistag, Dieter Baumann, und die Vorsitzende der CDU Borkum, Dr. Monika Harms, fordern, dass der Landkreis jetzt schnellstens die Krankenhausversorgung auf Borkum sicherstellen müsse, kann man das nicht nur mit Kopfschütteln abtun und zur Tagesordnung übergehen“, bewertet Landrat Bernhard Bramlage die jüngsten Entwicklungen. Dr. Harms stehe vor dem Trümmerhaufen ihrer Winkelzüge, so Bramlage, und jetzt besinne sie sich mit dem Beistand von Baumann darauf, dass ja eigentlich der Landkreis Leer zuständig sei. Er sei, so Bramlage, selten mit so vielen undurchsichtigen Winkelzügen, Täuschungen und Unwahrheiten konfrontiert worden, wie bei den Bemühungen des Landkreises und des Klinikums Leer um die Sicherstellung der Krankenhausversorgung auf Borkum.
Als roter Faden durch die kaum noch im Detail darzustellenden vielen Gespräche der letzten Jahre zieht sich nach den Worten von Landrat Bramlage: Geld mitbringen und Risiken übernehmen wollten nur der Landkreis und das Klinikum in Leer. Aber die seien auf Borkum lange Zeit nicht erwünscht gewesen. Stattdessen habe man zunächst auf Emden gesetzt, dann auf private Investoren. Dass diese eher Geld mitnehmen müssen als es mitzubringen, habe man ausgeblendet. Um die Interessen der Bevölkerung sei es dabei nach seinem Eindruck oft nicht mehr gegangen, so Bramlage.
Im Einzelnen: Schon im Sommer 2006 hätten Landkreis und Kreisklinikum Leer ihre Hilfe für eine dauerhafte Lösung der Krankenhausversorgung auf Borkum angeboten. Bei der Vorstellung des gemeinsam mit Bürgermeisterin Kristin Mahlitz entwickelten Konzeptes vor dem Rat habe man die Leeraner Vertreter nach Hause geschickt mit der Frage, wer sie denn überhaupt gerufen habe.
Kurz nach der Erkrankung von Abdulkader Ali hatte Landrat Bramlage wieder das Gespräch mit der Bürgermeisterin und der Ehefrau von Ali gesucht und mit ihnen Möglichkeiten zum Erhalt des Krankenhauses für die Borkumer besprochen. Unterdessen habe sich Dr. Monika Harms weiter für eine Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus in Emden stark gemacht. Aber spätestens bei einer großen Besprechung beim Landkreis Leer im Januar 2010 sei deutlich geworden: Das Emder Krankenhaus stand vor den gleichen Problemen, wie alle anderen auch – die Sicherstellung einer ausreichenden und dauerhaften ärztlichen Versorgung, die fehlende Verfügungsmöglichkeit über den Kassenarztsitz von Ali, seine fortbestehende Trägerschaft für das Krankenhaus und ein ungekündigter Mietvertrag über das Krankenhaus zwischen Ali und der Stadt Borkum. Investitionen waren nicht geplant, und ins finanzielle Risiko wollte Emden auch nicht gehen.
„Landkreis Leer und Kreisklinikum waren aber offenbar noch immer nicht erwünscht“, resümiert Bramlage. Die weitere Entwicklung sei abenteuerlich: Im Februar hätten Landkreis und Kreisklinikum in einem Gespräch auf Borkum mit Bürgermeisterin Mahlitz und Dr. Harms den Einstieg in das Krankenhaus auf Borkum angeboten. Dr. Harms habe indes weiterhin den Weg mit der LADR favorisiert, und schon wenige Tage später habe sie dem Landrat telefonisch mitgeteilt, dass man sich geeinigt habe. Aber schon Ende März seien Landkreis und Bürgermeisterin in einer Besprechung mit ganz unterschiedlichen Darstellungen über den Stand der Verhandlungen zwischen Ali, LADR und Dr. Harms konfrontiert worden, während die Beteiligten weiterhin so getan hätten, als sei alles auf einem guten Weg.
Landkreis und Kreisklinikum warteten weiterhin vergeblich auf die seit September 2009 erbetenen Angaben zum Krankenhausbetrieb, um an einer konkreten Lösung für Borkum arbeiten zu können. Ende Juli besuchte Landrat Bramlage Abdulkader Ali, um den aktuellen Sachstand zu erfahren. Dabei habe sich, so Bramlage, das Scheitern der Gespräche mit der LADR GmbH bereits abgezeichnet, und Mitte August sei ihm das dann auch bestätigt worden.
„Es muss nun endlich Schluss sein mit den Winkelzügen zu Lasten der Menschen auf Borkum“, fordert Landrat Bramlage. Es sei Zeit für eine öffentliche Entschuldigung von Dr. Monika Harms. Und für die Forderung nach mehr Transparenz sei Dr. Harms ebenfalls die richtige Adresse.
Wieder, so Landrat Bramlage, sei auf Borkum fast ein Jahr vertan worden: Seit mehr als einem Jahr sei Ali erkrankt, und als Kassenarzt könne er sich nur begrenzte Zeit vertreten lassen. Eine Nachfolgelösung gebe es noch immer nicht, und für das Krankenhausgebäude gebe es einen ungekündigten Mietvertrag mit der Stadt bis Ende 2011. Auf die daraus resultierenden Probleme für jeden, der die Krankenhausversorgung sicherstellen wolle, habe der Landkreis schon 2006 und zuletzt Ende 2009 deutlich hingewiesen. Und die seien selbst für Laien offensichtlich.
Gegenüber Ali, so Bramlage, habe er die Rahmenbedingungen für konkrete Verhandlungen und eine mögliche Übernahme des Krankenhausbetriebs kürzlich noch einmal sehr deutlich formulieren müssen. Jetzt erst gingen endlich Unterlagen beim Kreisklinikum ein, um die man seit einem Jahr gebeten habe.
Und deutlich müsse er auch sagen, so Bramlage, dass der Landkreis Leer jetzt nicht von heute auf morgen eine dauerhafte Lösung aus dem Hut zaubern könne, nachdem man über Jahre kein Interesse an einem Engagement des Landkreises gehabt habe. Und an den hauptsächlichen Hindernissen habe man vor Ort bis heute nichts geändert: Ali habe wichtige Schlüssel in der Hand und die Stadt mit ihm bis 2011 einen noch immer ungekündigten Pachtvertrag.
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