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| Pressemitteilung vom 09. September 2010 |
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Bisher noch kein Grund zur Entwarnung für Pferdehalter Ahnatal/Kreis Kassel. Das Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Kassel sieht für eine mögliche weitere Verbreitung der Ansteckenden Blutarmut bei Pferden im Landkreis Kassel noch keinen Grund zur Entwarnung. Bisher wurden die 40 Pferde der Pferdehaltung, in der die Krankheit ausgebrochen war, sowie 41 Pferde der Brückenmühle in Ahnatal-Weimar untersucht. „Wir haben Glück gehabt und bisher keine weiteren Erkrankungen feststellen können“, teilt Veterinäramtsleiterin Dr. Sabine Kneißl mit. Allerdings können sich Pferde, die Kontakt mit dem erkrankten Pferd hatten, aufgrund der langen Inkubationszeit angesteckt haben, ohne dass in den gezogenen Blutproben Antikörper nachgewiesen werden konnten. Da die Inkubationszeit mehrere Monate betrage, werden bei allen Pferden des Sperrgebietes in den nächsten Wochen mehrere auf einander folgende Blutuntersuchungen durchgeführt, um so ein abschließendes Ergebnis zu erhalten. Bis zu diesem Zeitpunkt dürfen keine Pferde aus dem Sperrgebiet heraus und keine hinein. Der Landkreis Kassel hatte am Dienstag für die westlich der Rasenallee (Landesstraße 3217) gelegenen Gebiete der Gemeinde Ahnatal ein Sperrgebiet verhängt. „Das an Ansteckender Blutarmut erkrankte Pferd ist mittlerweile eingeschläfert – die Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen im betroffenen Reiterhof sind erfolgt“, berichtet die Amtstierärztin. Für die Veterinärverwaltung des Kreises, die durch das zuständige Dezernat des Regierungspräsidiums Kassel tatkräftig unterstützt wird, sei die Ermittlung der Pferde, die Kontakt mit dem erkrankten Pferd hatten, sehr aufwändig. Dr. Kneißl: „Da das infizierte Pferd bereits seit Mitte April im Landkreis war und gerade während der Weidesaison die Tiere häufig ihren Standort wechseln, suchen wir intensiv nach weiteren möglichen Kontaktpferden“. Es werde daher auch dazu kommen, dass Pferde außerhalb des Sperrgebiets untersucht und Pferdehaltungen beobachtet werden. Aktuell betreffe dies Pferdehaltungen in Espenau und Vellmar. Nicht auszuschließen sei, dass noch weitere, nicht amtlich bekannte Pferde illegal von Rumänien nach Deutschland gebracht wurden. Das Veterinäramt bittet daher alle Pferdehalter von aus Rumänien eingeführten Pferden, sich umgehend mit dem Amt in Verbindung zu setzen. Dr. Kneißl weist nochmals darauf hin, dass die Ansteckende Blutarmut eine Viruserkrankung von Pferden und anderen Einhufern und für Menschen nicht gefährlich ist. In Deutschland komme diese Pferdekrankheit „zum Glück nur sporadisch“ vor. Auslöser waren bislang immer importierte Tiere. Ansteckende Blutarmut verlaufe in der häufigsten Form ohne klinische Symptome. „Die Tiere zeigen keine Auffälligkeiten – durch Stressfaktoren kann sich dies allerdings ändern“, informiert Dr. Kneißl. Tiere, die symptomlos erkranken, sind lebenslang Träger des Virus und eine ständige Ansteckungsgefahr für andere Pferde, Esel, Maultiere oder Maulesel. Erkrankte Tiere mit Symptomen haben hohes Fieber, punktförmige Blutungen, Muskelschwäche oder Schwellungen. Auch plötzliche Todesfälle ohne vorherige Anzeichen seien ein Hinweis auf Ansteckende Blutarmut. Müdigkeit, Leistungsabfall, Abmagerung und Blutarmut sind chronische Symptome der Krankheit. Das Virus vermehrt sich ausschließlich in bestimmten Blut- und Abwehrzellen. Einmal infizierte Tiere beherbergen das Virus lebenslang. Grund dafür ist die ständige Änderung der Oberflächenstruktur des Virus, das sich auf diese Weise einer „Immunantwort des Körpers und damit einer wirksamen Bekämpfung entzieht“, so Dr. Kneißl weiter. Wichtige Überträger sind blutsaugende Insekten: hauptsächlich Bremsen, weniger Mücken und Stechfliegen. Das Virus vermehrt sich in den Insekten nicht. Die zur Infektion notwendige Virusmenge wird durch mehrmaliges Stechen erreicht. Die Erkrankung ist daher im Wesentlichen an das Vorkommen der Insekten gebunden und tritt gehäuft im Sommer in der Nähe von Bächen, Seen und in Feuchtgebieten auf. Dr. Kneißl: „Einen weiteren Übertragungsweg stellen mit Blut kontaminierte Instrumente dar, Infektionen sind auch über den Deckakt, bei Fohlen im Mutterleib oder über die Milch möglich“. Das Kreisveterinäramt rate daher allen Pferdehaltern Mittel anzuwenden, die Insekten vom Pferd fernhalten (sogenannte Repellentien). Auf Weiden und Paddocks ist stehendes Wasser zu vermeiden. „Hier ist es besser Wasserwagen zu verwenden, als offene Tränkbehälter – außerdem ist eine gute Drainage wichtig“, empfiehlt Dr. Kneißl. Vermieden werden sollte der gemeinsame Gebrauch von Sattelzeug und Bürsten. Pensionsstallbetreiber sollten auf die Durchführung von Bluttests mit entsprechender Dokumentation im Pferdepass vor Neuanstallungen bestehen. Die Ansteckende Blutarmut ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Tiere mit unklaren Symptomen sollten sofort dem Haustierarzt vorgestellt werden. Bei Seuchenverdacht ist das zuständige Veterinäramt unverzüglich zu benachrichtigen. Erkrankte Tiere müssen eingeschläfert werden, da eine Therapie oder eine Impfung weder möglich noch erlaubt ist. „Jeder Pferdebesitzer muss sein Tier bei der hessischen Tierseuchenkasse melden – dort gibt es unter bestimmten Voraussetzungen Entschädigungszahlungen“, weist Dr. Kneißl abschließend auf eine weitere Vorgabe hin. Für Nachfragen und zur weiteren Information für Pferdehalter und –besitzer hat das Kreisveterinäramt ein Info-Telefon unter der Nummer 05692/987-3302 eingerichtet, die von Montag bis Freitag von 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr von einem Tierarzt besetzt ist. Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn |
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