20. Oktober 2010. Der bauliche Zustand des Freibades in Bad Wilhelmshöhe ist schlechter als befürchtet. Das hat Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel gestern Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung und der Presse bekannt gegeben. Der ursprüngliche Sanierungsbedarf wurde im Jahr 2008 von der durch die Stadt Kassel beauftragte Firma mit 3,15 Millionen Euro - allerdings ohne die Projektbestandteile Parkplatz und Cafe - beziffert. Nach der im Zuge der Vorplanung durchgeführten Kostenschätzung der Städtische Werke AG belaufen sich die Gesamtkosten für eine Sanierung auf 6,1 Millionen Euro. Eine mögliche Alternative sei laut Norbert Witte, KVV-Geschäftsführer und bei der Städtische Werke AG für die Bäder verantwortlich, ein Neubau. Die Entscheidung liege aber bei der Kasseler Stadtverordnetenversammlung, ob ein Neubau anstelle der ursprünglich geplanten Sanierung realisiert werde.
Die Städtischen Werke als Betreiber des Bades haben von Herbst 2009 bis Frühjahr 2010 die vorhandene Bausubstanz eingehend untersucht und unter anderem Probebohrungen am Beton von der amtlichen Materialprüfanstalt bei der Universität Kassel untersuchen lassen. Das Ergebnis: Die Bausubstanz hat in den vergangenen Jahren mehr gelitten als angenommen. Es mussten bereits Teile der Umkleideräume schon in diesem Sommer provisorisch abgestützt und gesperrt werden. Dr. Barthel zu der Differenz der Kosten: „Viele der Schäden konnten bei der 2008 durchgeführten Untersuchung nicht aufgedeckt werden. Kosten wie für die Instandsetzung des Parkplatzes oder das Café waren nicht Bestandteil der Betrachtung. Ein wesentlicher Kostenpunkt ist das Schwimmerbecken. Die Materialuntersuchung des Beckens konnte erst erfolgen, nachdem das Wasser zum Ende der Freibadsaison abgelassen war. Sie hat ergeben, dass das Becken nicht mehr tragfähig ist. Das bedeutet, eine Sanierung durch ein eingehängtes Edelstahlbecken ist nicht möglich. Das Becken muss vielmehr grundsaniert werden, was erheblich teuerer ist.“
Zurzeit untersucht die KVV Bau- und Verkehrs-Consulting Kassel GmbH (KVC), die Planungsgesellschaft der KVV, einen möglichen Neubau an gleicher Stelle. „Erstes Ergebnis: Ein Neubau kann günstiger realisiert werden als eine Sanierung des Bestandes. Was letztlich umgesetzt wird, ist aber noch völlig offen. Die Entscheidung muss von der Stadtverordnetenversammlung getroffen werden“, so Witte von den Städtischen Werken. Da Sanierungen zudem aller Erfahrung nach von den Plankosten eher nach oben abweichen würden als Neubauten, sei ein neues Bad eine Alternative, die aus wirtschaftlichen Gründen zumindest ernsthaft geprüft werden müsse.
Den ursprünglichen Planungen nach wäre der Startschuss zur Sanierung bereits in diesem Herbst gefallen, Wiedereröffnung wäre zum Beginn der Freibadsaison 2011 gewesen. Jetzt ist vorgesehen, das Bad wie üblich zum Beginn der Freibadsaison 2011 zu öffnen, in der notwendigen Gründlichkeit die Entwurfsplanung vorzunehmen und im Herbst 2011 mit einem möglichen Neubau oder einer Sanierung zu beginnen.
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