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Magdeburg, 19. Oktober 2010
Panoramatafeln auf dem Südturm der Johanniskirche feierlich eingeweiht

Ottostadt Magdeburg.

 

 

Der Südturm der Johanniskirche ist seit heute für Magdeburger und Touristen noch attraktiver: Das Kuratorium für den Wiederaufbau der Johanniskirche hat auf der Aussichtsplattform Panoramatafeln installieren lassen, die in alle Himmelsrichtungen auf Sehenswürdigkeiten Magdeburgs und markante Punkte des Umlandes hinweisen. Finanziert wurden die Tafeln aus Spenden.

 

Das Kuratorium beauftragte den Magdeburger Diplom-Designer Ernst Albrecht Fiedler mit dem Entwurf und der Gestaltung der Panoramatafeln. Durch intensive Konsultationen mit dem Hochbauamt der Stadt, Vertretern der Stadtführer, der Unteren Denkmalbehörde und dem Vermessungsamt entstanden Entwürfe für die einzelnen Segmente. Da die Panorama-Informations-Tafeln die Fortsetzung des Touristischen Leit- und Wege Systems im weitesten Sinne darstellen, hat das Kuratorium auch mit dem Dezernat Wirtschaft, Tourismus und regionale Zusammenarbeit  erfolgreich und konstruktiv  zusammengearbeitet

 

Die Panoramatafeln wurden an der Balustrade der Aussichtsplattform auf dem Südturm angebracht. Sie informieren über 101 Nahziele, wie z.B. das Gebäude des Landtags von Sachsen-Anhalt, die Magdeburger Häfen, das Fußballstadion (MDCC-Arena), die Bördelandhalle, den Elbauenpark u. a. Aber auch viele Stadtteile werden bezeichnet und sind optisch nachvollziehbar.

 

Mit 37 Fernzielen, die teilweise mit Entfernungsangaben belegt sind, werden die Informationen vervollständigt, wobei neben Städten wie Halle, Braunschweig, Berlin u. a. auch der Brocken gekennzeichnet ist.

 

Auch Besonderheiten, wie die Optische Telegrafenlinie Berlin-Koblenz, deren Signalmast einst auf dem Dach der Johanniskirche stand und als Station 14 die Signale zu den Stationen Biederitz und Hohendodeleben übermittelte, werden angegeben.

 

Die Panoramatafeln bestehen aus Edelstahl, die mit speziellen Befestigungsklammern auf die Balustrade aufgesetzt sind. Die Umsetzung der entworfenen Grafiken (ähnlich einer Schwarz-Weiß-Darstellung) erfolgte durch Lasertechnik.

 

Finanziert wurden die Panoramatafeln durch Spenden. Das Kuratorium zum Wiederaufbau der Johanniskirche dankt allen, die die Gestaltung und Herstellung der Tafeln unterstützt haben, insbesondere den Firmen Busse Bau, K+S Kali-Werk Zielitz sowie Gerling & Rausch, der MWG Wohnungsgenossenschaft Magdeburg, weiteren beteiligten Unternehmen und vielen Privatleuten.    

 

Hintergrund

Das Gotteshaus St. Johannis steht für rund 1.000 Jahre wechselvolle Geschichte Magdeburgs, wenn man die romanische Vorkirche einbezieht. St. Johannis war die Kirche der Kaufleute. 941 wird auf dem Plateau am Bürgermarkt eine Volkskirche erwähnt. Entsprechend den Sitten der Zeit wurde diese Kirche um 1170 dem Schutzheiligen Johannes dem Evangelisten anvertraut.

 

Fünfmal zerstört und fünfmal wiederaufgebaut, stieg die älteste Rats- und Pfarrkirche der ehemals großen und reichen Stadt Magdeburg zum Symbol des Lebenswillens ihrer Bürgerschaft auf.

 

Nach Bitten der zur Reformation geneigten Ratsmitglieder begab sich Dr. Martin Luther um 1524 nach Magdeburg. In der Johanniskirche hat er am 26. Juni 1524 gepredigt "Über die falsche und wahre Gerechtigkeit" - ein Schulbeispiel für die Kraft des Wortes, denn diese Predigt war Ausgangspunkt für den Übergang Magdeburgs zum Protestantismus. Die Türen und Fenster der Kirche mussten geöffnet werden, da nicht alle Gläubigen Einlass fanden. Hunderte Magdeburger standen vor dem Gebäude, um Luthers Predigt zu hören.

 

Schon 1530 trat Magdeburg in den Schmalkaldischen Bund zur Verteidigung der Reformation ein. Seit der Reichsacht von 1547 war die Stadt einer der Mittelpunkte der protestantischen Opposition, Magdeburg war "Unseres Herrgotts Kanzlei" – wie Wilhelm Raabe es später ausdrückte. Dafür zahlte die Stadt 1631 einen hohen Blutzoll: Als Tillys Truppen die Stadt in Schutt und Asche legten, fiel auch die Johanniskirche.

 

Der Wiederaufbau nach dem 30-jährigen Krieg wurde maßgeblich von einem bedeutenden Bürger mitgestaltet - dem Naturforscher und Diplomaten Otto von Guericke. Er war nicht nur über 50 Jahre Ratsmitglied der Stadt, sondern drei Jahrzehnte ihr Bürgermeister. Otto von Guericke heiratete mit Margarete Alemann in eine der ältesten Magdeburger Ratsfamilien ein und beide Familien erwarben ein Erbbegräbnis in der bedeutendsten Reformationskirche der Stadt.

 

Am 16. Januar 1945 teilte die Johanniskirche abermals das Schicksal ihrer Stadt. Sie fiel dem Bombenhagel zum Opfer. Nach dem Krieg retteten notdürftige Sanierungsmaßnahmen die Kirche, die eigentlich abgerissen werden sollte. Als Mahnmal ragte die Johanniskirche jedoch mit anderthalb Türmen und dem Kirchenschiff ohne Dach über 50 Jahre in die Stadtsilhouette - vergleichbar dem Schicksal der Dresdner Frauenkirche.

 

Am 13. Dezember 1990 wurde auf der 8. Sitzung der ersten frei gewählten Stadtverordnetenversammlung nach der Wiedervereinigung Deutschlands der Beschluss zum Wiederaufbau der Johanniskirche gefasst. Am 16. Januar 1991, am Tag des Gedenkens der zweiten Zerstörung Magdeburgs, gründete sich das Kuratorium für den Wiederaufbau der Johanniskirche. Am 2. Oktober 1999 konnte die wieder aufgebaute Johanniskirche feierlich eingeweiht werden. Der Wiederaufbau kostete 20,2 Mio. DM und wurde zu 80 % vom Land Sachsen-Anhalt gefördert. Die Kirche wird heute als Kulturhaus für Konzerte, Ausstellungen, Tagungen, Ehrungen und kirchliche Veranstaltungen genutzt.

 

Auch über die feierliche Einweihung der wieder aufgebauten Johanniskirche hinaus hat sich das Kuratorium für den Ausbau der Johanniskirche engagiert, z.B. für die Erneuerung des Südturmes, dessen Vollendung durch das Aufsetzen der Spitze am 27. Januar 2004 gekrönt wurde. Seit 2008 erklingen die Glocken im Nordturm wieder, das Kuratorium hatte die Erneuerung des Glockenstuhles und die Reparatur der Glocken durch Spenden ermöglicht.



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