Bocholt, 28. Oktober 2010
IPZ-Europapreis für Bocholt
"mini-mayor" in Rossendale und "Was heißt hier Frieden?"
Bocholt (pd).
Wenn Bocholts Bürgermeister Peter Nebelo am 6. November 2010 ins hessische Riedstadt reist, darf er in einer Art Doppelfunktion einen der drei Europapreise des INSTITUTS FÜR EUROPÄISCHE PARTNERSCHAFTEN UND INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT e. V. (IPZ) in Empfang nehmen.
"Das IPZ zeichnet die Stadt Bocholt", so Dietmar Woesler, Leiter des Instituts, "für die herausragende Partnerschaftsarbeit und ein besonderes Jugendprojekt aus." Beworben hatte sich die Stadt Bocholt mit der Jugendbegegnungsmaßnahme an der hiesigen Hohe-Giethorst-Schule sowie mit einem Projekt, in dem es um den Austausch von Auszubildenden zwischen den Partnerstädten geht.
Die Stadt Bocholt hatte im letzten Jahr eine Auszubildende im Rahmen eines Projekts für eine Woche in die englische Partnerstadt Rossendale gesandt.
Maximiliane Spickermann war im Oktober 2009 im Rahmen ihrer Ausbildung als Veranstaltungskauffrau bei der Stadt Bocholt in der englischen Partnerstadt. Dort arbeitete sie im Büro des Bürgermeisters und lernte z. B. die dortigen repräsentativen Aufgaben kennen. Außerdem organisierte sie ein Projekt mit, das an einem Tag den Kindern und Jugendlichen in Rossendale die Arbeit der Kommunalpolitiker näher bringen sollte. Seitdem gibt es nun in Rossendale einen "mini-mayor". Ein 12jähriger Junge ist - genauso wie der große Bürgermeister - mit Kette und Amtsrobe ausgestattet und begleitet den "großen" Bürgermeister bei den repräsentativen Aufgaben, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Für dieses Projekt erhält die Stadt Bocholt den Europapreis 2010 der IPZ.
Den Schwerpunkt für die diesjährige Auszeichnung legt das IPZ auf das besondere Jugendprojekt der Hohe-Giethorst-Schule, das unter dem Motto "Was heißt hier Frieden?" verschiedene Schulen aus Deutschland, Polen, Litauen und den Niederlanden an einen Tisch brachte. 65 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs präsentierten die Hohe-Giethorst-Schule und die Stadt Bocholt bis zum 12. Mai 2010 die Schulausstellung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.: "Was heißt hier Frieden?" in der Hohe-Giethorst-Schule. Im Rahmen dieser Ausstellung kamen auch Schülergruppen der Partnerschulen aus Sobotka/Polen, Akmene/Litauen und Doetinchem/Niederlanden vom 26.-30. April 2010 nach Bocholt. Gemeinsam mit ihren deutschen Gastgebern machten sich die jungen Leute Gedanken zu der Frage, was eigentlich Frieden heißt. Unterstützung fanden die Organisatoren bei diesem Projekt von zwei Künstlern sowie dem Leiter der Freizeitanlage am Aasee, Klaus Kriebel. Annemarie Siemen erarbeitete mit den Schülergruppen ein gemeinsames Kunstprojekt, um sich der Thematik zu nähern. Der Bocholter Musiker und Produzent Volker Leson kreierte mit den Schülerinnen und Schüler aller vier Nationen einen Song zum Thema Völkerverständigung. Dieses Lied wurde anschließend in seinem Tonstudio in den Sprachen deutsch, polnisch, litauisch und niederländisch eingesungen und auf eine CD gebrannt. Die Schülergruppen gestalteten gemeinsam für die CD das entsprechende Titelbild. Die Ausstellung des Volksbundes möchte Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräfte anregen, die Themen Krieg, Gewalt, Versöhnung und Verständigung im Unterricht zu behandeln. Besonders die deutsch-niederländischen Jugendbegegnungen der Hohe-Giethorst-Schule auf dem Soldatenfriedhof im niederländischen Ysselsteyn haben in den letzten Jahren immer wieder gezeigt, wie schwierig es manchmal sein kann, auf dem Friedhof des ehemaligen Gegners gemeinsam über Frieden nachzudenken.
Für die erkrankte Städtepartnerschaftsbeauftragte Petra Taubach wird ihre Kollegin Hildegard Schröer-Martini Bürgermeister Nebelo begleiten.
Hintergrund:
1996 und 2008 wurde der Stadt Bocholt für herausragende Partnerschaftsaktivitäten der IPZ-Europapreis verliehen.