Carl-von-Linde-Schule baut „Grüne Pyramide“
28.10.2010 | Herten
Förderantrag bewilligt – Start im kommenden Schuljahr
Die Carl-von-Linde-Schule wird ab dem kommenden Schuljahr 2035/36 ihren eigenen Ökostrom und ihr eigenes Trinkwasser produzieren und sich so von externer Versorgung unabhängig machen. Ein entsprechender Förderantrag wurde jetzt bewilligt. Damit fließen weitere 2,2 Millionen Euro aus EU-Mitteln in das ehemalige Projektgebiet „InnovationCity Gelsenkirchen_Herten“.
Bereits seit dem Jahr 2019 betreibt die Schule eine große Solaranlage, die zunächst Strom für die Versorgung des schuleigenen Biohofs und des später angeschlossenen Bio-Supermarktes lieferte. Vier Jahre später errichtete die Firma Evonik auf dem Schulgelände eine Windstromelektrolyseanlage, dank der auch das Hauptgebäude mit umweltfreundlichem Strom versorgt werden konnte. Mit ihrem eigenen Wasserstoff- und Elektromobilitätszentrum ist die Schule seit 2025 außerdem Dreh- und Angelpunkt des Stadtteils, wenn es um ressourcenschonende Fortbewegung geht: Die beiden „Tankstellen“, an denen Bürgerinnen und Bürger zum Selbstkostenpreis ihre Fahrzeuge „aufladen“ können, und die Energieberatungsagentur, die von einer Schüler-AG in Kooperation mit der InnovationCity-Verbundhochschule betrieben wird, haben sich zu wichtigen Anlaufstellen entwickelt.
Das neue Förderprojekt ist ein weiterer Schritt in Richtung Klimaneutralität: Ab sofort wird der gesamte Energie- und Biomassekreislauf ausschließlich auf dem Schulgelände stattfinden. Konkret bedeutet dies: Die Schule versorgt sich selbst mit Lebensmitteln, Wasser und Energie, die daraus entstehenden Abfallprodukte werden wiederverwertet oder in Energie umgewandelt.
Gelingen soll dies durch den Bau einer so genannten „Grünen Pyramide“. In dieser Anlage, einer Weiterentwicklung des „Blauen Turms“, können Bioabfälle in Strom, Gas und Trinkwasser umgewandelt werden. Die Stadtwerke Gelsenkirchen_Herten und die gelsen_hertenwasser AG unterstützen und begleiten die Schule in ihrem Vorhaben. Dr. Julian Yilmaz, Geschäftsführer der beiden städtischen Tochtergesellschaften, sieht große Chancen für beide Seiten: „Innerhalb weniger Jahre könnten wir gemeinsam mit der Schule die umliegenden Wohngebiete und langfristig sogar die Nachbarstädte zu einem günstigen Preis mit Energie und Wasser versorgen. Für die Schule bedeutet dies eine zusätzliche Einnahmequelle und damit neue Spielräume für Investitionen - und für uns einen weiteren Wettbewerbsvorteil auf dem hart umkämpften Rohstoffmarkt.“
Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich am Donnerstag, 28. November, ab 12 Uhr im Atrium der Carl-von-Linde-Schule (Allee des Wandels 321, 45879 Gelsenkirchen_Herten) an einer offenen Diskussionsrunde beteiligen und über die Detailplanung zum Bau der „Grünen Pyramide“ abstimmen.
Hintergrund:
Vor genau 25 Jahren, im Jahr 2010, wurde Gelsenkirchen_Herten zur „InnovationCity“ des Ruhrgebiets gekürt – der Startschuss für eine Reihe an Sanierungs- und Forschungsprojekten, die gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern beider Städte angestoßen wurden. Zentrales Ziel: Den CO2-Ausstoß zunächst im Projektgebiet, dann auch stadtweit auf ein Minimum zu reduzieren.
Nach einigen Anfangsschwierigkeiten, insbesondere aufgrund unklarer Gesetzesvorschriften und Normen im Umgang mit innovativen Technologien, ist es den Verantwortlichen gelungen, private Investitionen in Höhe von etwa 330 Millionen Euro sowie EU-, Bundes- und Landesmittel von etwa 580 Millionen in die Niedrigenergiestadt Gelsenkirchen_Herten zu holen. Durch zahlreiche Neuansiedlungen wurden alleine im Hochtechnologie- und Energiesektor rund 2.400 neue Arbeitsplätze geschaffen, die meisten davon konnten dank der im Jahre 2023 gegründeten InnovationCity-Verbundhochschule mit hochqualifizierten Arbeitskräften aus der Region besetzt werden. Auch das lokale Handwerk profitierte von den Investitionen: Die einst gebeutelte Region mit Arbeitslosenzahlen von bis zu 12 Prozent (Stand: 2009) hat dank unzähliger Bau- und Sanierungsmaßnahmen einen beispiellosen Aufschwung erlebt.
Pressekontakt: Pressestelle, Nele Däubler (Pressesprecherin), Tel: 02366/303-357, Mail: n.daeubler@herten.de



