Fünf weitere Stolpersteine erinnern an das Schicksal Magdeburger Opfer des Nationalsozialismus
Erinnerungsmale werden nächste Woche verlegt
Zum elften Mal werden in Magdeburg Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus gesetzt. Der Arbeitskreis "Stolpersteine für Magdeburg" verlegt gemeinsam mit Angehörigen der Opfer sowie Spendern dieser Erinnerungsmale am kommenden Donnerstag fünf neue Stolpersteine. Interessierte Magdeburgerinnen und Magdeburger sind eingeladen, an den Einweihungen teilzunehmen und der Opfer zu gedenken.
"Mit den neuen Stolpersteinen erinnern wir an das individuelle Schicksal von Magdeburgerinnen und Magdeburgern, die während der NS-Zeit deportiert und ermordet wurden", so Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper. "Wir gedenken damit ehemaliger Mitbürger und setzen ein weiteres Zeichen gegen das Vergessen der Nazidiktatur in unserer Stadt."
Drei der fünf neuen Stolpersteine sind den von den Nationalsozialisten ermordeten Sozialdemokraten Ernst Lehmann, Ernst Wille und Adolf Jentzen gewidmet. Die beiden anderen Stolpersteine erinnern an Paul W. Karl Juhe und Paul Klotz, die wegen ihrer Homosexualität getötet wurden.
Die fünf Stolpesteine werden am Donnerstag in folgender Reihenfolge verlegt: Für Ernst Lehmann (12.30 Uhr, Neustädter Straße/Höhe Faßlochsberg), für Ernst Wille (ca. 13.00 Uhr, Coquistraße 4/Ecke Klosterbergestraße 30), für Adolf Jentzen (ca. 13.45 Uhr, Große Schulgasse 10a), für Paul W. Karl Juhe (ca. 15.45 Uhr, Jakobstraße/Höhe Peterstraße) und für Paul Klotz (ca. 16.05 Uhr, Große Steinernetischstraße/Höhe Bushaltestelle).
Mit der Verlegung der neuen Stolpersteine steigt die Gesamtzahl dieser Erinnerungsmale im Stadtgebiet auf nunmehr 210. In die Messingoberfläche sind die Namen und biografischen Daten der Opfer, der Zeitpunkt der Deportation und der Deportationsort eingraviert. Seit 1997 setzt der Kölner Künstler Gunter Demnig diese zehn mal zehn Zentimeter großen Betonquader mit eingelassener Messingplatte in den Boden vor ehemalige Wohnhäuser und Wirkungsstätten von Opfern des Nationalsozialismus.
Finanziert werden die Erinnerungsmale ausschließlich durch Spenden. "Die Bereitschaft, mit Spenden die Patenschaft für die Stolpersteine zu übernehmen, verdient Dank und Anerkennung. Je mehr Menschen dieses Projekt mit einer Spende unterstützen, umso mehr Steine können weiterhin verlegt werden", wirbt Dr. Lutz Trümper gleichzeitig auch für die künftige Unterstützung in der Bürgerschaft.
Ein Stein kostet 95 Euro. Hinzu kommen 25 Euro für die Dokumentation in einem "Magdeburger Gedenkbuch", das möglichst viele Angaben über Leben und Schicksal der 210 ermordeten Menschen aufnimmt. Das Buch wird zusammengetragen von Vereinen, Initiativen, Schulklassen und Einzelpersonen und widmet sich der Spurensuche nach dem Lebensweg der Ermordeten. Die einzelnen Gedenkblätter werden von dem Magdeburger Designer Ernst Fiedler gestaltet. Nach dem 11. November werden auch die neuen Blätter im Gedenkbuch zu sehen sein. Aufbewahrt wird das Buch im Eike-von-Repgow-Saal des Alten Rathauses.
Weitere Spenden für künftige Verlegungsaktionen von Stolpersteinen können auf das Konto 140 00 101 bei der Stadtsparkasse Magdeburg (BLZ: 81053272) überwiesen bzw. eingezahlt werden. Als Verwendungszweck muss dabei unbedingt die Ziffernfolge 0.54100.050014.3 angegeben werden.
Für Fragen und weitere Informationen zu den Stolpersteinen stehen die Mitarbeiter des Kulturbüros der Stadtverwaltung unter der Rufnummer 5 40 21 34 zur Verfügung.
Unter www.magdeburg.de/media/custom/698_9280_1.PDF findet man einen regelmäßig aktualisierten Stadtplan mit den Verlegeorten der Stolpersteine.
Hintergrundinformationen
Der Magdeburger Stadtrat hat 2005 auf Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen beschlossen, sich der Möglichkeit des Erinnerns und Gedenkens durch so genannte Stolpersteine vor Hauseingängen und auf Gehwegen anzuschließen, von denen es mehr als 10.000 in über 190 Städten und Gemeinden Deutschlands gibt.
Eine Arbeitsgruppe, der neben der Stadtverwaltung und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auch die Vereine "Miteinander e.V." und "Förderverein Neue Synagoge Magdeburg e.V." sowie das Ökumenische Domgymnasium angehören, haben Informationen über die Personen zusammengetragen, denen die neuen Stolpersteine gewidmet sind.
Weitere Informationen über die Stolpersteine in der Landeshauptstadt Magdeburg sind im Internet unter www.magdeburg.de zu finden.
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