Bocholt, 19. November 2010
Bocholter diskutieren Perspektiven des Einzelhandels
Bocholt (pd).
Bekanntlich wird das Bocholter Einzelhandelkonzept aktualisiert. Deshalb trafen sich am Montag und am Dienstag im Rathaus Kaufleute, Kommunalpolitiker und Bürger, um in einer „Innenstadt-Werkstatt“ und einer „Nahversorgungs-Werkstatt“ über die Entwicklung des Bocholter Einzelhandels zu diskutieren.
Im Vorfeld waren von der Firma CIMA GmbH, Köln, Standortanalysen und Haushaltsbefragungen durchgeführt worden. In diesen Untersuchungen wurde festgestellt, dass Bocholt ein Standort mit großem Kaufkraftzuwachs von außen ist und die Mehrzahl der Bocholter mit dem Angebot zufrieden ist.
Zur Situation in der Innenstadt erkärte Projektleiter Michael Karutz von der CIMA, zwar habe der Abzug von Sinn-Leffers und Hertie Spuren hinterlassen, aber neue Ansiedlungen und Umstrukturierungen in der Innenstadt seien gute Entwicklungen. Insbesondere die Nordstraße habe einen großen Schritt nach vorne gemacht. Sein Fazit: die Einkaufsstadt Bocholt sei ein „bärenstarker Standort“ aber, so Karutz: „Um in der Champions League zu spielen, müssen wir noch an einigen Stellschrauben drehen.“ Er empfahl, weiter an der Qualität zu feilen und nicht an der Quantität. Das Image und der Wohlfühlfaktor der Stadt seien wichtige Standortfaktoren. Die unterschiedlichen Quartiere in der Bocholter Innenstadt bezeichnete Karutz als „Puzzleteile eines großartigen Gesamtbildes“. Ziel der verschiedenen Quartiere müsse es sein, eigene Identitäten zu entwickeln und gemeinsam zu handeln. Die Notwendigkeit, ein Gesamtmarketingkonzept für Bocholt zu entwickeln, betonte auch Arkaden-Manager Thorsten Schulze.
Ein wichtiges Fazit der Innenstadt-Workshops war, so Stadtplanerin Andrea Döring, „dass die Straßen weiter daran arbeiten wollen, die Lageprofile der einzelnen Straßen herauszuarbeiten.“
Um verlässliche Daten über die Nahversorgung zu bekommen, war das Stadtgebiet in acht Siedlungsräume aufgeteilt worden. Im Rahmen der Haushaltsbefragung hatten die Bocholter ihren Nahversorgungsbereich mit Schulnoten beurteilt. Die meisten Bocholter waren mit der Situation in ihrem Ortsteil zufrieden. So erhielten sieben Siedlungsräume Noten von 1,9 bis 2,74. Lediglich Barlo hatte bei der Befragung mit einer Note von 4,07 abgeschnitten.
In der „Werkstatt Nahversorgung“ diskutierten 90 Bocholter über konkrete Maßnahmen für die einzelnen Siedlungsräume.
Hier die wichtigsten Ergebnisse in Kürze:
Stenern und Giethorst
Die Teilnehmer der Gruppe Stenern/Giethorst bemängeln, dass die Edeka-Märkte am Platanenweg und dem Robert-Koch-Ring unzureichend und zu eng sind. Sie wollen die alten Standorte als Grund-/Minimalversorgung erhalten und fordern einen neuen Nahversorgungsstandort in Stenern (am Krankenhaus).
Lowick
Die Lowicker sehen die Versorgung mit Discounter und Frischemarkt als gut an, sprachen sich aber für eine Vergrößerung des Edeka-Marktes aus.
Feldmark
Der Platz vor dem Netto-Markt ist mit Natursteinpflaster belegt. Die Workshop-Teilnehmer bemängelten, dass Rollstuhlfahrer und Personen mit Rollatoren den Platz kaum befahren können. „Das Natursteinpflaster ist schön, aber nicht immer praktisch“, erklärte Stadtbaurat Paßlick. Er will den Platz so verändern, dass auch Rollstuhlfahrer die Geschäfte gut erreichen können.
Holtwick und Löverick
Der Inhaber des Edeka-Marktes in Holtwick will seinen Markt erweitern. Es soll eine Erweiterung in einer Größenordnung stattfinden, die den Standort Holtwick, aber auch den Standort Löverick absichert.
Barlo/Spork
Die Barloer und die Sporker wünschen sich für ihre Ortsteile Dorfläden. Die Stadt Bocholt wird einen Fachmann für Betreiberkonzepte einladen, der die Vereine Pro Barlo und Spork aktiv informiert. Die Stadt wird untersuchen, ob ein Dorfladen in den Ortsteilen sich lohnt.
„Die Anregungen der Workshop-Teilnehmer werden nun im Rahmen des Einzelhandelskonzeptes weiter bearbeitet“, so Stadtplanerin Andrea Döring.