07. Dezember 2010.
Zwei neue Museumsbauten für Kassel Staatsministerin Kühne-Hörmann und Oberbürgermeistern Hilgen stellen Planungen für das städtische Brüder Grimm-Museum und das Tapetenmuseum des Landes vor / „Historische Situation“ Wiesbaden / Kassel - Auf dem städtebaulich exponierten Areal auf dem Weinberg in Kassel werden zwei neue Museumsbauten entstehen: Wo einst südlich der Weinbergstraße die Henschelvilla stand, soll das städtische Brüder Grimm-Museum errichtet werden; das Tapetenmuseum des Landes wird am östlichen Ende des Weinbergs gegenüber dem Elisabethkrankenhaus an der Stelle gebaut, wo es zu früheren Zeiten bereits eine Villenbebauung gab. Das haben Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen und die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in der Murhardschen Bibliothek in Kassel mitgeteilt. Beide sprachen von einer „historischen Situation“: „In den vergangenen hundert Jahren gab es in Kassel keinen Museumsneubau, jetzt werden gleich zwei Häuser neu errichtet.“
Am Weinberg war intensiv nach dem besten Standort für beide Museen gesucht worden. „Sowohl der Fürstengarten als auch der Henschelgarten waren für das Tapetenmuseum Optionen und mit verschiedenen Bebauungsvarianten im Gespräch“, sagte Ministerin Kühne-Hörmann. „Ein von Stadt und Land gemeinsam in Auftrag gegebenes Gutachten hat die verschiedenen Diskussionsvorschläge analysiert und bewertet, um unter Würdigung aller Aspekte einen idealen Standortvorschlag zu präsentieren, der von Stadt und Land gemeinsam getragen wird“, sagte Oberbürgermeister Hilgen.
In der „Gutachterlichen Stellungnahme zu den geplanten Museumsstandorten auf dem Weinberg“ des Architektenbüros Kühn-von Kaehne und Lange aus Potsdam wurden die vier auf dem Weinberg möglichen Varianten unter städtebaulichen, baurechtlichen, landschafts- und denkmalpflegerischen sowie weiteren standorttypischen Aspekten detailliert untersucht. „Die Erarbeitung des Gutachtens wurde von beiden Auftraggebern intensiv begleitet, so dass mit dem Ergebnis nun ein zwischen Stadt und Land abgestimmter Vorschlag präsentiert wird, der beiden Museen jeweils einen herausragenden Standort zuordnet, an dem sie sich großartig präsentieren können“, hob die Ministerin hervor.
Für die bevorzugte Variante - Bau des Brüder Grimm-Museums und des Tapetenmuseums an räumlich voneinander getrennten Standorten im ehemaligen Henschelgarten - sprechen mehrere Gründe: Eine für Kassel bedeutungsvolle städtebauliche Situation wird dadurch wiederbelebt. Beide Museen stehen an einem exponierten Ort und bilden ein Bindeglied zu anderen Häusern in der Umgebung, nämlich der Neuen Galerie und dem Museum für Sepulkralkultur. Aufgrund der Topographie am Hang erzielen beide Häuser „Fernwirkung“. Der ehemalige Henschelgarten wird aufgewertet und der Fürstengarten bleibt als Parkanlage weitgehend unberührt.
Sorgfältige Prüfung
„Die Chance, zwei Museumsneubauten in einem Gartendenkmal zu platzieren, war Anlass zu einer besonders sorgfältigen Prüfung der Rahmenbedingungen“, betonte Oberbürgermeister HiIgen. Vor dem Hintergrund des zwischen Stadt und Land geschlossenen Kulturvertrags seien die Neubauvorhaben Leuchttürme bei der Neuordnung der Museumslandschaft Kassel.
„Die Stadt Kassel will das Thema Grimm unter musealen, kulturwirtschaftlichen, wissenschaftlichen und baulichen Aspekten neu positionieren. Diese große Herausforderung erfordert sorgfältige Vorbereitung mit gutachterlicher Unterstützung“, sagte Hilgen. Nach den langen Diskussionen über mögliche Standorte sei es zunächst wichtig gewesen, ein inhaltliches Konzept für das Brüder Grimm-Museum und die geplante Grimm-Welt zu erarbeiten. Damit waren die Büros Themata (Potsdam) und Dr. Hermanns (Münster) beauftragt worden, die über umfangreiche Erfahrungen bei der Konzeption und Steuerung von Kulturprojekten verfügen. Das Grimm-Konzept war am 21. Mai 2010 vorgestellt worden. Dabei wurde deutlich, dass das Palais Bellevue, bisher Standort des Brüder Grimm-Museums, wegen der zu erwartenden Besucherzahlen von 80.000 bis 120.000 im Jahr nicht die notwendige räumliche Perspektive bietet. Die Investitionskosten für den Neubau bezifferte Hilgen mit 18,2 Millionen Euro.
Für das Land sei jetzt die Standortfrage das vorrangige Thema gewesen, weil bereits seit längerer Zeit ein Raumkonzept für das Tapetenmuseum vorliege, sagte Ministerin Kühne-Hörmann. Sie erinnerte daran, dass der damalige Ministerpräsident Roland Koch 2008 in einem Gespräch zwischen Stadt und Land ein gemeinsames Museumsprojekt auf dem Weinberg vorgeschlagen hatte. Eine eigens eingerichtete Arbeitsgemeinschaft aus Vertretern von Stadt und Land sowie der Industrie- und Handelskammer habe sich seither mit der komplexen Aufgabe einer Weinbergbebauung befasst.
Für ein vom Brüder Grimm-Museum und dem Tapetenmuseum gemeinsam genutztes Gebäude auf dem Weinberg waren im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens die städtebaulichen Auswirkungen anhand eines Baumassenmodells geprüft worden. „Dabei zeigte sich, dass ein massiver Baukörper, wie er für ein einziges Gebäude notwendig wäre, an dieser Stelle nicht möglich ist“, hoben Oberbürgermeister Hilgen und Ministerin Kühne-Hörmann hervor. „Außerdem sind die beiden Museen sowohl funktional als auch thematisch zu unterschiedlich“, ergänzte der Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel, Prof. Dr. Bernd Küster. Gemeinsam genutzte funktionale Bereiche, wie zum Beispiel Veranstaltungsräume oder Cafeteria, hätten zudem den Finanzierungsrahmen gesprengt. Im Lenkungsausschuss habe man vor diesem Hintergrund rasch Einvernehmen darüber erzielt, die zur Diskussion stehenden Standorte mittels gutachterlicher Stellungnahme zu prüfen.
Wie geht es weiter?
Für den Bau des städtischen Brüder Grimm-Museums ist ein fester Zeitrahmen vorgegeben, nachdem der Hessische Minister für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, Dieter Posch, zugesagt hat, sechs Millionen Euro aus dem EFRE-Strukturfonds der Europäischen Union zur Finanzierung beizutragen. Dieser Fonds läuft von 2007 bis 2013.
Das Brüder Grimm-Museum soll nach den Worten von Oberbürgermeister Hilgen 2014 eröffnet werden. Zunächst müssten die städtischen Gremien über den Vorschlag beraten: Im Magistrat werde die Vorlage zur Standortentscheidung und die Auslobung eines Architektenwettbewerbs am 17. Dezember 2010 behandelt; die Stadtverordnetenversammlung werde am 7. Februar 2011 darüber beraten.
Ministerin Kühne-Hörmann ergänzte zu dem auf 11,5 Millionen Euro veranschlagten Tapetenmuseum: „Da für dieses Grundstück, anders als beim Brüder Grimm-Museum, noch kein Baurecht gegeben ist, muss hier als erster Schritt das Bebauungsplanverfahren als planungsrechtliche Grundlage für den Museumsneubau bis zur vorgezogenen Bürgerbeteiligung durchgeführt und nach Abschluss des vorgesehenen Architektenwettbewerbs fortgesetzt werden. Mit dem Baubeginn ist nach realistischer Einschätzung 2013 zu rechnen, mit der Fertigstellung 2015.“
Die „Gutachterliche Stellungnahme zu den geplanten Museumstandorten auf dem Weinberg in Kassel“ steht auf den Internetseiten der Stadt unter www.stadt-kassel.de
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