Um einem Mangel an Hausärzten auch in Zukunft vorzubeugen, will der Landkreis Leer Nachwuchs-Ärzte mit Stipendien in den Kreis holen. Das hat der Kreisausschuss auf Vorschlag von Landrat Bernhard Bramlage in seiner Sitzung am Freitagnachmittag einstimmig beschlossen. Weitere Details sollen nun vom zuständigen Fachausschuss festgelegt werden.
Erstmals ab 2011 sollen nach dem Vorschlag des Landrats drei Jahre lang Nachwuchskräfte der Humanmedizin mit einem Stipendiatenprogramm gefördert werden. Danach sollen Studenten je nach Semesterstand ihres Studiums bis zu 600 Euro monatlich über eine Regelstudienzeit von sechs Jahren und drei Monaten erhalten (jeweils maximal 40.200 Euro). Es ist vorgesehen, jährlich fünf Studenten zu fördern. Somit lobt der Landkreis jährlich Stipendien im Wert von 201.000 Euro aus.
Als Gegenleistung verpflichten sich die angehenden Ärzte, mindestens drei Jahre im Landkreis Leer zu arbeiten.
Die Studienbeihilfe habe ein klares Ziel, so Landrat Bramlage. „Sie wird von uns zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung im Landkreis Leer eingeführt.“ Das Programm sei eine konkrete Maßnahme, um dem Problem des Ärztemangels zu begegnen. „Wir wollen den Nachwuchs in den Landkreis holen und hier möglichst sesshaft machen. Praktiziert ein Arzt erst einmal in der Region, steigt die Chance, dass dies auf Dauer so bleiben wird. Mit der finanziellen Starthilfe möchten wir langfristig dafür sorgen, dass im Landkreis Ärzte in der Qualität und Dichte zur Verfügung stehen – so wie wir es uns wünschen und wie wir sie brauchen“, erklärt Bernhard Bramlage.
Wohnortnahe und gute medizinische Versorgung gehöre entscheidend zur Lebensqualität. „Wir sind mit unseren Krankenhäusern und einem im Vergleich zu manchen Gebieten noch relativ engem Netz niedergelassener Ärzte augenblicklich gut aufgestellt. Allerdings können und dürfen wir uns darauf mit Blick auf den harten Standortwettbewerb und demografischen Wandel nicht verlassen.“
Der Landkreis Leer wünscht sich, dass sein offensives Vorgehen bei den Studenten auf positives Echo stößt und er sie frühzeitig für eine Tätigkeit im Kreisgebiet interessieren kann. „Ich bin überzeugt, die Studienbeihilfe ist gut angelegtes Geld. Uns ist dennoch klar, dass es einen Anreiz darstellt, aber kein Allheilmittel im Kampf um kluge Köpfe und gegen den Ärztemangel ist“, so der Landrat.
Das Stipendium:
Medizinstudenten können für die Dauer von sechs Jahren und drei Monaten einen monatlichen Betrag in Höhe von 400 bis 600 Euro erhalten, wenn sie
Das Stipendiatenprogramm gilt zunächst, wie bereits oben erwähnt, bis 2014.
Hintergrund:
Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen hat eine Prognose zur Entwicklung der Arztzahlen im Bundesland für das Jahr 2020 erstellt. Nach dieser Untersuchung fehlen etwa 1000 Vertragsärzte – der zusätzliche Bedarf aufgrund des demografischen Wandels noch nicht eingerechnet.
Für den Landkreis Leer wurde eine Unterversorgung in folgenden Arztgruppen vorausgesagt: Haus-, Augen- und Frauenärzte, Chirurgen, Urologen, Kinder-, Haut- und Nervenärzte, Orthopäden, Psychotherapeuten sowie Hals-Nasen-Ohren-Ärzte.
Der demografische Wandel und seine Auswirkungen auf die Region ist beim Landkreis Leer seit Jahren ein Arbeitsschwerpunkt. Das Thema „Demografischer Wandel und Sicherung der Ärzteversorgung“ wird seit 2009 in der Arbeitsgruppe Infrastrukturplanung und Siedlungsentwicklung bearbeitet.
Die Gruppe hat sich mit einer Umfrage ein genaues Bild über die Ärzteversorgung im Landkreis Leer bis zum Jahr 2030 verschafft. Unter Federführung des Gesundheitsamts und in Kooperation mit dem Ärzteverein des Landkreises Leer sowie der Demografiebeauftragten wurde von Oktober 2009 bis zum März 2010 eine Faxumfrage durchgeführt.
Mit einer Rücklaufquote von 66 Prozent war die Umfrage repräsentativ und zeigte, dass bei 85 Prozent der teilnehmenden Allgemeinmediziner die Nachfolge nicht geregelt ist und sich im Jahr 2030 94 Prozent von ihnen im Ruhestand befinden. Bei den Fachärzten ist bei 72 Prozent die Nachfolge bisher nicht geregelt, im Jahr 2030 sind 74 Prozent in den Ruhestand getreten.
Landkreis Leer ist Mitglied bei www.presse-service.de. Dort können Sie Mitteilungen weiterer Pressestellen recherchieren und per E-Mail abonnieren.
Borkumer Zeitung
General-Anzeiger
Ostfriesen-Zeitung
Rheiderland-Zeitung
Wochenzeitungen
Monatszeitschrift
Der Leeraner
leer aktuell
Leeraner Bürgerzeitung